Markus Aellig
Organisten-Alltag 2019
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Wenn hinter Fliegen Fliegen fliegen, fliegen Fliegen Fliegen nach
oder   Die Konzertverlegung
Dezember 2019
Den Zungenbrecher von den Fliegen haben wir in der 5. und 6. Klasse mit Hingabe geübt, und er kam mir kürzlich wieder in den Sinn, als Fliegen mein und Renata Wältis Leben arg piesackten.

Geplant war ein Weihnachtskonzert in der Kirche Erlenbach am 22. Dezember. Da eine Woche später das Altjahrskonzert in der Kirche Wimmis stattfindet, schickte ich an Interessierte folgendes Email:
Weihnachtskonzert und Altjahrskonzert

Liebe Musikfreundinnen und Musikfreunde

Am Weihnachtskonzert spielt Renata Wälti (Flöte) die viersätzige Sonate in E-Dur von Bach. Das darauffolgende "Andante religioso" von Hans Hiller überrascht mit schmelzendem Klang und einprägsamen Melodien und verbreitet weihnächtliche Stimmung. Ein kleines "Pastorale" von Cécile Chaminade leitet über zum anschliessenden Konzert in G-Dur von Willibald Gluck. Ich begleite an der Orgel und spiele solo Werke von Bach, Buxtehude und Guilmant.
Datum:
Beginn:
Ort:
Sonntag, 22. Dezember 2019
17 Uhr
Reformierte Kirche Erlenbach im Simmental
Am Altjahrskonzert spiele ich quirlige Barockmusik, swingenden Jazz, heitere volkstümliche Musik und bedächtige Jodellieder.
Datum:
Beginn:
Ort:
Sonntag, 29. Dezember 2019
17 Uhr
Reformierte Kirche Wimmis
Ich lade Sie herzlich zu diesen Konzerten ein. Für die kommende Festzeit wünsche ich Ihnen frohe Weihnachtstage und alles Gute im neuen Jahr.

Freundliche Grüsse
Markus Aellig, Organist
Es ist halt so: Bevor am Konzert die Musik vorgetragen wird, muss sie geübt und geprobt werden. Die Flötistin Renata Wälti übte bei sich zuhause, ich als Organist übte in der Kirche Erlenbach und trichterte mir die vielen Registerwechsel ein. Dann probten wir 10 Tage vor dem Konzert einmal in der Kirche, und schon da schwante uns Übles...

...und es wurde wirklich noch übler und übelst. Zwei Tage vor dem Konzert wollten wir wieder proben, aber dann kam alles anders. Wir mussten wegen der immensen Fliegenplage auf der Empore der Kirche Erlenbach in die Kirche in Wimmis flüchten. Renata hatte die Geistesgegenwart, zwei Bilder von der Fliegenplage in Erlenbach (s.u.) zu machen, und ich verschickte am Abend wieder ein Rundmail:
Das Weihnachtskonzert wird in die Kirche Wimmis verlegt!!!

Liebe Musikfreundinnen und Musikfreunde

Vor einigen Tagen sandte ich Ihnen ein Email mit dem Hinweis auf das Weihnachtskonzert am 22. Dezember mit Renata Wälti (Flöte) in der Kirche Erlenbach und auf das Altjahrskonzert am 29. Dezember in der Kirche Wimmis.

Mehrere Male war ich in den letzten Tagen in der Kirche Erlenbach, um mich auf das Weihnachtskonzert vorzubereiten. Das wurde zunehmend schwieriger, da die Kirche von einer regelrechten FLIEGEN-INVASION heimgesucht wird. Dauernd schwirrten Fliegen um die Lampe beim Notenbrett herum, krabbelten über die Noten oder surrten mir rund um das edle Haupt. Dauernd musste ich das Üben unterbrechen, um die Viecher ins Jenseits zu befördern.

Heute, am Freitag den 20. Dezember, war ich wieder in der Kirche und wurde von den verdammten Fliegen regelrecht geplagt. In meiner Not griff ich zum Kirchen-Staubsauger und befreite die Empore von (geschätzten) zwei- bis viertausend Fliegen. Danach dachte ich: "Jetzt gibt es endlich Ruhe".

Falsch gedacht! Heute um 16 Uhr haben Renata und ich eine Probe abgemacht. Renata war vor mir dort, und ich trudle einige Minuten später in die Kirche, gehe auf die Empore, und was sehe ich: Wieder Hunderte von Fliegen, die halb- oder vierteltot herumkrabbeln.

Die beiliegenden Bilder sprechen für sich.

Deshalb findet das Weihnachtskonzert in der Kirche Wimmis statt. Ich werde einen kleinen Taxidienst organisieren, um allfällige Konzertbesucher nach Wimmis zu verfrachten. Aus diesem Grund beginnt das Weihnachtskonzert etwas später, zirka um 17.15 Uhr. Also...

Das Weihnachtskonzert am 22. Dezember findet nicht in der Kirche Erlenbach statt, sondern in der Kirche Wimmis. Es beginnt ca. 17.15 Uhr

Ich danke der Kirchgemeinde Wimmis und dem Kirchgemeinderats-Präsidenten Martin Graf herzlich, das Konzert so kurfristig verlegen zu können!

Bitte entschuldigen diese Verschiebung und besuchen Sie trotzdem das Konzert. Sie werden es nicht bereuen!!!

Freundliche Grüsse
Markus Aellig, Organist
Das wurde ein lebhaftes Wochenende, das kann ich Ihnen sagen, denn ich musste in kürzester Zeit alle Stücke (Begleitungen und solo) auf der gänzlich andersartigen Wimmiser Orgel einrichten und eintrichtern.

*     *     *     *     *     *     *

Das Konzert in Wimmis war dann trotzdem sehr schön und erstaunlich gut besucht. Renata und ich haben jedenfalls beschlossen, nächsten Dezember vielleicht wieder wieder ein Weihnachtskonzert zu geben, in der Kirche Erlenbach, so diese denn fliegenfrei sein wird...
Man könnte die Fliegengeschichte natürlich auch etwas gelassener und mit zwei Prisen Humor betrachten. Denn Kirchenfliegen spüren ja im Dezember vielleicht auch, dass "etwas" bevorsteht und dass die Zeit sehr feierlich ist. Nach einem Einfall von Verena habe ich folgenden Spruch komponiert:
Fromme Fliegen feiern fröhliche Feste
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Frutigen: Die knausrige Kirchgemeinde im Berner Oberland
Dezember 2019
Im November spielte ich an einer Abdankung in der Kirche Frutigen. Heute - am 24. Dezember 2019 - sah ich, dass mir die Kirchgemeinde Frutigen dafür den Betrag von Fr. 155.- überwiesen hat. Das ist derart wenig, dass ich mich gezwungen sah, einiges zu unternehmen:
1. Ich überwies den Betrag von Fr. 155.- ans Hilfswerk der evangelischen Kirchen der Schweiz (HEKS) für "Kirchliche Zusammenarbeit - Mit 150 Franken spenden Sie einem Romakind ein Jahr lang Zvieri und Aufgabenstunden".

2. Ich passte den Eintrag "Die Kirchgemeinden und das liebe Geld" an die neuen Gegebenheiten an. Bitte klicken Sie hier und sehen Sie sich die renovierte Grafik an.

3. Ich schickte an die Kirchgemeinde Frutigen folgendes Email:
An den Kirchgemeinderat der ref. Kirchgemeinde Frutigen

Guten Tag

Am 29. Oktober spielte ich an einer Abdankung in der Kirche Frutigen. Knapp zwei Monate später überwiesen Sie mir das Honorärchen von Fr. 150.00. Dieser mickrige Betrag ist eine Frechheit und entspricht in keinster Weise den Besoldungsempfehlungen des Bernischen Organistenverbandes. Sie dürfen sich schämen!

Ich habe diesen Betrag heute ans HEKS überwiesen und meine Website mit dieser unerfreulichen Geschichte geschmückt. Schauen Sie nach:
www.markus-aellig.ch

Fröhliche Weihnacht überall!
Markus Aellig
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Die Bestatterin schickt mir ein Email
Dezember 2019
Im März habe ich die Tatsache beklagt, dass Heiratswillige und Trauerfamilien vor Trauungen und Abschiedsfeiern oft allerlei musikalische Sonderwünsche äussern, welche die orgelspielende Person nicht selten in argen Stress stürzen. Dagegen ist eine Reaktion oder gar ein "Merci" dieser so-viele-Sonderwünsche-geäussert-habenden Personen nach der Feier sehr selten.

