Markus Aellig
Organisten-Alltag 2016
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Stille Nacht - mal ganz laut
Dezember 2016
Heute, am Weihnachtstag, bin ich ferienhalber NICHT in der Kirche, sondern zu Hause, und bereite das Weihnachtsmahl vor. Dabei höre ich Radio SRF 1 (oder DRS 1...) und geniesse die dort ausgestrahlte Weihnachtsmusik.

Allerdings ärgere ich mich langsam, praktisch AUSSCHLIESSLICH amerikanische Songs hören zu müssen. Hand aufs Herz: Ist Radio SRF 1 ein Schweizer oder ein Amerikaner? - Ich glaube meiner Seel und Treu: Wenn ich am 25. Dezember irgendwo in den USA wäre, würde ich mi Türi nirgendwo deutsche, französische oder italienische Weihnachtslieder am Radio hören.

Item, ich tröstete mich dann, indem ich das folgende Weihnachtslied ansah / anhörte:
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Pressefreiheit
Dezember 2016
Kürzlich erhielt ich ein Email von einer Mitarbeiterin vom Thuner Tagblatt, dessen Inhalt ich hier gekürzt und anonymisiert wiedergebe:
Guten Morgen Markus
Gerne möchte ich Dir mal wieder zu Deinem Ideenreichtum gratulieren! Schade, dass wir uns nur noch selten begegnen und ich nicht mehr wie früher über Deine Konzerte schreiben darf...
XYZ
Ich schrieb dann zurück...
Liebe XYZ
Vielen Dank für Dein Email.
Es ist tatsächlich so, dass das Thuner Tagblatt seit weiss-der-Herr-wie-lange nicht mehr über "meine" Konzerte berichtet. Warum das so ist, weiss ich nicht. Es ist einfach so. Ich habe zwar seit Jahren eine Jahresübersicht ans Thuner Tagblatt geschickt, aber meistens erfolglos. Der Tägu setzt halt seine eigenen Prioritäten, und die Redaktion hüllte und hüllt sich seit meinem Stellenantritt 1992 an der Stadtkirche Thun mit erstaunlicher Hartnäckigkeit in vornehmstes Schweigen.
Eine einzige, wohltuende Ausnahme erlebte ich trotzdem, nämlich als Heinerika Eggermann vor Jahren den Feuilleton betreute. Mit ihr konnte "man" reden, und mit ihr konnte ich das Jahresprogramm durchgehen. Wer aber jetzt die Kultursparte betreut... keine Ahnung.
Anfangs September organisierte die Kirchgemeinde die "Thuner Orgelrundfahrt". Dieser Anlass fand regen Anklang und stiess allgemein auf ein begeistertes Echo. Und was schrieb das TT dazu: Nichts, Niente, Nada, Nitschewo. Meine Kolleginnen und Kollegen aus der Organi-stenzunft sowie zahlreiche Besucher dieses Anlasses waren darüber ziemlich erbost und/oder befremdet.
Ich glaube meiner Seele: Wenn am gleichen Samstag Nachmittag die HV des Ameisenschutzverbandes (gibt es den überhaupt?) von Hinternütigen (wo liegt denn das?) stattgefunden hätte, wäre einige Tage später im Tägu ein grossartiger Bericht darüber publiziert worden. Soviel zur Prioritätensetzung...
Aber ich willl jetzt nicht mehr länger jammern; es gibt nämlich die sog. Pressefreiheit. Immerhin halte ich dem Thuner Tagblatt zugute, dass es seit Jahren die von mir eingesandten Vorschauen - abgesehen von wenigen Ausnahmen - publiziert. Dies gelegentlich sogar ungekürzt; stell Dir mal vor!
Liebe Grüsse
Markus
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Jubiläums-Orgelkonzert mit Annerös Hulliger
Stadtkirche Thun 18. Dezember 2016 17.00 Uhr
Dezember 2016
Klang-Wege und Tanz-Schritte. Das ist das Motiv von Annerös Hulligers Recital, das symbolisch zum Jubiläum des 30. Weihnachtskonzertes "ganz oben" an der wohlklingenden, durch Orgelbau Metzler sorgfältig renovierten Orgel der Stadtkirche Thun erklingen wird. Damit öffnet die Musikerin ein "Klang-Fenster" mit Blick auf Festliches, Bezauberndes, Virtuoses, Sprechendes und Berührendes aus glanzvollem Barock. Tonangebend ist Händels "Einzug der Königin aus Saba" ,die behenden Schrittes die Klangwanderung anführt.

Den ersten Zwischenhalt umspielt J.K.F. Fischer mit seiner bildhaften Passacaglia "vom Leben". Richtungweisend erklingt "Allein Gott in der Höh sei Ehr", dieses bewegte Trio von J.S. Bach, dessen grenzensprengende Fantasie in g-moll Klage, Leid und Hoffnung vereinend, sodann im Brennpunkt dieses Klangweges steht.

D. Buxtehudes Passacaglia lässt nachdenklich innehalten und führt zum Raum, der Bachs g-moll-Fuge in lichtvoller Höhe erstrahlen lässt. "Nun komm der Heiden Heiland" begleitet die Wandernden in adventlicher Zuversicht durch Zeit und Raum und schafft zugleich Verbindung zu Bachs Passacaglia:

Das Grösste erklingt zum Schluss, dieses einzigartige Werk, geschaffen aus dem vollen Leben, gegründet auf dem Fundament eines unablässig wiederkehrenden Themas, dessen Harmonisierung und Figurationen voller Form und Inhalt sind! Was dabei zu erkennen sei, keimt als Gedanke, sucht nach Bildern, ahnt Gesetzmässiges und bewahrt inneres Bewegtsein.

Flyer
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Denkwürdige Terminvereinbarung
Dezember 2016
Wenn ein auswärtiger Organist die Orgel in der Stadtkirche Thun benützen will, fragt er zuerst das Sekretariat an und holt sich dort die Bewilligung; anschliessend telefoniert er mir; ich schaue in den Kirchen-Online-Kalender rein, reserviere ihm seine gewünschten Zeiten - dieses Procedere dauert in der Regel nur einige Minuten - und alsbald herrscht Friede, Freude, Eierkuchen.

Dass es auch anders geht, durfte oder musste ich unlängst erleben. Die Geschichte ist Folgende: Ich bin anfangs Jahr angefragt worden, ob ich an einem Weihnachtskonzert in der Kirche XYZ die Orgel zu traktieren täte. Freudig nahm ich den Job an. Meine Orgelpart ist nicht schwierig, auch nicht umfangreich, und eigentlich dachte ich, drei Stunden am Stück in besagter Kirche XYZ müssten reichen, um mich aufs Konzert vorzubereiten.

