Markus Aellig
Organisten-Alltag 2012
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Noten-Download
Dezember 2012
Sie finden hier verschiedene Stücke aus Folklore, Jazz, Pop und Klassik, die ich für die Orgel komponiert oder arrangiert habe. Wie ich in letzter Zeit erfahren habe, werden diese Stücke gelegentlich im Gottesdienst oder im Konzert gespielt. Das freut mich natürlich, denn genau für diese Zwecke habe ich die Stücke ja auf meiner Homepage untergebracht.

Sie können diese Stücke - die nicht bei der SUISA angemeldet sind - nach Herzenslust für Ihre eigenen Zwecke einspannen, das heisst öffentlich aufführen oder verändern oder was auch immer. Sie brauchen also keine Erlaubnis meinerseits und müssen mir auch keine Gebühren zahlen.

Wenn Sie die Stücke öffentlich spielen, möchte ich Sie bitten, mich als Komponist bezw. Bearbeiter im Programm aufzuführen. Aber sonst können Sie tun und lassen, wie es Ihnen beliebt. Oder, wie der Amerikaner sagt: "Feel free!"
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Bach oder Pop?
Dezember 2012
Im Februar 1992 begann ich meine Stelle als Organist der Stadtkirche Thun. Als mehr oder weniger "unbeschriebenes" Blatt sah ich mich plötzlich genötigt, für Gottesdienste und Konzerte enorm viel zu üben (...nachdem ich vorher etwa zehn Jahre lang das Üben aufs Minimum beschränkt und vor allem von den Reserven gelebt hatte ). Ich fühlte mich etwas gestresst und dachte: "Dene Lüt da muesch de e chly öppis Rächts biete und nid geng nume so Dibidäbimusig schpile!"

Und dann kam der 24. Dezember, und die Kirche war um 23 Uhr platschvoll, und ich hatte "öppis Rächts" als Eingangsspiel vorbereitet, nämlich die grosse C-Dur-Toccata von Bach (die mit dem langen Pedalsolo).

Im darauffolgenden Januar traf ich zufällig einen früheren Kollegen in einer Thuner Beiz. Dieser Kollege hatte offenbar die Heiligabendfeier besucht, aber er meckerte ziemlich über meine Stückwahl und Spielweise. Er hätte gerne etwas "Populäreres" gehört, zum Beispiel ein bekanntes Weihnachtslied oder so.

Ich ging in mich und spielte im Dezember darauf eine etwas freche und rockige Version von "Ihr Kinderlein kommet" als Aussgangsspiel in der Mitternachtsfeier. Das Stück gefiel den Leuten offenbar so gut, dass sie anschliessend - also etwa um Mitternacht - kräftig klatschten.

Der an dieser Feier mitgewirkt habende Pfarrer wurde einige Jahre später pensioniert. Das "Thuner Tagblatt" veröffentlichte ein grosses Interview mit dem scheidenden Pfarrer. Dieser kramte in seinen Erinnerungen herum und erwähnte auch die besagte Heiligabendfeier von 1993: Es sei ein so andächtiger und beschaulicher Gottesdienst gewesen, und dann habe der Organist mit seinen lärmigen Variationen über "Ihr Kinderlein kommet" die feierliche Stimmung total aus dem Ruder laufen lassen ...

... nimmt mich nur wunder, was besagter Pfarrer zu den "Scènes pastorales" von Lefébure-Wély gesagt hätte. Ein Werk voller Donnergrollen und Sturmesrauschen seitens der Orgel und vom Komponisten als apartes Stück für die Christnachtmesse oder für die Einweihung einer neuen Orgel vorgesehen.
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Zum Schmunzeln
Dezember 2012



Seit bald drei Jahren lerne ich Arabisch. Hatte ich ursprünglich vor allem der wunderschönen Schrift wegen damit begonnen, lernte ich auch nach und nach den Klang der Sprache und ihre blumige Ausdrucksweise lieben. Die Grammatik des Arabischen ist leider ziemlich kompliziert (und viele Araber sind auch noch stolz darauf...). Aber - Insch'Allah - irgendwann werde ich es doch noch richtig lernen. Allah heisst übrigens schlicht und einfach "der Gott".
Item! Letzten Herbst war ich längere Zeit in Tunesien. Auf dem Souq (Markt) in der Altstadt von Hammamet traf ich einen Gewürzhändler. Fromme Muslime beten fünfmal am Tag, wobei sie mit der Stirne den Boden berühren. Wer das mehrere Jahre gemacht hat, bekommt allmählich einen zunehmend auffälligeren braunen Fleck auf der Stirne.