Umso mehr freute ich mich über das Email, dass ich dieser Tage von einer Mitarbeiterin eines Bestattungs-Unternehmens erhielt. Ich erlaube mir ein bisschen Selbstlob und zitiere daraus:
Lieber Herr Aellig

Man soll es nicht auslassen, Komplimente und gute Rückmeldungen zu machen. Dies möchte ich im Zusammenhang mit der Trauerfeier von ... in ... auf keinen Fall unterlassen.

BRAVO! Ich habe doch schon einige Organisten spielen hören… aber Ihr Können und das Gespür für die Orgel ist wirklich grossartig! Ihre Musik hat mich sehr beeindruckt und gepackt. Es war wirklich ein Ohrenschmaus, Ihren Klängen zu lauschen!

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie eine besinnliche und gesegnete Weihnachtszeit.

Herzlich und alles Gute
Frau ...
Ich schrieb dann zurück...
Liebe Frau ...

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Sie hat mich sehr gefreut! Das ist mir noch nie passiert, dass mir eine Mitarbeiterin eines Bestattungsunternehmens ein so nettes Email nach einer Abdankung geschickt hat.

Ihnen und Ihren Lieben wünsche ich frohe Weihnachtstage und alles Gute im neuen Jahr.

Herzliche Grüsse
Markus Aellig
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Müeti, liebs Müeti
Dezember 2019
An einer Abdankungsfeier wurde das Lied "Müeti, liebs Müeti" von Louis Menar gewünscht. Also hörte ich mir das Lied auf YouTube an und schrieb es für mich als Skizze auf.

Danach machte ich noch ausgeschriebene Versionen, eine lange und eine kürzere.

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Kleines Tagebuch
Dezember 2019
In den letzten Wochen ist so allerhand passiert. Nichts Weltbewegendes. Aber trotzdem hat sich Erfreuliches, Lustiges, Überraschendes, Interessantes und manchmal auch Unangenehmes zu einer ganz unterhaltsamen mehrchörigen Mixtur zusammengefunden. Und ich plaudere jetzt halt ein wenig aus dem - wie man früher sagte - Nähkästchen.
Zweite Oktoberhälfte und Anfang November
Martina und ich haben ein grosses Fest geplant. Schliesslich kennen wir uns jetzt schon drei Jahre. Ursprünglich hätten wir heiraten wollen, aber wegen der in der Schweiz (Muh, muh...) üblichen Heiratsstrafe lassen wir das Heiraten sein. Aber zumindest ein rauschendes Hochzeitsfest mit Angehörigen und Freunden wollen wir feiern. Martina wird sich dabei um die Einladungen, die Dekorationen und das Tischdecken kümmern; dafür ist sie als ausgesprochene Aesthetin und strukturiert arbeitendes Organisationstalent ohnehin prädestiniert. Und ich werde - als "Oberkötzi" - die Kocherei übernehmen.

Wir haben ein chinesisches Büffet geplant: Zum Apéro wird es warme Häppchen geben, dann zum Essen die unvermeidliche Wonton-Suppe, gefolgt von allerlei veganen und fleischlichen Delikatessen. Für das Dessertbüffet haben wir unsere Gäste um Beiträge gebeten. Und so stehe ich dann tagelang in der Küche und bereite allerlei Gefülltes und Frittiertes vor, das dann am Schluss in der Tiefkühltruhe landet und am Tage unseres rauschenden Festes hervorgenommen, aufgetaut und im Backofen erhitzt werden wird.

Ca. 80 Frühlingsrollen, 80 Teigtaschen und 70 Tofuwürfel wollen vorbereitet und vorfrittiert bzw. vorgebraten werden. Dazu kommen die unvermeidlichen kleinen Wonton-Täschchen - ca. 120 Stück - mit Schweinefleisch- und Crevettenfüllung, die vorgekocht werden müssen. Und das alles in dem Raum, der sich (in unserer sonst geräumigen, hellen und mit einer erlesenen Aussicht gesegneten Wohnung) "Küche" schimpft. Ich würde diesen Raum eher "Kochnische" nennen. Die Ablagefläche ist marginal, der Raum so klein, dass man sich immer irgendeinen Ellbogen, ein Knie, die Nase oder gar den ganzen Grind anschlägt. Dazu kommt vom Kochen und Braten eine Hitze und ein Dampf dazu, was jede Sauna überflüssig macht.

Doch immerhin, die Kühltruhe füllt sich langsam und stetig. Und an einem heiteren und ziemlichen warmen Samstag anfangs November steigt dann das Fest, und es ist ein wunderschönes, rauschendes Fest mit lauter gutgelaunten und festlich gekleideten Gästen in der von Martina mit Liebe, Fantasie und Raffinesse geschmückten Pfrund-scheune in Wimmis.

...erwähnen möchte ich noch, dass am Schluss ziemlich wenig Resten übrigblieben.
Sonntag, 3. November
Irgendwie habe ich es in letzter Zeit mit den Jodlerklubs. Einen Tag nach dem rauschenden Fest singt am Vormittag der Jodlerklub Erlenbach im Gottesdienst, und am frühen Nachmittag findet in der plattschvollen Johanneskirche in Thun das Konzert mit dem Jodler-Doppelquartett Bärgfründe und dem Jodlerklub Maiglöggli aus Jegenstorf statt, wo ich einige Ländlerstücke auf der Orgel spiele.

...und dann sinke ich entkräftet ins Bett und leiste mir einen zweistündigen Mittagsschlaf. Anschliessend geht es wieder in die Pfrundscheune in Wimmis, wo Aufräum- und Reinigungsarbeiten warten.
Erste Novemberhälfte
"Steffisburg singt" hat sich dieses Jahr mit dem Jodlerklubb Steffisburg zusammengetan. Auf dem Programm steht die St. Johanner Erntedank - Jodlermesse von Peter Roth. Und so findet an einem Wochenende eine intensive Proberei mit dem Projektchor von "Steffisburg singt", dem Jodlerklub und einem kleinen Appenzeller-Orchester (mit zwei Violinen, Viola, Cello, Kontrabass und Hackbrett) unter der Leitung von Patrick Secchiari statt.

Eine Woche später sind dann die zwei Konzerte in der Dorfkirche Steffisburg, wo ich einmal mehr die eigenwillige und teilweise überraschend symphonisch klingende Kuhn-Orgel aus den 1930er-Jahren traktieren darf. Die Orgelbewegung mit ihrem Hang zu neobarocken und obertonreichen Klängen ist hier spurlos vorbeigegangen; die Orgel erfreut denn auch mit zahlreichen 8-Fuss-Registern, fetten Klängen von Trompete und Clairon und einem überaus hübschen Oboen-Register im Schwellwerk.
22. November
In der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche Wimmis findet das Kirchenkonzert mit dem Jägerchörli Niedersimmental statt, wo ich einmal mehr einige Folklorestücke spiele und die Reinheit und perfekte Intonation des Jodlerchors - der teilweise auch als Trio oder Kleinformation singt - bewundern darf.

Nach dem Konzert finden wir uns im Restauarant "Kreuz" in Wimmis ein und geniessen die Gastfreundschaft vom Wirtepaar Manuela und Edwin und vom immer gutgelaunten Kellner Zoltan alias "Zoli".



Wenn Sie mal in Wimmis sind, kann ich Ihnen das "Kreuz" nur empfehlen. Das Essen ist wunderbar, die Athmosphäre und Ambiance gemütlich und heimelig, und die Bedienung sehr freundlich und immer locker-entspannt. Ausserdem ist Edwin mit einer grossen Portion Humor gesegnet und hat allerlei Lustiges in petto.

Zwischendurch...
...übe ich zweimal in der Kirche Jegenstorf, wo im Januar ein Anlass unter dem Titel "Die Orgel im Wilden Westen" stattfinden wird.

Imre Gajdar ist dort Organist und hat mir einige Monate zuvor die Orgel vorgestellt. Dabei wurde mir wieder einmal bewusst, wie wichtig es für Organistinnen und Organisten ist oder wäre, sich eine fremde Orgel zuerst vorspielen zu lassen, und sich im Kirchenraum den Klang und die räumliche Wirkung der Orgel und ihrer Teilwerke anzuhören. Bei Imres "Orgelvorstellung" hörte ich ein kräftig-pompöses Hauptwerk, ein "herziges" und sehr klares Rückpositiv und ein eher im Hintergrund agierendes Schwellwerk mit einigen zarten Klängen. Dazu kam das Pedal mit üppigen 16- und 8-Füssen.