Frohgemut setzte ich mich also kürzlich an einem vernebelten Vormittag ans Telefon, um diese drei Stunden auf der Orgel ebendieser Kirche XYZ reservieren zu lassen, und die Odyssee nahm ihren Anfang...:
★ Ich schalte den PC ein und schaue im Internet nach, wer denn der Sigrist der Kirche XYZ sei. Anschliessend telefoniere ich Herrn S.
★ Herr S. nimmt nicht ab, ruft jedoch eine Minute später zurück und sagt, er sei Abwart des Kirchgemeindehauses. Die Sigristin der Kirche XYZ sei Frau F.
★ Ich telefoniere Frau F. Diese erklärt, es tue ihr leid, aber sie arbeite nur noch bis Ende Jahr und habe deshalb den Belegunsplan fürs 2017 bereits an ihre Nachfolgerin übergeben. Ich solle doch bitte die Kirchgemeinde-Verwaltung anrufen.
★ Ich rufe die Verwaltung zweimal an. Niemand nimmt ab.
★ Ich telefoniere Herrn Pfarrer B. und frage, ob die Verwaltung wohl besetzt sei. Herr B. meint, ja dass sei sie. "Die" sollten eigentlich abnehmen. Sonst könne ich mich wieder bei ihm melden.
★ Ich telefoniere Herrn F., der in der Kirche XYZ als Organist angestellt ist. Herr F. nimmt jedoch nicht ab.
★ Zehn Minuten oder so später rufe ich wieder die Verwaltung an. Diesmal nimmt Herr M. ab und reicht mich an Frau P. weiter. Frau P. erklärt, sie habe nur den ordentlichen Belegungsplan der Kirche XYZ. Für Organisten gelte die Belegungs-App, die sie jedoch nicht habe und die auch ich mangels Smartphone und mangels Anstellung bei der Kirchgemeinde XYZ natürlich NICHT habe. Wir vereinbaren, dass ich mich bei irgendeinem Organisten der Kirchgemeinde XYZ melde und mit dieser Person einen Termin vereinbare.
★ Ich telefoniere Organistin Frau P. Dort nimmt niemand ab.
★ Ich telefoniere Organistin Frau B. Dort nimmt niemand ab.
★ Ich telefoniere wiederum Organist Herrn F. Dieser nimmt ab, und mit ihm kann ich endlich einen Termin für Dienstag Nachmittag abmachen. Für eine allfällig nötige weitere Vorbereitungsrunde stehe der darauffolgende Mittwoch am Nachmittag zur Verfügung. Will heissen, an diesem Nachmittag sei die Kirche frei. Ich solle ihm dann nochmal telefonieren, wenn ich am Mittwoch auch üben möchte.
★ Während ich so mit Herrn F. via Handy rede, schellt mein Hausapparat, und eine Frau spricht eine Botschaft auf den Beantworter.
★ Danach höre ich diese Botschaft ab. Frau P. von der Verwaltung teilt mit, am besagten Dienstag und Mittwoch sei die Kirche XYZ durch mehrere Anlässe besetzt.
★ Ich telefoniere erneut der Verwaltung, werde zu Frau P. durchgewunken und erfahre zu meiner Erleichterung, dass der Dienstag-Nachmittag nicht nur von Organistenseite, sondern auch seitens der Kirchgemeinde frei sei. Am darauffolgenden Mittoch Nachmittag finde jedeoch ein Krippenspiel statt, und die Kirche stehe NICHT den ganzen Nachmittag zur Verfügung, sondern erst ab 18 Uhr oder noch später.
★ Am Nachmittag telefoniere ich mit Frau D. von der Verwaltung der Kirchgemeinde XYZ und vereinbare mit ihr einen zusätzlichen Orgeltermin für Donnerstag Vormittag.
★ Die ganze Telefoniererei und Internet-Guckerei dauerte etwa 80 Minuten. Dann dokumentierte ich diesen denkwürdigen "Fall" auf der Website, in die Sie gerade hineinschauen; das dauerte rund 30 Minuten. Zusammen also knapp 2 Stunden.
Läck, bin-i erschöpft!  Aber am Schluss het's klappt!!!
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Bärner Oberländer Chnörz
November 2016
Ich versuche, diesen Witz auf "Habcher-Tütsch" zu erzählen, da meine Mutter in Habkern aufgewachsen ist und ich dort in meiner Jugend wochenlange Sommerferien bei meiner Grossmutter verbracht habe. HABKERN, das Oberländer Dorf am Ende eines verwunschenen Tales, entzückt und erstaunt mit seinem sanften Tourismus, ausgedehnten Moor- und Karstlandschaften, wunderschönen Wanderrouten und einigen kräftigen Schimpfwörtern, welche nur Einheimische verstehen...

Iis isch doch on ä tütscha Wandärär im Luutärbrunnätal gsy u mmitäm Poschtouto uf Schtächälbärg gfahrä. Är hett drum ubär d Sefinäfurgga i ds Chiental wellä luufä. Är ischt also im Schtächälberg us äm Poschtouto uusgschtiige, hett äs Liedli pfiffen un ischt gwüss fröhläch dr Schtutz däsuuf u därnah dur d Sefinäschlucht uähi glüffen.

Mu wiiss ja, dass mu im Sefinätal ä Rrascht muess luufä u de rächts abha Richtig Rotschtockhütta. Abär irgändwie hett üsa Wandärär dä Abzwiigär värpasst un ischt iifach wyter gägä Chilchbalm zueglüffä. Är hett du gly gmerkt, dass är faltsch luuft. Du trifft är uf ds Mal zwei Sennäbürläni - Hänsel u Chrigel - , wan da öppis ghagät hii.

U du het är si gfragt: "Entschuldigung, meine Herren, wissen Sie, wo's da langgeht zur Sefinenfurgge?". Die zwe hiin dä Wandärär aagluägt - Hänsl het as ssyre Haaggäpfyffa gsugget, u Chrigl äng Grashlam gchätschät - u kiis Wort gsiit.

Du hett dä Wwandärär, wwannäs Schprachschenie gsy isch, si uf Französisch gfrägt: "Bonjour, est-ce que vous connaissez le chemin du col de Sefinen?" Die zwe hiinnen ummi aagschouät, ar Pfyffa gsugget un am Grashalm gchätschät - u kes Wort gsiit.

Üsa Wandärär hett ddiicht, das syg jetz o komisch; abär är hett gwüsst, dass d Schwyz viär Lanedsschprache hett; u drum hett är si uf Italiänisch gfrägt: "Signori, sanno il sentiero per il colle di Sefinen, per favore?" Die zwe hiinnen ummi aaglotzät (gwüss grad wiä Gchüä uf där Wiid, wan iim mengischt äso liäb-dumm chönnän aglotzä) u gschwiigä.

