Markus Aellig
Organisten-Alltag
Perlen
2021
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Der gute Mann
Dezember 2021
Kürzlich las ich auf der kurzweiligen und informativen MPS Orgelseite folgenden Beitrag:
14. Mai 2020

Markus Aellig wurde in diesem Forum zwar schon mal erwähnt (siehe ...), aber sein Notenarchiv wurde - meine ich - noch nicht gewürdigt (www..., dort auf den Button "Spielen, Noten" klicken). Der gute Mann stellt ein umfangreiches Sammelsurium eigener Transkriptionen für Orgel zur Verfügung, von Klassik bis Pop ist alles mögliche dabei.

Habe schon oft bei ihm gestöbert und war letzt wieder vorbeigekommen. Seit einigen (Corona-)Wochen lädt er auch sonntäglich eingespielte Stücke hoch (da ich nicht weiß, wie lange auf seiner Homepage die Verlinkung bleibt hier gesondert gepostet: www...).

Man beachte insbesondere seine Lieder aus Konfirmationsgottesdiensten, damit würde ich wohl in meiner Heimatgemeinde nicht durchkommen.

Vielleicht auch für euch was dabei...
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Perlen im Organisten-Alltag
Dezember 2021
Seit 2012 notiere ich alles mögliche im Organisten-Alltag. Darunter findet sich Interessantes, Lustiges, Ärgeliches, Erbauliches und Erheiterndes. Es hat da aber auch jede Menge Hafenkäse, den man einmal goutiert und dann vergessen darf. Ich habe deshalb die (meiner Meinung nach) interssantesten und amüsantesten Beiträge in den «Perlen» zusammengefasst.

Diese Seite ist sehr umfangreich, und es dauert ein Weilchen, bis sie fertig geladen ist. Aber - Sie kennen sicher das Sprichwort: «Geduld bringt Perlen.»
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Variationen über "Morgen kommt der Weihnachtsmann"
Dezember 2021
Martina hat mir kürzlich eine Audiodatei gemailt. Die Variationen über das bekannte Kinder-Weihnachtslied habe ich irgendwann (vermutlich als Zwischenspiel im Gottesdienst) in der Kirche Erlenbach gespielt. Das Ganze tönt noch ganz hübsch und beschwingt; deshalb habe ich das Ganze in Noten umgesetzt.

Sie können sich als Zuhörerin oder Zuhörer an den knackigen Klängen der Erlenbacher Orgel plus einigen Nebengeräuschen seitens der Gottesdienst-besucher erfreuen. Klicken Sie dafür bitte auf das Bild.

...oder Sie können sich die Noten anschauen, wenn Sie hier draufklicken.
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Johann Gottfried Walther - im Schatten seines Cousins J. S. Bachs
Oktober 2021
Wikipedia beschreibt in dürren Worten die wichtigsten Details zum Leben und Wirken des Organisten, Komponisten und Musikhistorikers. Ich zitiere:
"Johann Gottfried Walther (1684 - 1748) war ein deutscher Organist, Kapellmeister, Komponist und Musikwissenschaftler.

Seine Ausbildung erhielt Walther in Erfurt bei Johann Bernhard Bach, aber auch bei verschiedenen weniger bedeutenden Kantoren und Organisten. Den Unterricht bei Johann Heinrich Buttstett malte er später als unangenehm und wenig nützlich aus. Er charakterisierte Buttstett als schrulligen und geldgie-rigen Gelehrten, der sein Wissen und sein Können nur unwillig weitergab

Walther wurde 1702 Organist an der Erfurter Thomaskirche. 1704 lernte er Andreas Werckmeister in Halberstadt kennen. 1707, mit nur 23 Jahren, wurde er zum Organisten der Stadtkirche St. Peter und Paul in Weimar gewählt, wo er Freundschaft mit Johann Sebastian Bach schloss. Walther und Bach waren entfernte Vettern. Kurz darauf wurde er zum Musiklehrer des Prinzen Johann Ernst, Sohn des Herzogs Johann Ernst III. von Sachsen-Weimar, und dessen Stiefschwester ernannt, was ihm hohes Ansehen verschaffte.

Sowohl die süd- als auch die norddeutsche Orgelmusik beeinflussten Walthers Werk, zudem war für ihn die Bekanntschaft mit den Concerti italienischer Meister wegweisend. Seine Bearbeitungen solcher Werke für Tasteninstrumente wurden zum Vorbild der Transkriptionen Bachs von Kompositionen Vivaldis. Den größten Teil seiner Orgelwerke bilden Choralvorspiele, entweder einsätzig oder zyklisch mehrere Strophen behandelnd, so dass sie die Suitenform aufweisen. Sie sind vermutlich größtenteils für den Dienst in Weimar geschrieben, wie man aus der dem Instrument in Weimar entsprechenden wenig ambitionierten Behandlung des Pedals schließt.

Walthers 1732 in Leipzig erschienenes Musicalisches Lexicon ist das erste in deutscher Sprache und überhaupt das erste enzyklopädische Musiklexikon, das Begriffe, Personenartikel und Schrifttum zusammenfasst..."
Aber Walther stand halt immer im Schatten seines Cousins Johann Sebastian Bach. Dieser war ein in ganz Deutschland bekannter und angesehener Orgelvirtuose und Orgelsachverständiger. Und so scheint es Walther nicht so gut gegangen zu sein. Denn ich fand auf IMSLP die Denkmäler deutscher Tonkunst vom Verlag Breitkopf und Härtel, erschienen 1906 in Leipzig. Dort sind alle Orgelwerke Walthers in Band 26 und 27 enthalten; Herausgeber ist Max Seiffert. Im Vorwort steht unter anderem:
"Eine nach aussen glänzende Laufbahn ist Walther nicht beschieden gewesen; in einem kleinen, engen Berufskreise hat er sein ganzes Leben zugebracht. Ihm war von der Natur kein Genie mit seiner unaufhaltsamen Entwicklungskraft verliehen; es waren durchschnittliche Anlagen, die er durch ausdauernden Fleiss und gewissenhafte Gründlichkeit zu achtungswürdiger, solider Tüchtigkeit steigerte.