Wie ich jetzt also in der saukalten Kirche am Spieltisch sitze (zumindest grilliert mir eine Heizwand hinter dem Orgelbank den Rücken etwas), ist der Unterschied zwischen den Manualen viel weniger hörbar. Das ist ja oft so: Am Spieltisch tönt eine Orgel häufig "irgendwie" und diffus, während sie für die im Kirchenschiff oder Chor sitzenden Zuhörer erst ihre wahre Klangpracht entfaltet.

Auf jeden Fall bin ich jetzt sehr froh, dass ich im Sommer Imres Spiel zuhören durfte. Und so registriere ich mit Hilfe des Orgelsetzers wacker die zahlreichen Stücke, die ich im Januar spielen werde und schlage mich kaltblütig mit den teilweise krass verstimmten Zungenpfeifen herum.
Thun ist theuer
Meistens ist man ja nicht Organist, sondern einfacher Bürger. Zum Beispiel kocht man. Man kauft vorher ein; manchmal mit dem Auto, wenn's gar viel zu schleppen gibt. Und da ärgert man sich bisweilen über die unersättliche Geldgier der Gemeinde Thun, die seit Jahren mit grosser Freude und calvinistischer Strenge alle öffentlichen Parkplätze auf dem gesamten Gemeindegebiet während 31'536'000 Sekunden ...ääh 525'600 Minuten ...äääh 8'760 Stunden ...ääääh 365 Tagen pro Jahr bewirtschaftet.

Die Stadt erdreistet sich sogar, Parkplätze und Parkhäuser von Supermärkten zu bewirtschaften! Der Einkauf im Coop an der Schulstrasse ist also immer mindestens - gopfridschtutz! - einen Schtutz teurer als in Steffisburg oder Uetendorf.

Überhaupt und Hand aufs Herz: Was heisst schon "bewirtschaften"? Früher war eine "Wirtschaft" eine Beiz, in der man sich wohlfühlen konnte. Wie der Thuner Bewirtschaftungsspleen Woglfühleffekte hervorrufen könnte, hat die Gemeinde Thun bislang nicht kommuniziert.

Hat man eigentlich schon einmal Mannen und Frauen gesehen, die im Gewändli eines Thuner Aussenmitarbeiters am frühen Morgen oder späten Abend eine Einstellhalle von Coop oder Migros reinigen, also auf die positive Art bewirtschaften? I ömu nid!
Dienstg, 19. November
Vom Jodlerklub Edelweiss aus Uetendorf werde ich angefragt, ob ich an ihrem Kirchenkonzert im März 2020 einige Orgel-Ländler spielen würde. Ich sage gerne zu. Meine musikalischen Wurzeln liegen ja in der volkstümlichen Musik; habe ich doch als sechsjähriges Bubi von meinen Eltern ein hübsches diatonisches Handörgeli erhalten und darauf jahrelang nach Gehör und aus dem Stegreif Ländlermusik gespielt.
Der mit dem Scanner spricht...
Die Menschheit schafft sich bis auf eine kleine bestbezahlte Elite selber ab! Roboter und anderer technischer Schnickschnack ersetzen nach und nach die menschliche Unzuverlässigkeit.

Das sieht man sehr schön bei Migros, Coop und anderen Monstern: Wo früher vielleicht 6 Kassen waren, wurde die Hälfte davon entfernt und durch Self-Scanner ersetzt.

Und so erlebt man oft die groteske Situation, dass nur eine Kasse bedient wird, sich hinter der Kasse eine Riesenschlange gebildet hat und die Leute unendlich lange und mit-den-Füssen-scharrend aufs Bezahlen warten müssen. Beim Selfscanner stehen dagegen nur 1-2 Personen.

Ich selber schätze die Bezahlung an der Kasse. Ein kleiner Schwatz mit der netten Kassierin oder dem gutgelaunten Stift ist einfach Gold wert und kann NICHT ersetzt werden. Klar, die Genossenschafts-Bosse (Migros und Coop sind Genossenschaften; wussten Sie das schon?) sehen es überhaupt nicht gerne, wenn ihr Bodenpersonal schwatzt. Besser es schwitzt. Schliesslich hat man diese Leute als Profit Creators angestellt. Aber ich als Kunde finde Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft, Humor und halt immer noch vor allem beim Bodenpersonal, nicht in irgendeiner anonymen Verwaltung.

Nun, in einigen Jahren oder Jahrzehnten werden die Kassen ganz verschwunden sein, und die geschätzte Kundschaft darf sich dannzumal mit den Self-Scanning-Robotern herumschlagen. Wenn ich das noch erleben sollte, müsste ich dann ja aufs Schwatzen verzichten. Was soll ich dann machen? Etwa mit der Maschine lafere? Die würden mich ja in der Klinik einliefern...
Sonntag, 8. Dezember
Der Jodlerklub Steffisburg singt an einem weiteren Konzert in der Dorfkirche, zusammen mit der Musikgesellschaft Steffisburg. Die Jodler möchten Willi Valottis "Dir elei ghört Lob und Ehr" für Jodlerklub und Orgel - das sie schon am Steffisburg-Singt-Konzert vorgetragen haben - noch einmal singen.

Also proben wir das Lied am vorangehenden Dienstag kurz. Und da kommt doch Solojodler Gideon, ein Habkerer, und überreicht mir einen Geschenk-Gutschein für das Restaurant vom Hotel, in welchem er als Abwart arbeitet. So liebenswürdig! Und mich halben Habkerer freut es besonders. Vielen Dank, Gideon!

Bei diesem Konzert muss ich ja fast nichts spielen. Wie Jodler und Orgel mit Valottis Lied fertig sind, packe ich deshalb meine Noten und und die Schuhe ein und warte aufs Konzertende. Doch da spricht Klub-Präsident Daniel zu den Leuten und fragt doch tatsächlich: "Möchtet Ihr dieses Lied noch einmal hören?" Die Leute mögen's, und ich packe alles wieder aus, ziehe die Orgelschuhe an, rase zur Orgel, schalte diese ein und begleite schweissgebadet das Lied noch einmal.
Orgeln im Goms
Die liebenswürdige Marielle hat mir kürzlich eine Weihnachtskarte mit einigen Bildern von ihrer Hochzeit im Goms geschickt. Einiges zur dortigen Orgel erfahren Sie hier.

Die Orgel hat ein Manual mit kurzer Oktave und ein Pedälchen mit etwa acht Tasten, also ebenfalls mit kurzer Oktave.

Die kurze Oktave ist auch der Grund, warum ich beim Spielen dauernd aufs Pedal schauen musste. Ich hätte sonst ganz unchristlich danebengetrappt.
Fast am Schluss...
...noch etwas eher Unappettitliches:

Momentan bin ich ziemlich oft in der Kirche Erlenbach. Am 22. Dezember ist ja das Weihnachtskonzert mit der Flötistin Renata Wälti und mir an der Orgel. Und da muss ich halt fleissig üben; eben am liebsten in der Erlenbacher Kirche.

So weit, so gut. ABER in dieser Kirche hat es ungeheuer viele Fliegen. Das glaubt einer allein gar nicht! Und wenn ich da so auf dem Orgelbänklein sitze, schwirren dauernd Fliegen um die sehr helle Notenbrettbeleuchtung. Das macht dann die ganze Zeit sssss... ssttsss... ssssssssssstsss... tsssstsssssttssss.... Das raubt mir völlig die Konzentration und bringt mich zeitweise halb um den Verstand (der seit der Pensionierung ohnehin am Schwinden ist...).

Was tun? Die Antwort ist so einfach wie animalisch:   MORDEN!   ERMORDEN!   FLIEGEN KILLEN!