Du ischt üsa Wandärär langsam hässig wordän, aber är hett du diicht, är probiers glych no uf Englisch (är hett drumm äs paar Schprachi ussgeziichnät chönnä): "Hi! Do you know the hiking trail to the Sefinenfurgge?". Die zwe hin ummi gchätschät u gsuggägt, nän aaguggät - u wwiddär kis Wort gsiit. Du ischt är ttuba wordä, hett d Hend värrüehrt u hett si Wwäg sälbär gsuächt.

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Siit Hänsel zu Chrigel: "Läck, dä chann de Schprachä!" - Sit Chrigel zu Hänsel: "Ja, abär was hetts ihm gnützt?"
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Kirchenasyl in Belp: Freta und Nimerod bleiben
November 2016
In Belp ist vorübergehend etwas Ruhe eingekehrt. Bitte lesen Sie hier.
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Kirchenasyl vs. Dublin-Abkommen
4. November 2016
Liebe Musikfreundinnen und Musikfreunde

Ich erlaube mir ausnahmsweise, Sie in einem aussermusikalischen Fall zu informieren. Denn ich bin sehr betroffen über die seit Jahren nach Europa drängenden Flüchtlinge einerseits und über die äusserst bescheidene und zugleich restriktive Migrationspolitik der EU und unserer Schweizer Migrationsämter andererseits.
Diese Betroffenheit wurde noch durch zwei persönlich Erlebnisse verstärkt.

Erlebnis 1:
Kürzlich war ich an einem Wochenende beruflich in Mailand und sah in der Nähe des Bahnhofs Milano Centrale viele heimatlose Leute, dem Aussehen nach zum grossen Teil aus Eritreer und Somalier. Es regnete zwei Tage lang wolkenbruchartig, und diese "Homeless People" lungerten auf Kartons und in Schlafsäcken irgendwo am "Schärm", zum Teil vor den Schaufenstern erlesener Bekleidungs- und Accessoire-Geschäfte wie Armani, Versace und dergleichen.
Der Kontrast zwischen den Luxusläden und diesen abgehalfterten Flüchtlingen plagte mich derart, dass ich mir sogleich in einer Bar beim Bahnhof mit einem (sündhaft teuren) Bier emotionale Linderung verschaffen musste.
Erlebnis 2:
Meine Freund Rami ist ein junger Palästinenser aus dem Libanon, erhielt an der Uni in Torino (I) seinen Ingenieur-Abschluss und heiratete kurz darauf eine Schweizerin. Nach zwei Jahren zog seine Frau aus und verlangte die Scheidung.
Rami ist intelligent, charmant, arbeitsam, gut integriert und kommt selber für seinen Lebensunterhalt auf; er fällt also der Allgemeinheit finanziell nicht zur Last. Trotzdem - Ende November muss Rami die Schweiz verlassen, da er nicht lange genug mit seiner Frau zusammengelebt hat.
Die Schweiz leistet sich im zweiten Fall meines Erachtens eine ungeheure Verschwendung an wirtschaftlichem und sozialem Potential; alles - selbstverständlich - völlig legal und legitim.
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Am 3. November 2016 erhielt ich von der Belper Organistin Dora Widmer folgendes Email:
«Liebe Freunde und Bekannte, Seit dem 10. Oktober gewähren wir – die Reformierte Kirche Belp-Belpberg-Toffen – einer Frau und ihrem achtjährigen Sohn Kirchenasyl. Sie haben Unglaubliches durchgemacht und sollen nun, einen Tag bevor sie berechtigt wären, in der Schweiz einen Asylantrag zu stellen, nach Italien ausgeschafft werden. Wir sind alle sehr besorgt und bitten euch um eure Solidarität. Näheres findet ihr im Anhang und besonders auch auf der heute aufgeschalteten Homepage. Bitte unterschreibt dort als Unterstützer und Unterstützerinnen unseres Anliegens.»

Der Kirchgemeindepräsident der Ref. Kirche Belp-Belpberg-Toffen schreibt:
«Die Schreckensbotschaft ist leider eingetroffen. Das Migrationsamt will gemäss beigefügtem Schreiben am "Vollzug der Wegweisung festhalten", eine Diskussion findet nicht statt, die Polizei kann jederzeit eintreffen. Wir, d.h. vorallem die Leute von Solidarnetz und das Pfarrteam haben nun den Weg in die Öffentlichkeit gewählt. Medienschaffende haben bereits die Pressemitteilung aufgenommen, einzelne Online-Artikel sind schon erschienen… Morgen Abend läuft die Frist ab - dann könnten die beiden in der Schweiz ein Asylgesuch stellen - die Hoffnung stirbt zuletzt.»
Pressemitteilung Kirchenasyl Reformierte Kirche Belp-Belpberg-Toffen:
«Die Reformierte Kirche Belp-Belpberg-Toffen gewährt seit dem 10. Oktober 2016 Frau Freweyni BEYENE und ihrem Sohn Nimerod ROBEL aus Eritrea Kirchenasyl in den Räumlichkeiten der Reformierten Kirche Belp-Belpberg-Toffen.Freweyni Beyene verliess Eritrea zusammen mit ihrem heute 8-jährigen Sohn Nimerod im Oktober 2014 auf der Suche nach ihrem vor dem Regime geflüchteten Mann.
Anstatt in Libyen den Vater Nimerods wiederzufinden, gerieten die beiden in Gefangenschaft des "IS" und erlitten schwere Folter. Mutter und Kind sind psychisch schwer angeschlagen. Nach ihrer Flucht über das Mittelmeer glaubten die beiden im Sommer 2015 in der Schweiz Zuflucht gefunden zu haben.
Nun droht ihnen die Ausschaffung nach Italien gemäss Dublin-Verordnung. Gestützt auf verschiedenste Berichte müssen wir daran zweifeln, dass eine familienwürdige Unterbringung und die akut notwendige Fortsetzung der psychiatrischen Behandlung in Italien gesichert sind. Die Familie würde sehr bald auf der Strasse stehen. Die Ausweisung der Familie ist deshalb auch nicht zu vereinbaren mit den Verpflichtungen der UN-Kinderrechtskonvention und dem übergeordneten Gut des "Kindeswohl".
Da die juristischen Möglichkeiten offenbar ausgeschöpft sind, sieht das Pfarrteam der Reformierten Kirche Belp-Belpberg-Toffen keine andere Möglichkeit mehr als das Kirchenasyl, um Nimerod und Freweyni in dieser für sie lebensbedrohlichen Situation Schutz zu bieten.
Das Pfarrteam und alle unterstützenden Personen wehren sich gegen die unmenschliche Ausschaffung der verletzlichen Kleinfamilie nach Italien. Wir fordern die Behörden auf, das Kirchenasyl zu respektieren und laden den für den Vollzug von Dublin-Ausschaffungen zuständigen Regierungsrat Hans-Jürg Käser zu einem Gespräch in unserem Pfarramt ein.