Mein Gewürzhändler hatte auch so einen Fleck, war also ein frommer Muslim, und so fragte ich ihn: "Warum heisst es Allah-u akbar und nicht Allah-u kabir ?" - "Kabir" heisst "gross", und ich dachte immer, die klassische Formel laute Gott ist gross. Mein Gewürzhändler belehrte mich dann, dass "akbar" der Superlativ von "kabir" sei, auf Deutsch also "der Grösste" heisse. Allah-u akbar heisst also Gott ist der Grösste.

Mein Gesprächspartner versuchte in der Folge, mir die Vorzüge seines Glaubens vor Augen zu führen und mich zum Islam zu bekehren. Ich musste ihm dann halt mitteilen, dass ich als Musiker in einer christlichen Kirche arbeite; deshalb könne ich erst in viereinhalb Jahren - also nach meiner Pensionierung - eine Konversion zum Islam in Erwägung ziehen. Der Mann begriff es, aber er schaute mich etwas missmutig und enttäuscht an ...
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Kirche   -   Moschee
September 2012
Ich habe einen Grossteil meines Lebens in Kirchen verbracht. Wenn ich - in der Schweiz oder im Ausland - schon von weitem einen Kirchturm sehe, erfreut mich dieser Anblick regelmässig, und meistens trachte ich danach, zu dieser Kirche zu gelangen, sie von aussen und innen zu besichtigen und nach Möglichkeit die darinnen befindliche Orgel "auszuprobieren".

Um so erstaunter war ich vor zwei Jahren, als ich zum ersten Mal Tunesien - ein Land voller Moscheen - besuchte. Die schon von weitem sichtbaren Minarette erinnerten mich sehr stark an unsere "einheimischen" Kirchen und wirkten auf mich überaus "heimelig".
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Ländlermusik auf der Orgel  -  darf man das?
August 2012
Schon früher gab es Bestrebungen, auf der Kirchenorgel auch Musik zu spielen, die nicht unbedingt für sakrale Zwecke gedacht war. Im 18. Jahrhundert setzte Abbé Vogler einen Meilenstein in der populären Orgelmusik; vor einigen Jahrzehnten war es vor allem Hannes Meyer, der mit seinen launigen Ländlerstücken neue und überraschte Zuhörerscharen fesselte.

Vor einigen Jahren verstarb ein hochangesehener und bekannter Thuner Gymnasiallehrer. Da viele Trauergäste erwartet wurde, verlegte man die Abdankungsfeier in die Stadtkirche. Die Trauerfamilie bat mich, einige Jodellieder von Adolf Stähli zu spielen; der Verstorbene hätte diese Lieder überaus geschätzt. Ich dachte einen Moment nach und entschied mich dann, während der ganzen Trauerfeier folkloristische Musik zu spielen.  -  Ich spielte dann drei Stähli-Lieder als Zwischenspiel, sowie einen gemässigt fröhlichen Walzer und eine eher ruhige Polka als Eingangs- bezw. Ausgangsspiel.

Die Reaktionen waren interessant: Die Trauerfamilie fand es sehr passend und auch im Sinne des Verstorbenen, dass die Stähli-Lieder von Ländlermusik eingerahmt worden waren. Recht viele Trauergäste fanden es allerdings völlig daneben, dass ich die Trauerfeier mit diesen so lebensbejahenden Volksmusikstücken "gestört" hatte.
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Solisten-Honorare
Juni 2012
Um einen Gottesdienst musikalisch zu bereichern, wird - vor allem in feierlichen Gottesdiensten wie Karfreitag, Pfingsten oder Weihnachten - gerne eine Solistin oder ein Solist beigezogen. Es kommt also vor, dass eine Flötistin, ein Trompeter, eine Violinistin oder ein Sänger mit ihrem Spiel bezw. Gesang den Gottesdienst verschönern.

