Markus Aellig
Organisten-Alltag 2021
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Neue Kochrezepte
Juni 2021
Vor etwa 20 Jahren kaufte ich mir in Volterra das Buch Toskanische Küche von Elisabetta Piazzesi. Dieses Buch gab mir schon manch wertvolles Rezept und viele nützliche Tipps "per la cucina vera della Toscana". Die Küchenphilosophie von Signora Piazzesi ist eigentlich ganz einfach:

Nehmen Sie nur frische Produkte aus der Gegend - Würzen Sie sparsam - Verwenden Sie bestes Olivenöl - Nehmen Sie sich Zeit!

Später erhielt ich als Geburtstagsgeschenk ein weiteres Kochbuch: Original Toskanische Küche von Emanuela Stramana. Dann verglich ich natürlich Rezepte für das gleiche Gericht und stellte befriedigt fest, dass sich die Rezepte ziemlich glichen. Für mich der Beweis, dass die beiden Bücher wirklich authentisch waren und die echte toskanische Küche beschrieben.

Sie finden auf der Kochseite vier neue Rezepte:
Arista alla fiorentina: Ein herrlicher Braten vom Schweinskotelett, gewürzt mit Knoblauch und Rosmarin.

Hühnerbouillon mit Einlage: Hühnersuppe mit Omelettenstreifchen.

Zuccotto non Zuccotto: Ein ziemlich aufwendiges Dessert. Das Bild sehen Sie oben. Zuerst muss man ein Bisquit backen, dieses dann mit Vinsanto beträufeln und schliesslich damit eine Bombe oder eine runde Schüssel auskleiden. Ich habe das Rezept etwas vereinfacht. Dann sieht es halt nicht so shön aus wie im Bild, deshalb der Zusatz "non Zuccotto".

Spaghetti bolognese: Eigentlich müsste man die Sauce "al ragù" nennen und mit Nudeln statt Spaghetti kombinieren. Denn die breiten Nudeln nehmen viel mehr Sauce an und auf als die dünnen Spaghetti. Gleichwohl: Mir schmeckt es auch mit Spaghetti
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Musik an vier Konfirmationen
Mai 2021
Die Konfirmationsklasse in einer Berner Oberländer Gemeinde wurde wegen den Coronabestimmungen quasi "gevierteilt", so dass sich die 16 Girls und Boys in 4 gleichartigen Gottesdiensten feiern und konfirmieren lassen konnten. So wurde erreicht, dass jeweils nicht mehr als 50 Personen in der Kirche waren.

Ich hätte natürlich viermal das gleiche Programm spielen können. bestehend aus: Eingangsspiel, kurzes Zwischenspiel bei der Rosenverteilung an die Mütter, längeres Zwischenspiel nach der Predigt, Ausgangsspiel sowie 3 Lieder. Aber irgendwie fand ich das ein bisschen langweilig, und so entschloss ich mich, in der Pop-, Jazz- und Jodelkiste zu wühlen und spielte dann folgende Stücke:

Erste Konfirmation:A Whiter Shade of Pale(Procul Harum)
Am Thunersee(Jodellied von Adolf Stähli)
Kiss From A Rose(Seal)
The Final Countdown(Europe)

Zweite Konfirmation:Heaven(Gotthard)
Säg mer, wenn dass d Rose blüje(Jodellied von Adolf Stähli)
Imagine(John Lennon)
Take the "A" Train(Billy Strayhorn)

Dritte Konfirmation:Penny Lane(The Beatles)
E gschänkte Tag(Jodellied von Adolf Stähli)
Bright Eyes(Mike Batt)
Ain't Misbehavin'(Thomas "Fats" Waller)

Vierte Konfirmation:Hey Jude(The Beatles)
Mis Bärnbiet(Jodellied von Jakob Ummel)
Hie bini deheim(George)
Viva la Vida(Coldplay)

So kam jedefrau und jedermann auf seine Kosten. Natürlich mit Ausnahme der Leute, welche gerne klassische Musik gehört hätten. Sarah, der Pfarrerin, gefiel "Hie bini deheim" dermassen, dass sie mir vor versammelter Gemeinde sogar für dieses Zwischenspiel dankte!

...und nach der letzten Konfirmation delektierten der Kirchgemeinderatspräsident (der bei allen vier Konfirmationen den Laptop und den Beamer bedient hatte) und ich uns an einem Bierchen.
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Notenbeispiele
Mai 2021
Kürzlich rief mich eine Kollegin an. Sie war etwas im Stress, da der Pfarrer für die bevorstehende Konfirmation ein Ausgangsspiel zum Lied "May Your Life" wünschte. Ob ich da nicht etwas basteln könnte. Also bastelte ich eine Orgelversion dieses christlichen Liedes mit den vielen Synkopen. Sie finden die Noten hier.