Für das Pfarrteam der Reformierten Kirche Belp-Belpberg-Toffen
Pfr. René Schaufelberger»

Links:
Reformierte Kirche Belp
Solidaritätsnetz Bern
Amnesty International, Bericht 3.11. 2016
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Jede Woche versende ich an die 200 Emails an Musikbegeisterte, um auf die Orgelmatinée oder sonst ein Konzert am Wochenende hinzuweisen. Heute habe ich mir ausnahmsweise erlaubt, die Mailadressen-Liste zu "zweckentfremden" und habe ein Rundmail obigen Inhalts verschickt.

Reaktionen erhielt ich bald darauf. Ich zitiere...
«Chapeau lieber Markus für deinen Bericht! Es ist fürchterlich, was da passiert!»
«Lieber Markus, du sprichst mir aus dem Herzen. In meiner Deutschklasse mussten bereits drei Frauen die Schweiz wieder verlassen, die eine war bereits sehr gut integriert mit zwei Teenagern.
Und nun ist plötzlich vor den Herbstferien T..,ein junger Tibeter aus meiner Klasse, der hier schon gearbeitet (und unseren Dreck geputzt) hat, wieder in ein Asylzentrum verfrachtet worden. Er hatte vorher schon eine eigene kleine Wohnung und hat superschnell Deutsch gelernt.
Aus der Klasse einer meiner Kolleginnen geschah dasselbe mit einer älteren, tibetischen Frau. D..., die unter schweren Depressionen leidet, weil sie keinen Kontakt zu ihrer Familie und ihren Kindern aufbauen darf, musste aus ihrer kleinen Wohnung in Thun wieder in Asylzentrum- sie fühlt sich wie ein "Haustier der Schweiz", das hier noch essen und schlafen darf.
Ich könnte dir viele weitere Geschichten erzählen... Ich gehe nach der Arbeit und den Geschichten aus meiner Deutschklasse durchs Bälliz nach Hause und schäme mich für uns... zunehmend.»
«Lieber Markus, vielen Dank für Deinen engagierten e-Brief. Du sprichst mir aus dem Herzen! Ein Kirchenasyl würde der Kirchgemeinde Thun gut anstehen, mit meiner Unterstützung müsste man rechnen... Was ich persönlich zu diesem Thema konkret vorhabe, werde ich Dir zu gegebener Zeit mitteilen.
Übrigens, die Kirche Belp macht es uns vor (heute Morgen in den Nachrichten, im Regionaljournal)!»
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... wie sagte doch weiland Madame de Meuron, als sich ein unwissendes Bäuerlein auf ihren Stammplatz in der Kirche Amsoldingen gesetzt hatte und von besagter Madame postwendend weggeputzt wurde:

«Im Himmelll sy mech de einisch glych, abech hie uf Ächde muess Ochnig hechsche!»
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Alte Stücke, neu aufgelegt
Oktober 2016
Kürzlich entdeckte ich auf meinem PC einige "Dateileichen". Es handelt sich dabei um Stücke im MP3-Format, die ich 2013 auf der "alten" Orgel aufgenommen habe. Um diese Stücke wieder abspielbar zu machen, habe ich die Seite "Noten - Hörbeispiele" etwas abgeändert.
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Der schnarchende Kolibri
Oktober 2016
Nicht nur Menschen schnarchen, sondern auch Tiere. Getreu der Formel aus der Akustik (die Tonhöhe ist umgekehrt proportional zur Grösse des schwingenden oder schnarchenden Körpers) schnarcht der munzig kleine Kolibri sehr hoch, wie das nebenstehende Filmchen zeigt

Der Vogelliebhaber und Orgelkomponist Olivier Messiaen hätte womöglich sein helle Freude daran...
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Orgel-Wunschkonzert
Oktober 2016
Die Orgelmatinée vom letzten Sonntag wurde eher durch Zufall zu einem gutgelaunten Orgel-Wunschkonzert. Gemäss Programmtext hätte ich eigentlich einige Stücke aus Volksmusik, Jazz, Pop und dergleichen spielen sollen, die in den letzten Jahren für Konfirmationen, Trauungen, Beerdigungen und auch für "normale" Gottesdienste gewünscht worden waren:

Organistinnen/Organisten müssen manchmal ganz spezielle oder ausgefallene Musik spielen, beispielweise an Konfirmationen, Trauungen, Abdankungen oder KUW-Gottesdiensten.

Gewünscht wird beispielsweise Viva la vida (Coldplay) oder Hey Jude (The Beatles) oder Äs Lied, wo ds Härz erfröit (Jodellied von Adolf Stähli) oder A Whiter Shade of Pale (Procul Harum) oder Ein Stern, der deinen Namen trägt (D.J. Ötzi) oder der Alte Bernermarsch oder weiss der Gugger was noch alles.

Heute hören Sie einige Kostproben; die Stücke werden launig angesagt und kommentiert.

Wie ich da vorige Woche so an der Orgel sass, fragte ich mich: "Ja bim Gugger, was schpilsch jitz?". Denn ich kann Ihnen versichern, dass sich eine respektable Liste von Stücken und Songs in den obgenannten Musikstilen in meinem Repertoire befindet. Irgendwie konnte ich mich nicht entscheiden, doch plötzlich traf mich die Erleuchtung: "La doch d Lüt sälber la useläse!"

Und so geschah es denn auch. Zuhörerinnen und Zuhörer kreuzelten ihre Wunschstücke auf den bereitliegenden Listen an, nahmen dann Platz und harrten erwartungsvoll der Musik, die da kommen sollte - und manchmal sogar kam.

Sie haben noch zweimal die Möglichkeit, ein Orgel-Wunschkonzert zu besuchen; wiederum an einem Sonntag, aber mit Beginn erst um 17 Uhr. Es wird dann auch länger dauern (eine gute Stunde oder etwas mehr). Ich empfehle Ihnen, frühzeitig - also vor 17 Uhr - in der Kirche zu erscheinen, damit Sie in aller Ruhe Ihre Wunschstücke markieren können. Folgende Daten sollten Sie sich merken:

Sonntag, 5. Februar, 17 Uhr
Sonntag, 19. März, 17 Uhr
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Die Hebammen
Oktober 2016
Organisten nehmen bei Konzerten gelegentlich die Hilfe von sog. Hebammen in Anspruch. Das sind 1-2 Personen, die links und rechts vom Spieltisch stehen, Seiten wenden und im passenden Moment Register ziehen oder abstossen.

