So klingt die Orgel
13. Die Register vom Schwellwerk
Die Pfeifen vom Schwellwerk stehen in einem separaten Kasten in der Mitte der Orgel, direkt hinter dem Spieltisch und etwas erhöht. Dieser Kasten hat vorne Holzjalousien, die sich mit einem Fusspedal vom Spieltisch aus öfnnen und schliessen lassen, was eine stufenlose Lautstärkenänderung vom piano bis ins fortissimo ermöglicht.

Das Schwellwerk hat viele Register und ist daher klanglich sehr vielseitig. Erwähnenswert ist der Tremulant, welcher vor allem die Flötentöne in ein starkes Vibrato bzw. Tremolo versetzt, was manchmal an die Klänge der guten alten Hammondorgel erinnert.

Bei allen Klangbeispielen hören Sie improvisierte Variationen über "Greensleeves".
Principale und Flöten
Principal 8'
Rohrflöte 8'
Gedackt 16'
Oktav 4'
Hohlflöte 4'
Principal 8'   Oktav 4'
Principal 8'   Oktav 4'
Oktav 2'
Principal 8'   Oktav 4'
Oktav 2'   Scharf
Streicher und Schwebung
Die Pfeifen der Voix céleste sind minim höher gestimmt. Dieses Register wird nie nolo gebraucht, sondern zusammen mit dem (normal hoch gestimmten und ziemlich eng mensurierten) Salicional 8' und allenfalls noch weiteren Registern. Dadurch entsteht ein hübscher schwebender Klang, den man durchaus als "himmlische Stimme" wahrnehmen kann.

Salicional 8'
Voix céleste 8'
Salicional 8'   Voix céleste 8'
Die Kombination der Voix céleste mit den leisen Registern gibt wunderschöne, einschmeichelnde und samtene Klänge.
Gedackt 16'   Rohrflöte 8'
Salicional 8'   Voix céleste 8'
Hohlflöte 4'
Zungenregister
Das Schwellwerk hat 3 Zungenregister. Die Trompete 8' tönt runder als die Zinke 8' im Hauptwerk. Das Clairon 4' ist ein Trompetenregister, einfach eine Oktave höher. Die Kombination der drei Zungenregister tönt "schmetternd".
Trompete 8'
Oboe 8'
Clairon 4'
Trompete 8'   Oboe 8'
Clairon 4'
Sounds à gogo
Das Schwellwerk hat mehrere Flötenregister, mit denen man jede Menge wunderbarer Sounds kreieren kann. Da die Flöten weich und eher leise intoniert sind, verschmelzen die Register zu einem Gesamtklang. In den folgenden Beispielen hören Sie Variationen über das Taizé-Lied "Laudate Dominum".
Gedackt 16'   Rohrflöte 8'
Gedackt 16'   Salicional 8'
Gedackt 16'   Hohlflöte 4'
Gedackt 16'   Quinte 2²/₃'
Gedackt 16'   Rohrflöte 8'
Salicional 8'   Hohlflöte 4'
Gedackt 16'   Salicional 8'
Hohlflöte 4'
Gedackt 16'   Salicional 8'
Quinte 2²/₃'
Gedackt 16'   Rohrflöte 8'
Hohlflöte 4'   Nachthorn 2'
Gedackt 16'   Rohrflöte 8'
Quinte 2²/₃'   Nachthorn 2'
Rohrflöte 8'   Salicional 8'
Salicional 8'   Hohlflöte 4'
Rohrflöte 8'   Salicional 8'
Hohlflöte 4'
Salicional 8'   Hohlflöte 4'
Terz 1³/₅'
Rohrflöte 8'   Hohlflöte 4'
Quinte 2²/₃'   Nachthorn 2'
Terz 1³/₅'
Rohrflöte 8'   Quinte 2²/₃'
Nachthorn 2'
Gedackt 16'   Rohrflöte 8'
Hohlflöte 4'   Quinte 2²/₃'
Nachthorn 2'   Terz 1³/₅'
Der Tremulant   und   die Suboktav-Koppel   -   Sounds wie auf einer Hammond-Orgel
Eigentlich hat das Schwellwerk zwei Tremulanten, nämlich einen für die C-Seite und den anderen für die Cis-Seite. Leider rumpelt und rattert er ziemlich laut, so dass man bisweilen das Gefühl hat, eine Schar Spatzen fliege durch die Kirche. Aber er ist ziemlich schnell und stark und erzeugt (zumindest für mich) überaus wohltuende Vibrato- und Tremolo-Effekte.

A propos "Vibrato" und "Tremolo": Das Vibrato erzeugt eine sich wiederholende Schwankung in der Tonhöhe, das Tremolo hingegen eine Schwankung in der Lautstärke. So wurde es jedenfalls früher bei elektronischen Orgeln und Synthesizern definiert.

Der Tremulant in einer Kirchenorgel dagegen bringt alles zum Schwanken: Tonhöhe, Lautstärke und auch Klangfarbe. Im Video hören Sie "Misty" von Erroll Garner, kombiniert mit Bildern aus den USA.

Zur Registrierung:
Das Thema dieser Jazzballade hat die klassische 32-taktige Form A - A - B - A. Das Intro beginnt mit Rohrflöte 8' und Salicional 8'. Beim ersten "A" kommt die Hohlflöte 4' dazu, und der Tremulant schaltet sich ein. Beim zweiten "A" kommt die Quinte 2²/₃' dazu, beim "B" das Nachthorn 2' und beim letzten "A" die Terz 1³/₅'.

Den zweiten Chorus spiele ich auf dem Hauptwerk-Manual; das Schwellwerk ist "normal" ans Hauptwerk gekoppelt, ausserdem ist noch die Kopplung SW16' - HW eingeschaltet. Diese Kopplung nennt man bisweilen auch Suboktav-Koppel. Hier werden alle Töne eine Oktave tiefer ans Hauptwerk gekoppelt. Aus einer Rohrflöte 8' wird also eine Rohrflöte 16', oder aus einem Nachthorn 2' wird ein Nachthorn 4'.

Durch den Einsatz der Normalkoppel und der Suboktavkoppelt, verdoppelt sich die Zahl der Fusslagen. Allerdings spiele ich den 2. Chorus eine Oktave höher als normal. So wird aus einer Rohrflöte 8' eine Rohrflöte 4', aus einer Hohlflöte 4' wird eine Hohlflöte 2', oder aus einer Terz 1³/₅' wird eine Terz ⁴/₅' usw.

Ein bisschen 16' im Pedal bringt Boden, die Voix céleste 8' und der Principal 8' werden später auch noch beigezogen, und das Ganze jubiliert und wimmert dann ganz ordentlich.

Am Schluss geht es rückwärts: Nach und nach werden Register weggenommen, der Tremulant wird ausgeschaltet, und das Stück endet zart und fein mit Salicional 8' und Salicional 4'.
Sie können die genaue Registrierung in der folgenden Grafik nachschauen. Rot sind die Register dargestellt, welche durch die Suboktavkoppel entstehen.