Und dann gibt es noch das Walzerli "Abendglocken". Auf dieser Homepage befindet sich zwar schon ein Notenbeispiel, aber ich habe eine etwas gefälligere Version für eine kleinere Orgel ohne Setzer und freie Kombinationen geschrieben. Diese pedallastige Version finden Sie hier.
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Welche Musik gehört in die Kirche?
April 2021
Im Laufe der vergangenen Jahre hat sich die Antwort auf diese Frage total verändert
Klaras Abdankungsfeier
Klara liebte Volksmusik. Aber auch Wiener Walzer. Das Herz der Tochter hingegen schlägt eher für den Jazz. Nun ist Klara verstorben und die Hinterbliebenen machen sich zusammen mit der Pfarrperson daran, die Abdankungsfeier vorzubereiten. Ob sie überhaupt in der Kirche stattfinden soll? Oder eher an einem ihrer Lieblingsplätze im Wald? Doch, Kirche ist gut. Schliesslich hat Klara ein Leben lang Kirchensteuer bezahlt. Da ist eine kirchliche Abschiedsfeier angebracht, ist ja auch kostenlos, inkl. Pfarrperson und Organistin.
Die Musik? Das Lied vom Guggisberger Jodlerchörli, das Klara so gern hörte, der Walzer, der immer am Schluss des Neujahrskonzertes gespielt wird, und zu Beginn ein Jazzstück von der Lieblingsband der Tochter. Das Programm wird der Organistin mitgeteilt, der Anlass findet in ein paar Tagen statt.
So oder ähnlich kann sich heute die musikalische Vorbereitung eines kirchlichen Anlasses gestalten. Wie sehr sich dabei die Rolle der Orgel und die Erwartungen an Orgelmusik gewandelt haben, möchte ich mit dieser Kolumne aufzeigen.
Jazz in der Kirche? Undenkbar!
Bis in die 1980er Jahre hinein war völlig klar, dass in der Kirche ausschliesslich Musik zu ertönen hat, die sich schickt für Gottes Haus. Ein Schlagzeug an einer Konfirmation? Undenkbar! Ein Jodellied auf der Orgel? Ein unvorstellbarer Frevel!
Ein brillanter Musiker, der sich wagte, ein bisschen an diesen Tabus zu rütteln, war Hannes Meyer. Der Bündner Organist war einer der ersten, der die Grenzen des bisher Erlaubten sprengte, indem er Volksmusik oder Orchesterstücke für Orgel bearbeitete und spielte. Viele Menschen liebten ihn dafür.
Aber wie sehr er sich damit über bisherige Konventionen hinwegsetzte, zeigt die Tatsache, dass er in den 1980er Jahren im Berner Münster Hausverbot erhielt, weil er von F. Mendelssohn "Ein Sommernachtstraum" gespielt hat.
Entsprechend waren auch die Ausbildungsgänge für KirchenmusikerInnen gestaltet. Jede Menge Frescobaldi, Bach, Mendelssohn, Reger und Messiaen. Wie man jedoch ein Chanson, ein Männerchorlied oder eine Jazzballade auf die Orgel bringen kann, hatte in den Ausbildungen bis vor wenigen Jahren keinen Platz.
Und jetzt?
Persönlich bin ich sehr froh und dankbar, dass sich die Grenzen des Erlaubten geweitet haben. Ich liebe die Musik von Bach über alles, aber ich ergänze sie gerne mit Stücken aus anderen Stilen. Ich finde es wichtig, dass die Kirche ihr allgemeines Angebot, aber auch die musikalische Palette, erweitert hat, und so näher bei den Bedürfnissen und Anliegen der Menschen ist.
Es hat mir grosse Freude bereitet, als ich in Absprache mit der Pfarrperson an der Abschiedsfeier für den ehemaligen Patron einer Schokoladenfabrik Musik aus dem Film "Chocolat" spielen durfte. Und am Valentinstag liess ich mit Wonne Schnulzen und Liebeslieder ertönen.
Die Orgel ist kein Musikwunsch-Automat
Wenn musikalische Wünsche wie die oben genannten an mich herangetragen werden, versuche ich als Erstes, abzuschätzen, ob mein fachliches Können und die zur Verfügung stehende Zeit ausreichen. Daneben gibt es für mich eine weitere Grenze: wenn die Würde des Raumes und des Anlasses verletzt wird, mache ich nicht mit.
"Highway to hell" werde ich nie an einer Hochzeitsfeier spielen, auch wenn ich schon mehrmals mit diesem Wunsch konfrontiert worden bin. Ebenso lehne ich es ab, etwas auf der Orgel zu spielen, wenn das musikalische Resultat nicht überzeugt. Die wunderbare, leicht kratzig-heisere Stimme von Louis Armstrong in "What a wonderful world" kann ich auf der Orgel nicht immitieren.
Gut, dass wir uns heute einer weitaus grösseren Musikvielfalt erfreuen können. Respektieren wir jedoch trotzdem die Grenzen des guten Geschmacks und des Instrumentes.

Doris Zürcher, Organistin
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Kein Eintrag im Organistenalltag
Februar 2021
Es soll mal einen verrückten Pianisten gegeben haben, der ein Konzert ohne Musik veranstaltete. Scheint's - so sagt man - sei er einfach aufs Stühlein gehockt, habe die Hände gefaltet und gewartet, bis die letzte erboste Zuhörerin und der letzte verärgerte Zuhörer (haben Sie gemerkt, dass ich frau vor man gestellt habe?) den Saal verlassen habe.

In diesen verrückten Coronazeiten wäre so ein Konzert angebracht. Aber eben, zum Davonlaufen bräuchte es eine Zuhörerschar, und die darf sich jetzt ja nicht (nicht mehr?) besammeln.

Da das Kirchenleben seit Monaten eher "piano" abläuft, habe ich beim besten Willen nichts im Organistenalltag zu vermelden. Sorry!