Wenn ich so ungefähr 2 Stunden an der Orgel sitze, ermorde ich pro Papiertaschentuch 2-3 Fliegen. Das gibt dann am Schluss rund 10 Taschentücher, also die DNS von 25-30 Fliegen. Diese Taschentücher entsorge ich danach im Kehrichtkübel vor der Kirche, trinke ein Bier und kann mich endlich wieder beruhigen.
Ganz am Schluss...
...wieder etwas Heitereres:

Letzten Sonntag fand die Senioren-Weihnachtsfeier in der Kirche Wengen statt. Zwei- bis Viertklässler führten ein Weihnachtsspiel auf, und die Kirche war voller Seniorinnen und Senioren, Eltern und Kinder. Jan Madjar, der Pfarrer von Wengen erzählte am Anfang der Predigt gutgelaunt folgende Kurzgeschichte:
Die Ehefrau ärgerte sich dauernd über ihren Ehemann. Denn der kam jeden Abend erst spät nach Hause und schien manchmal schon ziemlich angeheitert zu sein. In ihrer Not wandte sich die Frau an ihren Hausarzt und fragte ihn um Rat. Der Arzt meinte: "Liebe Frau! Wenn Sie hören, dass spät am Abend Ihr Mann nach Hause torkelt, dann zünden Sie doch eine Kerze an und empfangen Ihren Mann mit liebevollem Blick an der Wohnungstüre. Dann fragen Sie Ihn: "Grüss Dich. Sag mal, wieviele Kerzen siehst Du?" - Wenn Ihr Mann "Eine Kerze" sagt, dann hat er ein Bier getrunken. Wenn er "Zwi Kerzen" sagt, dann hat er 2 Biere getrunken. Wenn er aber "Drei Kerzen" sagt, dann ist er SEHR betrunken."

Die Frau befolgte des Arztes Rat und zündete am Abend des folgenden Tages um ca. 23 Uhr eine Kerze an und empfing ihren Mann mit den Worten: "Guten Abend, mein Allerliebster. Sag mal, wieviele Kerzen siehst Du?" - Sagte der Mann: "Wie schön, dass Du mich mit dem Weihnachtsbaum voller brennender Kerzen empfängst."
Und am Schluss folgte der Segen mit ungefähr folgenden Worten:
" Gott, segne die Seniorinnen und Senioren, segne die Juniorinnen und Junioren, und segne alle, die dazwischen sind."
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Ds Ängeli u der Beck
November 2019
Nachdem ich meine Liste mit den "Engelsliedern" (siehe unten) erstellt hatte, beamte ich mich ins Google-Land und gab "Ängeli" ein. Dann klickte ich den ersten Link an und gelangte auf die Seite vom ängelibeck. Der schöne Text auf der Begrüssungseite faszinierte mich sogleich und derart, dass ich ihn (den Text) mit Wonne zitiere...
Ängelibeck. Himmlisches Gebäck für irdische Engel. Seit 20 Jahren zaubert der ängelibeck himmlisches Bio-Gebäck für freche Engel und brave Bengel.
oder...
20 Jahre knuspriger. Seit zwanzig Jahren kommt in Bern das Brot vom Himmel. Wer nämlich an den Broten von Ängelibeck knabbert, dem wird beim ersten Bissen schon bewusst: Das muss aus anderen Sphären stammen. In drei Cafés in Bern berühren Himmel und Erde sich: im "Schlaraffenland", "Himmelreich" und "Grand Café" - Orte, die beweisen, dass man sich auch in Bäckereien losgelöst von aller Schwerkraft fühlen kann.
Da hoffe ich doch zugunsten von ängelibecks Kundinnen und Kunden, dass das Getreide, dessen Mehle ängelibeck verarbeitet, auf der Erde gewachsen sei, und dass das gekaute Brot alias Manna sich trotz deaktivierter Schwerkraft nach unten in des Kunden Magen bewege, damit der Körper dessen Nähr- und Wohlfühlstoffe voll aufnehmen könne.

Ob all dem schauerlich schönen und erbaulichen Gesülze auf ängelibecks Website wurde mir ganz anders, und ich bewegte diese Wort sehr lange in meinem Herzen. Wie ich da so sass und über den Text sinnierte, wurde mir allmählich bewusst, dass beim ängelibeck hinter den Kulissen (Management, Angestellte) und vor den Kulissen (Kundschaft) eine ungeheuer schöne, engelsgleiche und das ganze Jahr über weihnächtliche Stimmung herrschen muss.

Ist doch schön, gell!
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Die Engel
November 2019
Bekanntlich spielen die Engel in der christlichen Religion eine recht grosse Rolle, besonders in der Weihnachtszeit. Ich habe mal bei den Weihnachtsliedern in unserem reformierten Kirchengesangbuch und bei weiteren Liedern nachgeschaut, wo überall die Engel vorkommen.

Eine kleine (unvollständige) Liste gefällig?
RGB 372
RGB 385
RGB 388
RGB 389
RGB 393
RGB 394
RGB 404
RGB 407
RGB 409
RGB 411
Die Nacht ist vorgedrungen
Nun singet und seit froh
Ein Kind ist uns geboren heut
Hört, es singt und klingt mit Schalle
Vom Himmel kam der Engel Schar
Vom Himmel hoch, da komm ich her
Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket ihr Engel
Unser Heiland ist nun da
O du fröhliche
Freu dich, Erd und Sternenzelt
RGB 412
RGB 413
RGB 414
RGB 416
RGB 418
RGB 420
RGB 427
...
...
...
Stille Nacht, heilige Nacht
Herbei, o ihr Gläub'gen
Kommet, ihr Hirten
Der Heiland ist geboren
Hört der Engel helle Lieder
Es ist für uns eine Zeit angekommen
Nachdem dein Stern in Bethlehem
Still, still, weil's Kindlein schlafen will
Ihr Kinderlein kommet
Leise rieselt der Schnee
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Chinesisch kochen
November 2019
Irene, meine Exfrau, schenkte mir vor vielen Jahren ein chinesisches Kochbuch. Verfasserin war eine Chinesin, die in London lebte. Ein sehr gutes Buch mit vielen farbigen Fotos und ausführlichen Erklärungen zu den Gemüsen, Gewürzen, Saucen, Schneidetechniken und Garmethoden, die in China Brauch sind. Ich blätterte das Buch durch und dachte mir: Ist ja schön, aber ziemlich fremdartig und kompliziert.

Ungefähr zur gleichen Zeit beendete ich mein 10-jährige Organistenstelle in Frutigen. Zum Abschied schenkte mir die Kirchgemeinde grosszügigerweise einen Wok, ein dazu passendes Réchaud sowie einen Mongolentopf. Darauf begann ich endlich, die ersten Rezepte aus dem besagten Buch auszuprobieren und war bald entzückt und betört von den äusserst wohlschmeckenden und oftmals ziemlich leichten Gerichten.

Florian, ein ehemaliger Orgelschüler, ist mit einer Hongkongerin verheiratet, bereiste China und erklärte mir einmal, dass die im Westen zelebrierte chinesische Küche SEHR anders sei als die echte chineische Küche, wie sie in China gepflegt wird. Das tat meiner Freude über die chinesischen Kochrezepte jedoch keinen Abbruch, zumal ich bei den Chinesen in San Francisco schon oftmals Chinesisches gegessen habe und dort ähnliche Aromen und Geschmäcker wie bei den von mir gekochten Speisen festgestellt habe.

Kürzlich feierten wir familien-intern ein grosses Fest. Um etwas Besonderes zu bieten, entschlossen wir uns, chinesische Speisen zu kochen und aufzutragen. Das gibt mir Anlass, nach bald dreijähriger Pause wieder mal einige Kochrezepte sowie allerlei Wissenswertes über die chinesische Küche zu verfassen und auf dieser Website zu veröffentlichen. Bitte lesen Sie hier weiter.
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Blowing in the Wind
Oktober 2019
An einer Abdankungsfeier wurde dieser Song von Bob Dylan gewünscht. Ich habe deshalb eine Orgelversion erstellt, in der ziemlich viele Sechzehntelnoten gespielt werden müssen. Kein Wunder, denn auf der Aufnahme zupft Bob Dylan seine Gitarrensaiten, dass wahre Freude herrscht.

Das Notenbeispiel finden Sie hier.
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Buxtehude: Nun lob mein Seel' den Herren
August 2019
Von Dietrich Buxtehude (1637-1707) gibt es diesen wunderschönen Orgelchoral BuxW 214. Er ist vierstimmig. Im Sopran steht, von Pausen unterbrochen, der cantus firmus. Im Alt und Tenor stehen Begleitstimmen. Am interessantesten ist der Bass, der abwechselnd den cantus firmus und die begleitende Bassstimme spielt.