Im Jahre des Herrn 1989 - also vor 23 Jahren - spielte ich an einer Abdankung in einer Kirche der Kirchgemeinde XYZ in der Nähe von Thun. Es wirkte auch noch eine Flötistin mit. Nach der Abdankung belauschte ich ein Gespräch zwischen Flötistin und Pfarrer und vernahm so, dass die Flötistin ein Honorar von Fr. 300.- bekommen würde. (Nebenbei gesagt: Ich erhielt für meinen Einsatz Fr. 90.- ... harr harr harr)

Gerade diese Woche vernahm ich von einer Organistenkollegin, die in derselben Kirchgemeinde XYZ angestellt ist, dass die Kirchgemeinde einem beigezogenen Solisten nur mit Murren eine Honorar von Fr. 350.- oder sogar Fr. 400.- entrichte. Standard sei ein Honorar von Fr. 300.-.

Frage: Wie nennt man das, wenn eine Kirchgemeinde 23 Jahre dieselben Solistenhonorare ausrichtet?
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Vogelsang
Juni 2012
In barocken Orgeln wurde gerne der Registerzug "Vogelsang" eingebaut. Dabei werden mehrere kurze - also hochklingende - Orgelpfeifen kopfvoran in einen Behälter mit Wasser getaucht. Die Schwingungen der Pfeifen versetzen das Wasser in Wellenbewegungen, was sich in einer kontinuierliche Tonhöhenänderung auswirkt und vom Hörer als ziemlich authentisches Vogelgezwitscher wahrgenommen wird.

Die mir bekannte nächste Orgel mit Vogelsang steht übrigens in der Kirche Hilterfingen.

Nun, auch meine Orgel hat gelegentlich den Vogelsang. Die Kirche ist ein Touristenmagnet; Heerscharen von Touristen aus aller Herren Länder laufen in der warmen Jahreszeit auf den Schlossberg, besuchen das Schloss, bewundern vor der Kirche die Aussicht auf See und Berge und besichtigen auch die Kirche selbst. Wenn diese Leute dann die Kirche verlassen, vergessen sie recht häufig, die Türe hinter sich zuzumachen, obwohl eine entsprechende Bitte sowohl in deutscher wie in englischer Sprache an der Aussenseite dieser Türe angebracht wäre, aber Fremdsprachen sind bekanntlich Glücksache ...

Sind dann die Touristen verschwunden, und ist es um die und in der Kirche ruhig, kann es vorkommen, dass ein vorwitziger Spatz oder eine tollkühne Meise in die Kirche fliegt, einige Andenken fallen lässt, den Ausgang nicht mehr findet, in Panik gerät, auf die Empore fliegt, die dortige Aussicht bewundert, auf den Rand einer Prospektpfeife gelangt, dort das Gleichgewicht verliert und PLUMPS!!! in die Pfeife hineinfällt. Und ist der Vogel mal in der Pfeife, kommt er nicht mehr heraus.

Schon zweimal in meiner Karriere hörte ich so einen "natürlichen" Vogelsang, suchte den Vogel und seine Pfeife, nahm die Pfeife aus ihrer Halterung, ging nach aussen, kippte die Pfeife um, der Vogel flog hinaus und konnte - nicht ohne empörtes Zwitschern - wieder seine Freiheit geniessen.
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Moderne Musik
Juni 2012
In "meiner" Kirche herrscht der schöne Brauch des Kirchenkaffees. Nach jedem Gottesdienst wird Kaffee, Tee und Gebäck serviert. Dabei kann man sich noch etwas austauschen oder auch mit dem Pfarrer über die gehaltene Predigt fachsimpeln.

Vor einigen Jahren spielte ich als Zwischenspiel ein etwas schmalziges Charakterstück von Alexandre Guilmant, und da fragte anschliessend ein Predigtbesucher beim Kirchenkaffee: "Welcher Komponist hat denn dieses  MODERNE  Stück geschrieben?"

Nun muss man wissen, dass Guilmant - dieser als Komponist, Konzertorganist und Lehrer bekannte und populäre Organist - von 1837 bis 1911 lebte. Zu seiner Zeit hielt man ihn vielleicht für modern, aber heute darf seine Musik mit Recht als "romantisch" bezeichnet werden...