Leute, die mir beim Spielen zusehen, werden feststellen, dass ich in der Regel auf den Einsatz von Hebammen verzichte. Einerseits erlaubt der Setzer (Registerspeicher) ein komfortables Registrieren durch den Organisten selbst, andererseits präpariere ich längere Stücke, indem ich die Seiten verkleinert fotokopiere, die leeren Ränder abschneide und am Schluss die so erhaltenen Blätter zu Bögen zusammenklebe.

Bei der vorletzten Orgelerweiterung im Januar 1995 meinte David Pfister (der damalige Präsident des Kleinen Kirchenrates), eigentlich fehle dieser Orgel nur noch ein grosser Bildschirm, damit man ab diesem die Noten ablesen könne.

Ich hielt diese Idee für leicht "spinnerhaft", bis ich letzte Woche folgende Aufnahme auf You Tube erblickte (man beachte den fehlenden Nachhall beim Verklingen des Schlussakkordes): Bitte klicken Sie hier.
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I, Robot
September 2016
Der Fortschritts-Wahn führt in Kombination mit dem Wirtschafts-Wachstums-Wahn zu zunehmend bizarrerern Ideen. So will die Südostbahn in rund 10 Jahren auf einer Versuchsstrecke selbstfahrende Züge einsetzen. Es soll also wieder einmal am unteren Ende der Sozialpyramide automatisiert und damit gespart werden.

Klüger und der Menschheit zuträglicher wäre es, wenn endlich einmal an der Spitze der Sozialpyramide automatisiert würde. Können Sie sich vorstellen, dass die Konzernleitung durch eine Handvoll Roboter ersetzt würde? Diese bräuchten lediglich eine ausreichende Stromversorgung und gelegentliches Auswechseln abgenützter Bauteile.

Das Geld, das man da sparen und an den Pyramidensockel umleiten könnte! Krass! Und wenn man diese Roboter gemäss den Vorschläge von Isaac Asimov programmierte, dürfte die Menschheit eine ungeheure Strecke in Richtung des sozialen Fortschritts zurücklegen.

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1. Ein Roboter darf keinem Menschen schaden oder durch Untätigkeit einen Schaden an Menschen zulassen.
2. Ein Roboter muss jeden von einem Menschen gegebenen Befehl ausführen, aber nur, wenn dabei das erste Gesetz nicht gebrochen wird.
3. Ein Roboter muss seine eigene Existenz bewahren, es sei denn, dies spricht gegen das erste oder zweite Gesetz.
Bei dieser Gelegenheit kommt mir eine Episode in den Sinn: Karl Straube soll einmal an einem Konzert die grosse C-Dur-Toccata von Bach gespielt haben. Nach einem quirligen Vorspiel folgt bekanntlich ein langes, monumentales Pedalsolo. Während des Solos putzte sich Straube seine Brille; eine Zuhörerin sah dem Organisten zu (offenbar nicht so genau) und kreischte plötzlich: "Mein Gott, dass Ding spielt ja von alleene!"

Wenn dermaleinst Roboter die Orgel schlagen werden, wird der Pfarrer (oder Pfarr-Roboter?) folgende Auswahl treffen müssen: "Die Orgel spielt uns die Melodie vor". Oder noch besser und lustiger: "Robot, Go On!"
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Nach der Thuner Orgelrundfahrt
September 2016
Die Thuner Orgelrundfahrt war ein Erfolg sondergleichen; das darf ohne Übertreibung gesagt werden. Der Besucheraufmarsch war enorm, meine Kolleginnen und Kollegen spielten wunderschön, die Fahrten verliefen reibungslos, die Kirchen waren allesamt hübsch vorbereitet und hergerichtet worden, und sogar das schöne und heisse Wetter spielte mit, während in den Kirchen kühlende Beruhigung wartete.

An dieser Stelle möchte ich meinen grossen Dank ausrichten ...
... an die Organistinnen und Organisten, die sich mit grossem Einsatz auf die Rundfahrt vorbereitet hatten und dann hervorragende musikalische Leistungen boten. Ganz besonders danke ich Christoph Röthlisberger, der uns das Cembalo und das Spinett auslieh, Myriam Bangerter, deren Keyboard wir an der ersten Jamboree-Probe brauchen durften und Paul Burkhalter, der mir beim Transport der Instrumente gutgelaunt ("I bi jitz ja pensioniert u ha Zyt!") und ohne Rückenprobleme behilflich war.
... an Sie, liebes Publikum, für Ihr Interesse und Ihre leuchtenden Augen und auch für Ihre Spendierfreude bei den Kollekten. Überrascht hat mich besonders, dass sehr viele Leute die ganze Rundfahrt mitmachten. Ich habe doch schon an vielen Konzerten mitgewirkt, aber so viele Komplimente wie letzten Samstag habe ich (und haben meine Kolleginnen und Kollegen) doch noch nie erhalten.
... an die Reformierte Gesamtkirchgemeinde Thun, die mit einer grosszügigen finanziellen Unterstützung den Anlass überhaupt erst ermöglichte.
... an Marianna Durtschi, die mir ihr Auto auslieh, unzählige Botengänge unternahm und mir in jeder Hinsicht hilfreich zur Seite stand.
... an die Sigristinnen und Sigristen, die "ihre" Kirche in einem formidablen und anmächeligen Zustand präsentierten. Mein Dank geht speziell auch an Peter Zimmermann für die erholsamen Erfrischungen in der Johanneskirche und an Marianne Vögele für den liebevoll hergerichteten Apéro draussen vor der Stadtkirche.
... an Straubhaar Carreisen und speziell an "Steffu" Straubhaar für seine gutgelaunten Bemerkungen während und zwischen den Fahrten.
... an Franco Lodi, den Abwart des Kirchgemeindehauses, der mir beim Ausdruck der unzähligen Notenblätter fürs "Jamboree" mithalf.
... Renata Wälti, Marianna Durtschi und Paul Burkhalter, die mit ihren Privatautos zusätzlich Passagiere zu den Kirchen brachten.
Sobald alle Kollekten eingetroffen sind, werde ich Sie an dieser Stelle über die Kollektenbeträge informieren. Die Verwaltung der Kirchgemeinde wird dann die Gesamtkollekte ans HEKS - Rgeionalstelle Bern überweisen.
Hier noch ein gekürztes Email, das mich vorgestern erreicht:

Sehr geehrter Herr Aellig

Ich möchte mich noch herzlich bedanken für den unvergesslich schönen, und vielfältigen Samstag. Danke an euch Interpreten, danke auch an die vielen Helfer im Hintergrund. Ich habe alle sechs Kirchen besucht und war überwältigt, jeder Ton kam von ganzem Herzen und vermochte mich zeitweise gewaltig zu erschüttern. Am Schluss konnte ich noch mit Herr Stalder einige Worte wechseln bezüglich der Tonaufnahmen. Bereits heute habe ich die Aufnahmen der sechs Konzerte als MP3 erhalten, und kann nun das ganze nochmals (oder sicher mehrmals) Revue passieren lassen (...)