Teilweise überlappen sich die cantus-firmus-Einsätze von Sopran und Bass. Daher (diess entspricht zwar nicht der damals gängigen Spielpraxis; aber trotzdem) klingt der Choral besonders malerisch, wenn man den Sopran auf dem Hauptwerk spielt. So kommt er wunderbar zur Geltung. Alt und Tenor spielt man dann auf dem Nebenmanual.

Der Bass kann durchgehend im Pedal gespielt werden; allerdings braucht es dazu zwei Registrierungen: Beim cantus firmus wird das Pedal kräftig (mit Zungenregister 8', ev. mit Pedalkoppeln) registriert, beim Begleitbass fehlen die Pedalregister, und es wird nur das Nebenmanual ins Pedal gekoppelt.

Ich habe 4 Versionen dieses Chorals gebastelt, indem ich die 4 Stimmen verschiedenartig auf 2-4 Notenzeilen verteilte. Sie finden Sie hier als PDF-Dateien; schauen Sie doch mal nach, indem Sie auf eines der Notenbildchen klicken.
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Orgeln und Mogeln
August 2019
Helma Wever, die Pfarrerin von Erlenbach im Simmental lässt das erste und letzte Lied im Gottesdienst meistens durch Organistin/Organist aussuchen. Das hat für uns Tastenmenschen den Vorteil, dass wir gegebenfalls Orgel-literatur und Kirchenlieder passend verbinden können.

Bernard Reichel
Auch kürzlich wieder. Als erstes Lied nahm ich "Ich erhebe mein Gemüte" KGB 20, weil es da vom Westschweizer Komponisten Bernard Reichel den sehr schönen Orgelchoral mit dem dramatischen Finale gibt. Das Lied im Kirchengesangbuch ist in G-Dur, der Orgelchoral von Reichel hingegen in A-Dur. Das ist und war ja kein Problem, denn nach dem Eingangsspiel folgte die Begrüssung durch die Pfarrerin, so dass sich die beiden Tonarten nicht aneinander "reiben".

Ich ging also am Sonntag rechtzeitig in die Kirche Erlenbach. Die dortige Orgel tönt manchmal etwas schrill und ist sehr obertönig. Deshalb registierte ich das Stück auf 4'-Basis und spielte eine Oktave tiefer. So erhält man ja die klingende 8'-Lage zurück. Vom II. Manual nahm ich noch das Gedackt 8' dazu und erhielt so - da ich ja eine Oktave tiefer spielte - einen leisen 16', der das Stück ungemein bereicherte.

Dann hörten die Glocken um 9.30 Uhr zu läuten auf, und ich begann meinen Reichel zu spielen. Leider machte ich bereits am Anfang zwei Fehler: Erstens spielte ich in der Normallage (also nicht eine Oktave tiefer), und zweitens begann ich das Lied in G-Dur statt in A-Dur. Nach einigen Tönen bemerkte ich endlich meine Fehler, musste also korrigieren bzw. mogeln und bewegte mich im Schweisse meines Angesichts und improvisierenderweise nach A-Dur und eine Oktave hinunter. Dann erst begann der Orgelchoral "richtig".

Das hat dann ungefähr so getönt (aus dem Gedächtnis aufgeschrieben):
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Musik nach Wunsch am Bettagskonzert
August 2019
Die musikalischen Wünsche, die an Organistinnen und Organisten herangetragen werden, sind oft ebenso zahlreich wie erstaunlich. Naturgemäss werden vor allem bei Trauergottesdiensten und Trauungen spezielle Stücke gewünscht, die meistens nicht der gängigen Orgelliteratur und ebenso oft nicht einmal der klassischen Musik zugehörig sind. So muss der Organist halt dann Ausflüge ins Reich der Pop-, Folklore- oder Filmmusik unternehmen.

Als Organist habe ich jahrzehntelang versucht, auf die zahlreichen Musikwünsche einzugehen. Das ist jedoch nicht immer so einfach: Da müssen zuerst Noten beschafft werden, und dann will das Stück für die betreffende Orgel eingerichtet ("registriert") und geübt werden.

Noten:
Ca. 1996 wünschte eine Konfklasse Conquest of Paradise als Eingangsspiel. Ich kannte das Stück der Spur nach, aber eben nicht im Detail. Das Internet war damals noch in seinen Anfängen, YouTube gab es noch nicht, aber irgendwie musste ich das Stück anhören und für die Orgel von Hand ein Arrangement schreiben können. Der Pfarrer besorgte mir dann eine CD von Vangelis, und mit vielen Verschreibern (es lebe der Radiergummi!) konnte ich eine brauchbare Orgelversion zusammenbasteln.

Heute ist es etwas leichter: Im Internet finden sich manchmal schon brauchbare Noten, oder ich höre mir das Stück auf YouTube an und schreibe das Orgelarrangement mit Sibelius auf. Zeitaufwendig ist diese Arbeit aber immer noch!

Orgel:
Am wichtigsten ist immer die Orgel: Hat sie 3 Manuale mit ausreichend Grundton- und Obertonregistern und hat sie sogar einen Registerspeicher (Setzer), dann sind auch ausgefallene Musikwünsche realisierbar. Ist die Orgel jedoch eher oder ganz klein, hat sie nur zwei Manuale und keinen Setzer, dann wird es manchmal schwierig.

Einal "musste" ich an einer Trauung die d-moll-Toccata von Bach spielen. "Kein Problem!" dachte ich und fuhr am Samstag frohgemut zur Kirche Ringgenberg. Dummerweise jedoch war die Orgel gerade in Revision. Als Ersatz diente ein 3- oder 4-registriges Positiv. Da sich der "Wiedererkennungseffekt" bei bekannten Stücken meistens schnell einstellt, spielte ich die Toccata trotzdem, und das Brautpaar war jedenfalls zufrieden. Der Anfang tönte dann halt ungefähr so:
Oder kürzlich spielte ich an einer Abdankungsfeier auf Wunsch der Trauerfamilie El condor pasa. Der Verstorbene hatte als Schulbube seinerzeit eine Gitarre geschenkt erhalten und darauf dieses Lied so lange geübt, bis er's auswendig konnte.

Bei Beerdigungen werden sonst häufig Jodellieder gewünscht. Am Thunersee von Adolf Stähli oder Land ob de Wolke von Jack Säuberli stehen oben auf der Wunschliste. Interessant ist vielleicht auch, dass das Lied So nimm denn meine Hände sowohl an Abdankungsfeiern wie an Trauungen gesungen werden.

Eine Auswahl dieser Wunschstücke hören Sie am Bettagskonzert in der Kirche Wimmis.
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Wo bleibt der Wind?
August 2019
Vor einiger Zeit spielte ich an einer Trauung in einer Kapelle im Oberwallis. Die historische Orgel von Josef Anton Carlen hat ein Manual mit kurzer Oktave (in der untersten Oktave sind nur die Töne C - D - E - F - G - A - B - H) und ein einoktaviges Pedal, ebenfalls mit kurzer Oktave. Die Wünsche des Brautpaares dagegen gingen eher in die moderne Richtung mit Songs von den Beatles u.ä.

Da dachte ich mir: "Das kann ja heiter werden; wie spielt man Popsongs auf einer Orgel, der die meisten Basstöne fehlen?". Ich fuhr deshalb in dichtestem Nebel frühzeitig über die Grimsel und war zwei Stunden vor der Trauung in der Kapelle, um mich gebührend vorbereiten zu können.

Diese Orgel hat zwei Bälge: Einen Balg, der "getrappt" werden kann, sowie einen weiteren Balg, den ein Gebläse mit Wind füllt. Die beiden Bälge sind rechts von der Orgel, und der Organist sieht deshalb immer, wieviel Wind noch im Balg steckt. Der Balg hat bekanntlich die Aufgabe, den Winddruck stabil zu halten.

Die Orgel hat eine hübsche Disposition und klingt allerliebst, gelegentlich sogar etwas "symphonisch" mit ihren weit mensurierten 8-Fuss-Registern, dem schwebend gestimmten Suavial und der weichen 4-Fuss-Flöte.