...wie hätte mein lieber Gottesdienstbesucher wohl ein Zwischenspiel von Max Reger (1873-1916), Hans Studer (1911-1986) oder gar Olivier Messiaen (1908-1993) taxiert?
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Die Orgel spielt...
April 2012
"Die Orgel spielt uns die Melodie einmal vor":

Diese von Pfarrerinnen und Pfarrern bei der Ankündigung unbekannter Lieder gern gebrauchte Formulierung bringt nicht wenige meiner Kolleginnen und Kollegen gelegentlich in Rage. "Also, eigentlich spielt nicht DIE ORGEL, sondern ICH spiele! Die Orgel ist nur das Instrument, auf dem ich die Melodie spiele."

Ich begreife den Ärger und die Frustration meiner Kollegen, erkläre mir aber die etwas ungeschickte Formulierung unserer Praedikanten so, dass sie - wie auch viele "normalsterbliche" Kirchenbesucher - eine gewisse Ehrfurcht in der Kirche empfinden und diese Ehrfurcht halt auch auf die Empore und somit auf die Orgel übertragen. Und da tönt es schon angemessener, wenn die Orgel - die ja man sieht - spielt, und nicht der Organist, den man ja häufig nicht einmal sieht (sondern höchstens husten hört...).

Und sonst walte der Humor:

...die Orgel spielt uns die Melodie einmal vor.
...die Kanzel liest uns nun den Predigttext vor.
...der Besen wischt morgen Montag die Kirche.
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Orgel...     ...Musik?
April 2012
Sind die Töne und Geräusche, die eine Kirchenorgel erzeugen kann, wirklich Musik? Oder fängt die Musik erst an, wenn zur Orgel noch Gesang und Instrumentenklänge dazukommen? Dazu eine wahre Begebenheit, die sich vor etwa 14 Jahren zugetragen hat. Ich spielte an einem Trauergottesdienst in der Dorfkirche Steffisburg. Die Trauerfamilie hatte zusätzlich noch eine Oboistin um ihre Mitwirkung gebeten. Der Herr Pfarrer - der nicht genau wusste, wann Duo-Musik und wann Orgel solo erklingen würde - erschien 10 Minuten vor der Trauerfeier und überreichte mir einen Ablauf beginnend mit...

1. Musik oder Orgel...
2. ...
3. ...
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Kinder in der Kirche
April 2012
Mit Kindern erlebt man in der Kirche bisweilen bemerkenswerte und oft auch lustige Situationen.

So kam vor Jahren ein Vater mit seinem fünfjährigen Sohne nach dem Gottesdienst auf die Empore. Ja, der Bub möchte halt mal die Orgel von nahem sehen. Also zeigte ich dem Buben die Orgel, die Pfeifen, den Spieltisch und spielte verschiedene Register vor... also ich gab mir redlich Mühe. Nach einigen Minuten aber fragte der Bub (er sa wohl vor lauter Bäumen den Wald nicht): "Ja, aber WO ist jetzt die Orgel?" - Ich war baff und öffnete die Tür zum Orgelinnern. Der Bub schaute hinein in das Tohuwabohu von Balken, Bälgen, Abstrakten, Windkanälen, Wellenbrettern und Windschläuchen und meinte dann: "Aha, das ist jetzt der MASCHINENRAUM der Orgel".

...oder da kam vor einigen Wochen Yannick nach der Orgelmatinée auf die Empore. Er sei sieben Jahre alt, spiele Klavier, und die Orgelmusik habe ihm gefallen. Ich hiess ihn, die Schuhe auszuziehen und setzte ihn auf die Orgelbank. Yannick begann zu spielen, Register auszuprobieren und geriet vollends in Fahrt und Rage (Ähnliches habe ich als Dreizehnjähriger in einem Musikhaus auf einer Farfisaorgel erlebt). Am Schluss musste ich ihm die Orgel ausschalten...
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Tag der Erde
April 2012
Das Internet hat mir Ende Februar mitgeteilt, der 22. April sei der "Tag der Erde". Da ich immer auf der Suche nach neuen und origenellen Matinée-Themen bin, schnappte ich mir diesen Gedenktag - der heuer an einem Sonntag liegt - als Motto und suchte nach passenden Musikstücken. Ich wurde u.a. fündig beim "Earth Song" von Michael Jackson.

Es ist ja ein schönes Lied. Aber... warum beim Donnerli hat Michael Jackson dieses Lied in der unmöglichen Tonart as-moll gespielt und gesungen?