Mit freundlichen Grüssen ...



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Einweihung der Rieger-Orgel in der Philharmonie in Paris
September 2016
Ein Orgel-Feuerwerk ohne Beispiel erlebten die Besucher am 6. Februar dieses Jahres in Paris.

Die Disposition sehen Sie hier.
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Da werden Weiber zu Hyänen
August 2016
Diese sexistische Gedichtzeile stammt aus Schillers 1799 entstandenem Lied von der Glocke. Das Gedicht nimmt an dieser Stelle Bezug auf die Französische Revolution (1789-1799).

"Freiheit und Gleichheit!, hört man schallen;
Der ruh'ge Bürger greift zur Wehr,
Die Straßen füllen sich, die Hallen,
Und Würgerbanden ziehn umher.

Da werden Weiber zu Hyänen
Und treiben mit Entsetzen Scherz,
Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen,
Zerreißen sie des Feindes Herz."



Was hat diese Gedichtzeile mit der Stadtkirche zu tun? Ganz einfach. Kürzlich lernte ich in der Stadtkirche eine menschliche Hyäne der besonderen Art kennen...

Da kam doch eines Vormittags ein Schüler in den Unterricht. Mit Marianna hatte ich vorher abgemacht, dass wir anschliessend die Zungenregister stimmen würden. Zuerst gingen wir allerdings ins Unterweisungshaus und tranken einen Kaffee. Danach begaben wir uns in die Kirche und trafen dort ein veritables Rambazamba an: Eine Horde Jugendlicher plus zwei weibliche Erwachsene waren vorne in der Kirche und erzeugten einen Höllenlärm.

Bei diesem Lärm ist ein Stimmen unmöglich, deshalb rief ich nach unten, ob es etwas leiser gehe. Darauf wurde der Lärm noch schlimmer und eine Leiterin namens Hyäne brüllte irgend etwas zu mir herauf. Marianna war etwas besorgt und fragte, ob sie mich bei diesem Gekreisch überhaupt hören würde (sobald ich eine Pfeife gestimmt habe, rufe ich "ja", und Marianna drückt dann die nächste Taste).

Achselzuckend ging ich in die Orgel und begann zu stimmen. Es ist bemerkenswert, dass schon beim ersten Ton der Lärm unten im Chor markant anstieg; offensichtlich wurden die Kids von der Hyäne und der anderen Leiterin aufgehetzt. Ein Stimmen war so nicht möglich, deshalb lief ich nach unten und fragte, was der Lärm solle.

Das hätte ich gscheiter nicht gemacht, denn die Hyäne begann, mich auf unflätigste Weise zu beschimpfen:
"...was mir eigentlich einfalle, sie bei ihrer Besprechung zu stören und was mein Verhalten mit der kirchlichen Gastfreundschaft zu tun habe; überhaupt sei es kein Wunder, dass immer mehr Leute zur Kirche austräten, da ich mich ja so unfreundlich benehme, ich solle mich richtig schämen...". Diese Hyäne steigerte sich richtiggehend in eine rhetorische Hysterie, riss eine an einen Zombie erinnernde Grimasse, fletschte die Zähne, geiferte und schrie wie eine Furie. Die zweite Leiterin begann ebenfalls zu schimpfen und zu toben, die aufgehetzten Kids empfahlen mir dann auch noch, mich zu schämen - kurz, es war ein negatives Riesengaudi der Sonderklasse.

Ich hörte eine Zeitlang zu und wunderte mich. Auf Nachfrage vernahm ich immerhin, sie seien eine KUW-Klasse von irgendwo (später vernahm ich, dass diese Klasse aus dem Seeland stammt). Als ich fragte, ob sie die Kirche für ihre Zwecke beim Sekretariat oder bei der Sigristin reserviert hätten, begann die dröge Beschimpferei seitens
der Hyäne, die offenbar einem veritablen Veitstanz zum Opfer gefallen war, erneut. Sie - die Hyäne, die Katechetin sein will (O Gott, die armen Kidz!) - warf mir wiederum eine Reihe Schlämperlige an den Grind, und die Stimmung wurde so richtig partymässig.

Zum Glück begab sich die Meute langsam zum Ausgang und verliess schliesslich unter zahlreichen erlesenen Verwünschungen und Beleidigungen die Kirche. Endlich konnten wir stimmen, wobei noch festzuhalten ist, dass nach etwa 20 Minuten einige Kids wieder in die Kirche kamen und eine kurze, aber wirkungsvolle Demonstration ihres Lärmrepertoirs zum besten gaben. Die Sigristin Marianne Vögele war derweil im Unterweisungshaus, hörte von dort den Tumult in der Kirche (sic!) und meinte später, wenn das Gebrüll und der Lärm noch einige Minuten weitergegangen wäre, hätte sie meiner Seele mal nachgeschaut, was da überhaupt los sei.

Dass Kinder (und ihre Leiterinnen) auch ganz anders können, sehen sie hier

Und die Moral von der Geschichte:
Es gibt manchmal Leute, wenn es die nicht gäbe, müsste man sie trotzdem nicht erfinden.
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Heil Dir, Helvetia - Hast noch der Söhne, ja!   (Version 2)
August 2016
Die Schweiz hat glücklicherweise auch andere Söhne; ich meine die Bösen. Eigentlich sind es keine bösen, sondern ganz liebe Söhne, zudem sind sie sehr kräftig. Ich meine natürlich die Schweizer Schwinger.

Da dieses Wochenende (26.-28. August) in Estavayer-le-Lac das vielbeachtete Eidgenössische Schwing- und Älplerfest stattfindet, darf ich ruhig mal etwas Heimatlich-Patriotisches veröffentlichen.

Ich mache dies mit einem Schweizer Volkslied, welches unsere Sigristin Marianne Vögele überaus liebt. Dieses Lied passt nicht schlecht, da Mariannes Grossbub Jimmy einen Schwinger zum Vater hat.
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Heil Dir, Helvetia - Hast noch der Söhne, ja!   (Version 1)
Juli 2016
Seit ca. 20. Juli 2016 ist auf dem Schlossberg in Thun Seltsames zu beobachten:

Horden von Jugendlichen finden sich gegen Abend dort ein und halten sich mit Vorliebe auf den Treppen, im Eingang vor der Stadtkirche und im Schlosshof auf. Diese Leute starren dabei unentwegt auf ihr Smartphone und benehmen sich ziemlich genau gemäss der römischen Devise Brot und Spiele, die man in der heutigen Sprache Burger, Bier und Belustigung nennen könnte.