Die Disposition ist die Folgende:
Principal 8'   -   Copula 8'   -   Suavial 8' (schwebend gestimmt, ab c')   -   Oktave 4'   -   Flöte 4'   -  
Quinte 2 2/3'   -   Oktave 2'   -   Quinte 1 1/3'   -   Mixtur (mit Terz)   -   Subbass 16'
Ich bereitete die gewünschten Stücke (Viva la vida, Penny Lane, A whiter shade of pale, My Way, The Wedding, What a Wonderful World u.a.) vor, spielte sie einige Male durch und stellte dabei fest, dass bei vollgriffigem Spiel ziemlich schnell viel Wind verbraucht wurde,der Balg sich gefährlich nach unten senkte und der Winddruck auf der Kippe war. Dann spielte ich halt eine Zeitlang mehr staccato und "dünner", das heisst mit weniger Stimmen in den Akkorden, und der Balg füllte sich dann allmählich wieder. Und ich sagte mir: "Wunderbar! Das tönt ja ganz gut und nichts kann schiefgehen."

... Denkste! Bei der Trauung musste ich feststellen, dass sich der Balg jetzt viel schneller leerte. Ich wagte deshalb kaum mehr, vollgriffig zu spielen, schaute beim Traktieren der Orgel immer nach rechts zum Balg, machte bei fast leerem Balg längere Pausen oder Päuschen oder nahm einige Register weg oder spielte manchmal eine Oktave höher (hohe, kurze Pfeifen brauchen bekanntlich weniger Wind als tiefe, lange)... Es war recht anstrengend.

Ich vermute, dass die Stromversorgung in dieser Kapelle ampère-mässig eher unterdotiert ist. Eingeschaltete Lampen, die Lautsprecheranlage und weitere elektrische Helferchen haben vermutlich dazu geführt, dass der offenbar schon schwache Orgelmotor nicht genügend Saft erhielt und deshalb den Balg nur nach langer Pause wieder richtig aufblasen konnte.
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Balsam für die Seele
Juli 2019
Zwischendurch ist es wohltuend, wenn ein so wohlwollender Bericht wie derjenige über das Midi-Musique-Konzert in der Deutschen Kirche in Murten erscheint. Vielen Dank, Herr Bruni! (Quelle: "Der Murtenbieter")

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Orgelnoten
Juli 2019
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Schwyzerörgeli und Kirchenorgel an der Abdankung
Juli 2019
Kürzlich spielte ich an einer Abdankung in Habkern. Der Verstorbene - ein entfernter Verwandter von mir - hatte Zeit seines Lebens Freude an Ländlermusik und Jodelliedern gehabt; und so wurde die Trauerfeier recht fröhlich mit Schwyzerörgeli und Jodelliedern gefeiert.

Zum Eingang erklang ein Ländler, zum Ausgang ein ruhiger Schottisch. Beide Stücke wurden gespielt von zwei Herren am Schwyzerörgeli und mir an der Kirchenorgel. Als Zwischenspiele erklangen auf der Orgel zwei Jodellieder.

Hören Sie doch mal die aparte Version von Schwyzerörgeli und Kirchenorgel.
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Landschaften und Orgelmusik (Videos)
Juli 2019
Ernst Münger aus Wimmis hat mir kürzlich vier ansprechende Videos geschickt. Er kombiniert darin schöne Landschaftsbilder und kurze Clips aus dem westlichen Berner Oberland mit auf der Orgel gespielten Jodelliedern. Mit seiner Erlaubnis veröffentliche ich diese Videos auf dieser Website.
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Neues Folklore-Album
Juni 2019
In den letzten Jahren haben sich bei mir zahlreiche Ländlersongs und Jodellieder angesammelt. Dazu kommt noch die "Berner Suite", die ich gelegentlich an Konzerten spiele. All diese Stücke habe ich in einem neuen Album zusammengefasst. Sie finden es hier.

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Konf und Karibik
Juni 2019
Es ist wieder Saison für Konfirmationen. Eine Klasse scheint gute Connections zur Karibik zu haben, denn gleich zwei Songs aus dieser Gegend wurden von den Könfelern als Gemeindelieder (sic!) ausgewählt. Als erstes der Banana Boat Song von Harry Belafonte, zudem Three Little Birds von Bob Marley.

Calypso und Reggae werden also die Konfirmation verschönern. Da ich nicht so reggaekundig bin, musste ich mich etwas ins Marley-Lied hineinhören und schrieb dann einige Takte auf.
Es sieht komplizierter aus, als es zu spielen ist. Die ersten vier Takte des Intros habe ich ziemlich rhythmusgetreu aufgeschrieben. Die Viertel- und Achtelnoten in den Triolen werden allerdings nicht exakt 2:1 gespielt, sondern eher 8:5 oder 3:2. Die Triolen ab Takt 5 habe ich als "normale" Achtelnoten geschrieben. Das kann man ja auch besser lesen...

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Gospel auf der Orgel
Mai 2019
Kürzlich spielte ich an einem Gospel-Gottesdienst. Obwohl der GD-Besuch eher bescheiden war, sangen die Anwesenden die englischen Lieder überraschend kräftig, klangschön und mit innerem Feuer. Auf der Orgel hatte ich zusätzlich einige Stücke zu spielen. Das macht mir wenig Probleme, da ich gerne improvisiere.

Aber das tun ja nicht alle, und ich dachte mir, wie schön es doch wäre, wenn frau und man an der Orgel einige hübsche Gospelstücke nach Noten spielen könnten. Ich werde deshalb in nächster Zeit einige Stücke auf die Website laden.
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Der Frufra
Mai 2019
Heute lesen Sie eine ganz LAAAAANGE Geschichte, Aber es war ja auch ein langer Sonntag...

Wissen Sie, was ein "Frufra" ist? Nun, ich habe ihn kürzlich an einem Sonntag mit zwei Gottesdiensten zelebriert. Wobei es manchmal Sonntage gibt, die der Organist am besten schnellstmöglich vergisst; und das war so einer.

Folgendes trug sich zu: Am Morgen begab ich mich frühzeitig in die Kirche, um mich vorzubereiten. Und es ging ja auch alles gut. Dann kann eine Kirchenbesucherin früh in die Kirche, schwatzte etwas mit der Sigristin, und das war alles okay. Plötzlich jedoch hörte ich einen Urschrei, vermittels dessen die Kirche und mein Rückenmark bis ins Innerste erschüttert wurden. Wie sich später herausstellte, war die Kirchenbesucherin versehent-lich auf eine Blindschleiche getreten und hatte sie so in den Echsenhimmel geschickt.

Was hat denn ein Blindschleiche in einer Kirche verloren? Item, es war, wie es war, und ein kleiner Bube weinte herzzerreissend ob der toten Blindschleiche. Ich verliess dann die Kirche, um an der frischen Luft mit einer Zigarette meinen Blutdruck etwas auf normal zu bringen. Schliesslich war eine Taufe angesagt, und einige Mitglieder der Tauffamilie wollten ein Liedchen mit Orgel-begleitung für den Täufling singen. Das Liedchen hatte ich notabene tags zuvor nach Gehör von YouTube während 1½ Stunden für Orgel arrangiert.

Die Sängerinnen und Sänger kamen also, stellten sich im Chor der Kirche auf, und ich begann in der von ihnen gewünschten Tonart des Liedchens Vorspiel zu spielen und wartete im 8. Takt auf den Einsatz der Gesangsgruppe. Nichts geschah. Irgendwie setzten sie immer erst im 9. Takt ein. Nun, ich bin ja ein ausgemusterter Profi und hätte ohne weiteres einen Zusatztakt einbauen können, um den Einsatz mit der Gruppe zu harmonisieren.


Das Dumme war nur, dass die 5 singenden Personen in ebensovielen Tonarten zu singen begannen und sich einfach nicht auf eine Tonart einigen konnten. Können Sie sich diesen vielstimmigen, aber unharmonischen Gesang vorstellen? Wir pröbelten noch etwas herum, verschoben die Tonart etwas hinauf, aber die Musik blieb, wie sie war, nämlich hexatonal (1 Tonart von der Orgel, 5 Tonarten von der Gesangsgruppe). Am Schluss empfahl ich der Singgruppe, das Lied sine organo, also quasi a cappella zu singen.

*   *   *   *   *
Dann war noch in einer anderen Kirche ein Abendgottesdienst mit Beginn um 19 Uhr angesagt. Ich wollte vor dem Gottesdienst noch üben und dachte mir...
"Der Chor kommt vermutlich um 18 Uhr zur Probe oder frühestens um 17.30 Uhr." Ich schaute also, dass ich um 16 Uhr in der Kirche war und rechnete mir mindestens 1¼ Stunden ungestörter Vorbereitung aus. Dummerweise rauschte bereits um 16.30 Uhr die Dirigentin in die Kirche und erklärte, der Chor probe ab 16.45 Uhr. Ich war dann natürlich etwas perplexisiert und frustriert, denn niemand hatte mich über diesen überfrühen Beginn der Chorprobe informiert.

