Freitag, 11. September
Royal Gorge - Ostwärts
Blick in die Rocky Mountains
Trotz des Koyotengeheuls erwachen wir ausgeruht. Das Frühstück besteht aus Kaffee, Knäckebrot,
Konfitüre, Aufschnitt, Käse, Essig-gurken und Taco Sauce.
Wir packen zusammen und fahren die paar Meilen runter zur
Royal Gorge,
wo sich der Arkansas River mehr als 300 Meter weiter unten durch eine schmale Schlucht windet.
Der Royal Gorge Park ist fest in Privatbesitz und wird auf amerikanische Weise
vermarktet. Trotzdem sind stille Plätzchen zu finden, zumal auf der Südseite der Schlucht,
wo man mit der längsten (d.h. ohne Zwischenmasten) Luftseilbahn der Welt hinfahren kann,
um dann über die höchste Hängebrücke der Welt an den Nordrand zurückzulaufen.
Die höchste Hängebrücke der Welt
Wasseruhr beim Eingang zur Royal Gorge
In Amerika ist halt alles grösser, höher, länger und breiter... Das sieht man nicht
zuletzt an den gewaltigen Vorder- und Hinterteilen, die zunehmend mehr Bürgerinnen
und Bürger der USA präsentieren...
Auf der Südseite ist ein lauschiger Tierpark untergebracht, der uns ein bisschen ans
Dälhölzli in Bern erinnert. Für Wagemutige ist eine Schleuder angebracht, auf der man
sich paarweise weit über die Schlucht hinauswerfen lassen kann.
Über die Brücke darf (gegen Aufpreis) mit dem Privatauto gefahren werden. Es ist allerdings
empfehlenswerter, die Brücke auf Schusters Rappen zu begehen. Zwischen den Bodenbrettern sieht
man nämlich auf den Arkansas River hinunter. Zusätzlich bringen fahrende Autos die Brücke
leicht zum Schaukeln, so dass sich beim Fussgänger ein unbeschreiblich wohlig-grusliges
Gefühl einstellt.
Blick in die Royal Gorge
(Aufnahme aus der Luftseilbahn)
Zug am Grunde der Schlucht
Schatzi, willst Du mich heiraten?
Unbedingt empfehlenswert ist die Fahrt auf den Grund der Schlucht mit "der Welt steilster
Standseilbahn". Wenn man bedenkt, dass Colorado gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit
einem dichten Schienennetz durchzogen wurde, um all die Bergbauschätze (Kupfer, Gold,
Silber, Blei...) zu transportieren, ist es schon erhebend, wenn man direkt am Arkansas River
und neben den Schienen stehen und die Hängebrücke von unten betrachten und darüber sinnieren kann,
wie sich 1877/78 die beiden Eisenbahn-gesellschaften Rio Grande und Santa Fe bis
aufs Blut um die Durchfahrtsrechte durch die Royal Gorge bekämpften
Alte (noch aus Holz erbaute) Wasser-leitungen sind am gegenüberliegenden Schluchtrand zu sehen.
Eine Standseilbahn führt bis zum Arkansas River hinunter
Nach einem Snack im Denny's fahren wir ostwärts nach Pueblo und dann weiter nach La Junta. Von dort
führt die völlig einsame State Road #109 südwärts nach...
...eigentlich nach nirgendwo. Eine gut unterhaltene
Dirt Road
führt uns südwestwärts und im Abendrot treffen wir schliesslich im
Vogel Canyon ein. Auf dem Parkplatz steht ein (1) Auto.
Richard und seine Frau kommen bald nach unserer Ankunft vom Hiken zurück und rühmen die
Stille und Einsamkeit dieser Gegend. Die Beiden fahren schliesslich weg, und wir richten
uns für die erste Nacht in freier Natur ein.
Offiziell hat der Vogel Canyon zwar keinen Zeltplatz, aber man darf auf dem Parkplatz übernachten.
Schliesslich befinden wir uns auf einer feinen amerikanischen Erfindung, den
Public Lands. Wobei wir den bescheidenen Komfort schätzen:
Es hat hier einige überdachte Picnictische mit Feuerstellen, ein Plumpsklo und Kehrichtkübel.
Das Nachtessen besteht aus Chili con carne aus der Dose,
runtergespült mit Budweiser und Jim Beam. In der Nacht heulen zu unserem Entzücken wieder die Koyoten, und wir schnarchen, bis die Kappen ab den Rädern fliegen...