Die Belustigung wird durch Pokémon Go hervorgerufen. Es ist ein Spiel für Handheld-Mobilgeräte wie Smartphones und Tabletcomputer. Es wurde vom US-amerikanischen Softwareunternehmen Niantic Labs für die Betriebssysteme iOS und Android entwickelt. Dieses positionsbezogene Spiel nutzt - ähnlich wie das Spiel Ingress des gleichen Herstellers - eine Spielumgebung auf dem Prinzip der erweiterten Realität (Augmented Reality).

Das Spiel ermittelt durch das Global Positioning System (GPS) und Mobilfunkortung die Standortdaten des Spielers und positioniert ihn virtuell auf einer Landkarte, die auf dem Kartenmaterial von Google Maps basiert. Das Spiel wird im Empfangsbereich des GPS-Signals, also in der Regel im Freien, gespielt und nutzt Sehenswürdigkeiten, Wahrzeichen und auffällige Objekte der materiellen Welt zur Gestaltung einer virtuellen Spielwelt. (Wikipedia)
Dabei wird gerne gegessen und getrunken, wobei einige wenig erzogene Typen gerne ihren Abfall in Form von Flaschen, Büchsen, Papieren, Zigarettenkippen usw. usf. am Boden liegenlassen. Die Sigristin hat dann die wenig erfreuliche Aufgabe, diesen Aball am Morgen danach zusammenzulesen und ihn seinem Bestimmungsort zuzuführen.

Vor einigen Tagen durfte ich beobachten, wie einer dieser Typen an die Kirchenmauer pinkelte. Ich schimpfte mit ihm und fragte ihn, ob seine Kinderstube unbeachtet an ihm vorübergegangen sei. Es ist bemerkenswert, dass dieses wohlstandsverwöhnte Bubi den Satz nicht verstand, obwohl ich ihn zweimal wiederholte. Da hat sich offensichtlich und traurigerweise ungenügende Erziehung mit sprachlichen IQ-Defiziten gepaart.

Ich habe mir einen Spass geleistet und die Abfälle dreier Abende teilweise zusammengelesen und in einem wasserdichten Kehrichtsack gelagert. Einige Tage später nahm ich den Abfall wieder hervor, drapierte ihn hübsch vor dem Haupteingang zur Stadtkirche und fotografierte ihn ausgiebig. Danach steckte ich den Abfall wieder in den Sack und entsorgte ihn. Bei dieser Tätigkeit begann ich zu dichten:
Hört ihr Leut, und lasst euch sagen,
Schröckliches ist zu beklagen.
Jeden Abend lauf ich heiter
Auf den Schlossberg, und dann weiter
Zu der Kirche, die da thronet,
Und wo meine Orgel wohnet.

Bin ich dann beim Kirchentor,
Kommt es mir recht lustig vor,
Dass da viele junge Mannen
Sich vom Smartphone lassen bannen.
Diese Herren spielen nämlich,
Pokemon-Go, ist das dämlich!

Dämlich? Ich muss das erklären
(Lang schon tut es in mir gären):
Diese Spieler sind halt eben
Manchmal Schweine, zugegeben.
Denn sie schmeissen - das ist übel -
Ihren Trash NICHT in den Kübel!

Geh ich tags darauf am Morgen
Auf den Schlossberg, krieg ich Sorgen:
Flaschen, Halbgefressnes, Kippen,
Büchsen, Pampers, Schweinerippen,
All das liegt da einfach rum.
Gott, sind diese Leute dumm!
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Danke für die nette Zuschrift!
Juli 2016
Auf dieser Homepage finden Sie bekanntlich eine grosse Anzahl von Orgelstücken und -arrangements, die Sie als PDF herunterladen und dann beliebig weiterverwenden können, sei's im Gottesdienst, im Konzert, an einer Trauung oder an einer Abdankung.

Unlängst erhielt ich ein sehr nettes Email.


"Guten Tag Herr Aellig

Nachdem ich Sie letztes Jahr "A Mother's Prayer" hatte spielen hören, bat ich Sie, mir und weiteren Interessenten auch dieses Arrangement zugänglich zu machen. Ich glaube es war im November, da hatten Sie mir diesen Wunsch bereits erfüllt. Dafür danke ich Ihnen im Nachhinein ganz herzlich!

Nun möchte ich Sie informieren, dass ich dieses Stück am 2. Juli an einer Hochzeit in Deutschland gespielt habe. Dies auf Wunsch des zur Familie meiner Frau gehörenden Brautpaares. In der Schlosskirche Nähe X... stand leider nur ein elektronisches Instrument zur Verfügung. Meine Frau hat beim Registrieren ihr Bestes gegeben, um die gewünschte Dynamik hinzukriegen. Anscheinend hat die Musik gefallen.

Auch habe ich Ihr Arrangement von "Over the rainbow" sicher schon 2 mal in einem Gottesdienst gespielt. Diese Musik spricht die Leute an und gibt auch dem Laienorganisten Entfaltungsmöglichkeiten. Vielen Dank auch, dieses geistige Eigentum verwenden zu dürfen.

Nach meiner Aktivzeit in X..., wo Sie eine Matinée spielten, bin ich dort und an meinem Wohnort Y... nur noch "Aushilfe". Sollte ich dennoch an einem Anlass mit Programm und Flyer, etc. aus Ihrem Repertoire Stücke spielen, werde ich Ihren Namen erwähnen und Ihnen die entsprechende Werbung übermitteln.

Mit Bedauern habe ich zur Kenntnis nehmen müssen, dass Sie nächsten Frühling in Pension gehen. Sehr verdient und trotzdem sehr schade! Ich hoffe, Sie bis dann noch mehrmals hören zu können, wünsche Ihen eine gute, kreative, aber auch erholsame Sommerzeit und grüsse Sie freundlich

Herr X..."
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Kinder in der Kirche
Juni 2016
Mit Kindern kann man manchmal die tollsten und denkwürdigsten Dinge erleben:

So war vor einigen Wochen an einem Vormittag am Üben. Irgendwann hörte ich, dass eine Gruppe die Kirche betrat und nach vorne zum Chor lief. Es musste sich um eine spezielle Menschengruppe handeln, denn - während ich die immer gleichen Chehrlis spielte - war es sozusagen muckmäuschenstill in der Kirche. Es konnte sich hier schwerlich um Touristen handeln, denn diese finden sich in der Kirche des öfteren mit einigem Getöse ein.