Ich begab mich halt dann schnurstracks nach Spiez ins McDonalds und kaufte dort einen Big Tasty Bacon. Der Laden war voll, und um das Personal nicht allzu sehr zu stressen, verzichtete ich darauf, Plasticwerkzeug zwecks manierlicher Nahrungs-aufnahme zu verlangen. Ich ass also den BTB von Hand, und wie das so geht, kann sich vernutlich jede und jeder vorstellen, der schon einmal im McDonalds gespiesen hat.

Und jetzt - Sie ahnen es schon - kommt des merkwürdigen Wortes Erklärung. Ich war also frustriert, davon kommt Frust respektive "Fru" als Abkürzung. Im McDonalds konnte ich den Burger mangels Werkzeug nicht essen, sondern musste ihn regelrecht fressen. Dort also hatte ich meinen Frass respektive Fra".

Die Sauce tropfte mir übers Kinn (ich habe dort ein Grübchen; da bleibt immer besonders viel Sauce kleben), das matschige Fleisch fiel in grossen Brocken aus den noch matschigeren Brothälften, der Salat verteilte sich ringsherun, der Käse sah aus wie eine vergorene Béchamelsauce und die Tomaten ass... pardon frass ich mit Wonne von Hand. Schade, machte ich kein Selfie. Aber ich konnte ja nicht. Erstens habe ich kein XY-Phone und zweitens hätte ich dem Gerätchen mit meinen fettigen und verschmierten Fingern keine Freude gemacht.

Aber es gibt ja den Photoshop. Ich habe mir erlaubt, damit eine amateurhafte Collage zu erstellen und sie Ihnen augenzwinkernd zu präsentieren.
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Neue Hörbeispiele
Mai 2019
In der Kirche Wimmis nahm ich einige Stücke auf. Zuhause stellte ich beim Anhören dieser Musik fest, dass die Orgel ziemlich viele Nebengräusche erzeugt. Diese kommen vor allem von der rein pneumatischen Registertraktur. Schon wenn ich nur ein Register ein- oder ausschalte, ist ein relative starkes Klopfen zu hören. Wenn ich gar von Kombination A auf Kombination B wechsle, "hudlet" es die Empore ziemlich gewaltig. Und da die Kirche klein ist, sind alle Töne und Geräusche ohnehin direkter und besser zu hören als in einer grossen Kirche mit einigem Nachhall.

Henusode. Sie können sich die Stücke trotzdem anhören. Klicken Sie einfach auf den Titel:

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Pater noster sine verbis   (Unser Vater ohne Worte)
Mai 2019
Vor kurzem erlebte ich an einer Trauung etwas recht Erschröck-liches. Nach dem Fürbittegebet wäre das "Vater unser" zu beten gewesen, aber es herrschte eine beinahe gespenstische Stille in der Kirche. Einzig die Pfarrperson sowie einige ältere Damen und Herren beteiligten sich am Gebet; das Gros der zahlreichen schön gekleideten, festlich gestimmten und gut gelaunten Hochzeitsgäste blieb stumm.

Ich habe schon oft erlebt, dass bei Konfirmationen oder Trauungen kaum mehr gesungen wird. Das beinahe lautlose Unser Vater hingegen, DAS - potzuuusig - war eine Première.
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Der Kirchenchor Wimmis sucht eine Dirigentin / einen Dirigenten
Mai 2019
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Muttertagskonzert 2019: Hörbeispiele
Mai 2019
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"Morgenstimmung" und "Åses Tod" von Edvard Grieg auf der Orgel
Mai 2019
Beim letzten Konzert in Wimmis spielte ich diese zwei Stücke. Die Orgel dort ist von Orgelbau Genf AG, hat ein Schwellwerk und drei freie Kombinationen. Die "Morgenstimmung" habe ich selber für die Orgel arrangiert, "Åses Tod" hingegen spielte ich aus Das rote Album (Hits for Organ I) vom Carus-Verlag. Das letztere Stück ist in h-moll und tönte auf der Wimmiser-Orgel ziemlich übel, da das Instrument ungleichstufig temperiert gestimmt ist.

Ich schrieb das Stück deshalb ins Sibelius-Notenprogramm und transponierte es einen Halbton hinauf, also nach C-Moll. So tönte es viel besser; ausserdem konnte ich so die tiefen Töne in den Manualen und im Pedal einsetzen und dem Stück den gewünschten düsteren Klang verleihen.

Nach einigem Herumprobieren gelang es mir sogar, die beiden Stücke aus der Peer-Gynt-Suite ohne Hebamme - also ohne Registrierhilfe - zu spielen. Ich habe die zwei Stücke mit den exakten Registrieranweisungen auf diese Homepage geladen. Sie finden Sie wie üblich unter Spielen-Noten oder indem Sie auf den untenstehenden Titel klicken.

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Ein liebenswürdiges Email
April 2019
Kürzlich erhielt ich ein sehr liebes und auch zum Nachdenken anregendes Email von einem Predigtbesucher in Wimmis (der Text wurde leicht abgeändert):
Ich gehe gerne ab und zu in den Gottesdienst, einfach weil ich da ein Zuhause habe. Sie, Herr Aellig, verschönern jeden Gottesdienst mit dem Orgelspiel! Ich muss sagen, ich verstehe von Musik überhaupt nicht viel. Aber so, wie Sie Orgel spielen, ist es genau so, wies mir gefällt, wunderbar.

Habe von einer üblen Rücken O.P. Tag und Nacht einen brennenden Schmerz, dem nur mit MST (einem Opiat) beizukommen ist. Besonders Sitzen und Stehen sind sehr schmerzhaft. Der Gottesdienst und das Orgelspiel bewirken, dass der Schmerz nicht mehr relevant ist, das entspricht ca. 20 mm. Morphium! Da spart also die Krankenkasse jedes mal noch Geld.

Jetzt hab ich eure Website gefunden! Ihre Orgel-Musik dort kann ich nun liegend hören, das ist prächtig. Ja mir gehts eigentlich ganz gäbig. Nun habt ihr beide bemerkt, dass ich nicht Schriftsteller bin. Aber ich möchte Dir, Sarah, und dem Herr Aellig einmal Merci sagen. Und dem Herrgott, dass es euch gibt.

Mit freundlichen Grüßen
XYZ



Ich schrieb dann zurück:
Lieber Herr XYZ

Vielen Dank für Ihr Email. Es ist schön, dass die Musik und überhaupt der ganze Gottesdienst Ihnen guttun und Sie von Ihren Schmerzen ablenken.

Im Mai oder Juni werden Klima und Temperatur etwas orgelfreundlicher sein. Ich habe mir für diese Zeit vorgenommen, wieder einmal einige Orgelstücke aufzunehmen und auf meiner Website zu publizieren. Wenn Sie möchten, kann ich dann einige Ihrer Lieblingsstücke auf CD brennen, so dass Sie die Musik auch auf Ihrer Heimanlage abspielen können.

Freundliche Grüsse
Markus Aellig
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Die Jodlerchilbi an der Abdankung   oder   Ein Hoch auf den Konjunktiv
März 2019
Es ist immer wieder frappant, wie bei Abdankungen spezielle Wünsche und / oder Forderungen an die Organistin und den Organisten oder ganz einfach - wenn ich mich einer korrekten und zeitgemässen Ausdrucksweise befleissigen täte - "an die orgelspielende Person" oder sogar (sehr korrekt) "an das orgelspielende menschliche Wesen" gestellt werden.

Im Vordergrund stehen sehr oft Jodellieder, deren es ja in unserem herzigen Schweizer Lande überaus viele gibt. Dabei ist bemerkenswert, dass die Wünsche der Trauerfamilie IMMER über die Pfarrperson dem "orgelnden Humanoiden" mitgeteilt werden. Früher hätte man sagen können: Die Pfarrperson drückt im Auftrag der Trauerfamilie die Knöpfe an der "Wurlitzer Box", und diese (die Box) produziere dann beflissen die gewünschten Akustikereignisse.

Also geht das "orgelspielende Seiende", das ja alle Wünsche der Trauerfamilie ernst nimmt oder nehme, ans Werk und jödelet und blödelet, pardon "bödelet" chilbimässig und fleissig auf der Orgel, dass es eine wahre Freude ist und die Edelweisse und Enziane beinahe zu hören ...äh sehen sind, und die Trauergemeinde erblickt innerlich nahdisnah, wie die Chueli vom saftigen Bergkräuterbuffet naschen und der Muni übermütig über die Steinhaufen gumpet und später der Mond aufgeht und die Sennen noch vor dem Stafel tubäkle und...

Hier ein Müschterli einer mir via Pfarrperson übermittelten Abdankungsfeiermusikstückwunschliste:

Lieber Markus

Im Anhang findest du die erste Version des Ablaufs Abdankung vom XYZ. Es muss noch klar werden, ob der Jodlerklub dabei ist oder nicht.

Die Angehörigen bitten dich und wären glücklich, wenn du bei Eingangs- und Ausgangsspiel folgende Jodellieder "einbauen" könntest: "E gschänkte Tag" und "Mis Älpli" von Adolf Stähli.

Für das kurze Zwischenspiel nach dem Lebenslauf-Teil wünschen sie sich "Am Thunersee" von Adolf Stähli.

Ich hoffe, das stimmt so für dich? Sobald klar ist, ob der Jodlerklub dabei ist, schicke ich dir den definitiven Ablauf.

Liebe Grüsse
...
Und nach der Abdankung schleicht das "georgelt Habende" zur Kirche hinaus und denkt, wie schön es doch wäre, eine auch nur klitzekleine Reaktion von der Trauerfamilie zu erhalten; dass vielleicht jemand von der Trauerfamilie vorbei käme und seine Zufriedenheit mit dem Gehörten ausdrückte oder vielleicht sogar "Merci" sagte oder wenigstens ein der sonst überallhin verschickten Danksagunsformulare irgendwann im Briefkasten landete oder .....

Man möge den etwas weinerlich-ruppigen Ton obiger Zeilen entschuldigen. Aber jahrzehntelange Erfahrung in dieser Sache prägen halt.
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Die "Marche funèbre" von Frédéric Chopin
Februar 2019
Dieses Stück eignet sich trotz seiner Länge als Eingangs- oder Zwischenspiel an Abdankungen. Bei Bedarf kann es ja gekürzt werden. Was "man/frau" haben sollte, ist eine Orgel mit freien Kombinationen oder Setzer. Auf einer Stöpselorgel wüsste ich beim besten Willen nicht, wie das Stück ohne Hilfe eines Registranten realisiert werden könnte.

Bitte klicken Sie auf die Hände, um das Notenbeispiel ansehen zu können.
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Maurice Ravels "Bolero" im Einkaufszentrum
Februar 2019
Kürzlich entdeckte ich auf YouTube eine herrliche Version.
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"Halleluja" von Cohen/Pentatonix für Orgel
Januar 2019
Bekanntlich gibt es hierzulande drei Typen von Orgeln, zumindest was das Registrieren und den Spieltisch betrifft:
1. Orgel mit Setzer. Dies erlaubt die Speicherung von endlos vielen Registrierungen.

2. Orgel mit 2-3 freien Kombinationen. Dies erlaubt die Vorbereitung von 2-3 Registrierungen. Ausserdem kann während dem Spiel eine unbenutzte Kombination neu registriert werden.

3. Stöpselorgel. Hierbei kann NICHTS vorbereitet werden, sofern man nicht mindestens eine "Hebamme" (Registrant/Registrantin) zu Hilfe zieht. Allenfalls kleine Änderungen sind möglich, wenn nur eine Hand spielt.
Kürzlich spielte ich den hübschen Song Halleluja" von Leonard Cohen als Zwischenspiel. Das war während eines Allianz-Gottesdienstes, und vor meinem Zwischenspiel war heisser Sound und temperamentvoller Gesang zu hören. Um mein ruhiges Halleluja stilgerecht einbetten zu können, spielte ich vor dem Song eine eher kurze, improvisierte Überleitung. Sie können sich das Ganze hier anhören. Die Tonqualität ist passabel, und dass ich zwischendurch ziemlich schneller wurde, mögen Sie mir verzeihen.

Während ich so spielte, dachte ich mir, wie schöne es doch wäre, wenn sich dieser Song mit moderaten Registeränderungen auch auf einer Stöpselorgel - aber ohne Hebamme, also ohne fremde Hilfe - spielen liesse. Und so vereinfachte ich das Stück etwas und versah es mit ziemlich genauen Registrierungsanweisungen. Sie finden dieses Notenbeispiel hier.
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Orgelmatinée in Gerzensee mit Theo Geissbühler
Januar 2019
Theo Geissbühler, Organist in Gerzensee, hat mir kürzlich einen sehr netten Brief geschickt und sich für die Verwendung zweier Arrangements von dieser Website bedankt. Ich gebe den Dank gerne an ihn weiter und ermuntere Sie, die letzte Orgelmatinée von Herrn Geissbühler am 27. Januar zu besuchen.
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s Guggerzytli
Januar 2019
Kürzlich fragte mich ein Kollege an, ob ich die Noten zum bekannten Volkslied hätte. Da ich Im Internet nicht fündig wurde, schrieb ich das Lied skizzenhaft auf. Das Stück finden Sie wie üblich unter Spielen - Noten oder direkt hier.

Als akustische Vorlage nahm ich eine hübsche und vermutlich eher ältere Aufnahme, die Sie sich auf YouTube anhören können.

Und hier noch der Liedtext:
Gohn i zum Grosi übers' Land
so chunnt mer immer z' Sinn,
das Guggerzytli a de Wand
wo's hätt im Stübli drin,
los Büebli hätt s'Grosmüeti gseit,
het zittered mit de Hand,
das Guggerzytli hanged scho
viel Johr a dere Wand,

Guggu….
Am Morge brüeled d'Kue muh, muh,
dä Bäri bällt wau, wau,
und denn ganz liis guggu guggu,
chunnt's Guggerzytli au,
es hätt mer künnt viel Freud und Leid,
viel Schtunde schön und bang.
Drum heb em sorg dass nid verheit,
i läbti nümme lang.

Guggu….
Nöd Gold und Silber mues i ha
um chönne glücklich d'si,
wenn i mis Guggerzytli ha
und non es Gläsli Wii,
und chunt mis letschti Stündli dra,
so hani nu die Bitt,
o gemer doch i d'Ewigkeit
mis Guggerzytli mit.

Guggu...
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Musikwünsche an einer Trauung
Januar 2019
Im Mai werde ich an einer Trauung spielen. Die Wünsche des Brautpaars sind so exotisch wie amüsant wie arbeitsintensivst. Ich zitiere aus dem Email der Braut an die Pfarrerin:

Hallo ...
Anbei sende ich dir noch die Ideen von unseren Musikwünschen. Die Videos sind nur Beispiele.
Liebe Grüsse ...

Vorspann 20th Centery Fox und Star Wars Theme (John Williams) bis ca min 1:40/2:00
https://youtu.be/5Jc0fxj9XT4

Halleluja Orgel
https://youtu.be/130_AH_lEPs

Ave Maria (Schubert) Orgel
https://youtu.be/LuDHTfNYXpE

Kiss from a Rose (Seal) Orgel
https://youtu.be/zBhxTWsVvgk
https://youtu.be/RApYELCEwjI

River Flows In You (Yiruma) Orgel
https://youtu.be/nFPvHUBqYio
https://youtu.be/LyTBCaCnYco

Zelda Theme Orgel
https://youtu.be/iMgtubmz1JY

Von meinem iPhone gesendet
Na, dann werde ich mich zu gegebener Zeit ans Werk machen:
▶   2-4 Songs von YouTube abschreiben; das dauert pro Song rund 3 Stunden.
▶   Die Songs ausdrucken und auf der Orgel einrichten; das dauert pro Song rund 1 Stunde.
▶   Die Songs üben; das dauert pro Song mindestens 1 Stunde.
▶   Zweimal nach XYZ fahren und zurück; Das dauert 2 Stunden.
▶   Dann kommt noch die Trauung; die dauert 1 Stunde.
Am Schluss wird mir die Trauung einen Zeitaufwand von mindestens 23 Stunden abverlangt haben, und von der Kirchgemeinde werde ich ein Honorar von rund 200 Franken erhalten. Das gibt - nach Abzug der Spesen - einen an Homöopathie erinnernden Stundenlohn.

Natürlich könnte ich den Job auch ablehnen. Das wäre vielleicht gscheiter.