Langsam wurde ich neugierig, hörte auf zu spielen und lugte hinunter. Und was sah ich da?: Eine Gruppe von Kleinkindern, die zusammen mit zwei Frauen auf der Chortreppe hockten und andächtig zuhörten. Ich rief dann hinunter, ob sie die Orgel mal von nahem sehen wollten, und die Kinder kamen herauf und staunten.

Es war eine Gruppe der Kita "Gampiross" mit 3-5-jährigen neugierigen, zum Teil auch etwas scheuen Kindern. Ich zeigte ihnen dann die Orgel auf Kleinkinderart und ahmte einige Tiere nach (Elephant, Löew, Vogelgezwitscher, Huhn nach dem Eierlegen). Danach sangen wir einige Kinderlieder, und am Schluss verteilte ich ihnen Schokolade. Für mich - und hoffentlich auch für die Kinder - ein bereicherndes Erlebnis
Kürzlich spielte ich an einer Konfirmation. Einige Leute sassen auf der Empore, darunter auch eine junge Familie mit zwei kleinen Buben. Der kleinere - etwa anderthalb jährig - schaute immer interessiert zum Spieltisch. Irgendwann ging ich zur Familie und fragte, ob ich den Buben ein wenig "hüten" könne.

Das wurde mir erlaubt. Ich nahm ihn auf den Arm und zeigte ihm das Innere Orgel. Danach wanderten wir die steile Emporetreppe hinunter; unten musste ich allerdings ziemlich rasant zur Orgel zurück, weil bereits das nächste Lied zu begleiten war. Später nahm ich ihn zum Spieltisch (die Orgel war ausgeschaltet) und liess ihn auf den drei Manualen "klimpern", wobei er tüchtig in Rage geriet und wie ein Derwisch auf die Manuale hämmerte. Vielleicht wurde da der erste Grundstein für eine spätere Organistenkarriere gelegt...?

Oder da war eine Klasse von 8-9-Jährigen, die an einem Nachmittag KUW-Unterricht hatten. Etwa 18 Kinder kamen auf die Empore und waren munter, neugierig und erheiternd. Erstaunlich viele dieser Kinder spielten ein Instrument (Klavier, Flöte, Blockflöte, Gitarre, Oboe, Percussion). Alle durften die Orgel "ausprobieren", und so fand schliesslich ein Run auf den Spieltisch statt, wobei die Kinder mit ihren Fingern wie wild auf den Manualtasten herumflitzten. Am Schluss der Orgelvorführung spielte ich "We Are the Champions"; danach durften sie Fragen stellen, und SIE STELLTEN EINE MENGE FRAGEN!

Danach probten wir zwei Lieder für den kommenden KUW-Gottesdienst. Die Kinder sangen aus voller Kehle und hielten sich mit kräftigem Händeklatschen im Takt.

... ich merkte wieder einmal, wie gerne ich mit Kindern zusammen bin. Sie sind neugierig, spontan, oft laut, lustig, phantasievoll und beleben mich altes Organisten-Fossil immer wieder aufs Neue.
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Es lebe die digitale Demokratie!
Mai 2016
Viele Leute schreiben dem Internet demokratisierende Wirkung zu. In Kommentaren jeglicher Couleur kann bekanntlich jedermann seinen Senf zu jeder Art von Themen abgeben; dies erst noch in einem Stil und einer Schreibweise, die diesem Jedermann geläufig sind.

Kürzlich suchte ich auf You Tube nach neuen Ländlerstücken. Was mir jedoch zuerst ins Auge sprang, war ein Filmchen über Hochwasser in Braunsbach (Baden-Württemberg).
Besonders interessant waren einige der darauffolgenden Kommentare; eine wahre Fundgrube für Neugierige, Psychologen, Schöngeister, Soziologen und des Deutschen Kundige!

...danach hörte ich mir ein Jodellied von Jakob Ummel an.
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In Memoriam Keith Emerson
April 2016
Keith Noel Emerson (1944-2016) war ein dem Progressive Rock zuzuordnender britischer Keyboarder, Komponist und Pianist. Besonders erfolgreich war er in den 1970er Jahren mit der Band Emerson, Lake and Palmer. Sein Stil war vor allem dadurch geprägt, dass er Werke der klassischen Musik unkonventionell - teils jazzig und teils rockig - arrangierte.

Neben dem Flügel verwendete Keith Emerson auch das Clavinet, vor allem aber Hammond-orgeln und Synthesizer (z. B. Moog-Synthesizer, KORG-Synthesizer).

1967 gründete Emerson die Gruppe The Nice. Sie bestand neben ihm aus dem Sänger und Bassisten Lee Jackson, dem Schlagzeuger Brian Davison und dem Gitarristen David O'List. Die Band vereinte in ihren Werken die Musikstile des Jazz, des Blues und des Rock mit klassischen Elementen. Zu ihren Interpretationen gehören beispielsweise Werke von Leonard Bernstein (America aus Westside Story), Johann Sebastian Bach (Ars Longa Vita Brevis, Brandenburgisches Konzert) und Jean Sibelius (Intermezzo from the Karelia Suite). In dieser Zeit war die Hammond-Orgel das von Keith Emerson am meisten benutzte Instrument.

Nachdem Emerson das Werk Switched-On Bach von Wendy Carlos - damals noch als Walter Carlos - gehört hatte, begann auch er mit dem neuartigen Moog-Synthesizer zu experimentieren und wurde der erste Musiker, der ihn auf Tour einsetzte.

Als 1970 The Nice auseinanderbrach, gründete Emerson mit Greg Lake und Carl Palmer die Formation Emerson, Lake and Palmer, mit der er in den 1970er Jahren seine größten Erfolge feierte.

Emerson litt jahrelang an der chronischen Nervenerkrankung Fokale Dystonie mit zunehmender Einschränkung der Beweglichkeit seiner rechten Hand.   (nach Wikipedia)


Hören Sie sich folgende Aufnahmen auf You Tube an:
Tarkus
Tank
Brandenburg
Concerto
Brain Salad
Surgery
Abadons
Bolero
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Zu Gast bei Radio BeO
März 2016
Radio BeO stellt unter der Rubrik BeO-Gast jede Woche einen Berner Oberländer bezw. eine Berner Oberländerin vor. In Kurzbeiträgen werden jeweils vormittags und nachmittags kurze Ausschnitte aus einem Interview gesendet.

Ursula Schöni ist seit einigen Monaten Journalistin/Reporterin bei Radio BeO und hat mich kürzlich bei einem anregenden Interview ziemlich "ausgequetscht". Aus diesem Interview hat sie dann kurzweilige Schnipsel geschnitten, die Sie sich anhören können.
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Man wird älter ...
März 2016
Kein Wunder, dass ich
immer noch rauche!
Der Örgeli-Kusi
Damals spielt ich noch
nicht so gerne vor!