Mit dem Idealismus der Jugend vertraute er darauf, dass diese schätzenswerten Eigenschaften auch ohne persönliches Sichhervortun ihm einen sonnigeren Platz im Leben verschaffen und sichern würde. Doch die Wirklichkeit liess alle seine Hoffnungen nach und nach zuschanden werden. Die wachsenden Sorgen des Daseins erdrückten seine Schaffenskraft, müde Resignation trat an ihre Stelle, und in Bitterkeit über das Versagen der bescheidensten Wünsche zur Fürsorge für seine Familie schloss er endlich die Augen..."
Schauen Sie sich das Bild vom jungen Walther an. Finden Sie nicht auch, dass er etwas melancholisch zum Maler blickt?
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Organist Walter Dällenbach auf YouTube
Oktober 2021
Walter Dällenbach war jahrzehntelang Organist in der FEG (Freie Evangelische Gemeinde) in Thun. Seit er pensioniert ist, nimmt er sich viel Zeit für eine seiner Lieblingsbeschäftigungen. Und so verbringt er zahlreiche Stunden in seiner Dachkammer an seiner dreimanualigen Orgel.

Manchmal nimmt er Orgelstücke auf und veröffentlicht sie auf YouTube. Es ist erstaunlich, wie echt und authentisch die heutigen Digital-Kirchenorgeln klingen. Sie gelangen zu den Aufnahmen von Walter Dällenbach, indem Sie auf YouTube gehen und dort "Dällenbach Casavant" eingeben, oder indem Sie direkt hier draufklicken.
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Die schwankende Tonhöhe
Oktober 2021
Kürzlich hörte ich beim Kochen kurz vor dem Mittag Radio SRF2. Der Moderator sprach ein wenig, und dann folgte eine absolute Stille von ca. 30 Sekunden!!! Ich dachte, ich hör nicht recht. Ist der Sender kaputt oder spinnt mein Tuner? Aber dann folgten punkt 12 Uhr die Nachrichten, und alles war Friede, Freude, Eier.

Und dann dachte ich wieder einmal, wie nervös, hektisch und stressig unsere Zeit doch sei, und auch gemacht werde. Ja, ja, GEMACHT! Von Menschenhand gemacht. Zum Beispiel von den charmanten Damen Moderatorinnen und den ebenso charmanten Herren Moderatoren beim Schweizer Radio, die pausenlos daherplappern und nichts Gscheiteres wissen, als in den Schluss eines Songs bereits den Anfang des nächsten Songs zu spielen, oder ganz allgemein die Song-Enden auf vielfältige und nervende Art abzuwürgen. The Show Must Go OOOOn, Halleluja!

Heutzutage wird ja jede Art von Musik zwecks Konservierung digitalisiert und später beim Abspielen analogisiert. Und beim Digitalisieren ist zu sagen, dass sowohl bei der Aufnahme wie bei jeder beliebigen Wiedergabe die Tonhöhe immer exaktestens gleich ist. Früher war das anders. In der guten, alten Analog-Zeit wurde die Musik auf Vinylplatten oder Tonbänder geladen; und das sind ja eigentlich elektro-mechanische Audiogeräte. Und die Mechanik hat und hatte hat ihre Toleranzen und minimen Abweichungen, so dass beim 1. Plattenspieler in Stück in G-Dur auch in G-Dur erklang, beim 2. Plattenspieler war dasselbe Stück vielleicht ein Brösmeli höher und beim 3. Plattenspieler eine Brosame tiefer.

Und wenn dann am Schweizer Radio gemäss der schon damals herrschenden Unsitte der Anfang eines Songs ins Ende des vorangehenden Songs geplätschert wurde, gab es oft eine zwar unschöne, aber gleichwohl lustige (und manchmal akustisch schmerz-hafte) minime Tonhöhenverschiebung.

Aber eben: Dieses Tonhöhenwankelphänomen ist heute nicht mehr zu beobachten... äh zu hören, dank der Digitalisierung.
*   *   *   *   *
Aber es gibt diese minimen Tonhöhenunterschiede bei den Orgeln. Kürzlich nuschte ich in meinen rund 600 Audiodateien herum und stellte amüsiert fest, dass die Orgeln nicht immer gleich hoch sind. Allgemein gilt: Je kälter die Kirche, umso tiefer die Orgel   Je wärmer die Kirche, umso höher die Orgel.

Ich hörte mir also zwei Stücke an, das G-Dur-Präludium von Fischer (aufgenommen in Wimmis) und das G-Dur-Präludium von Mendelssohn (aufgenommen in der Stadtkirche) und . Dabei stellte ich fest, dass die Orgel in Wimmis hörbar tiefer ist, und ich habe mir einen Spass daraus gemacht, die zwei Liedchen zu kombinieren. Klicken Sie doch bitte hier und hören Sie zu.
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Eingangspegel bei der Aufnahme: Manuell oder automatisch
Oktober 2021
Früher, in der ganz alten und ganz guten Zeit, ging man ins Konzert und hörte sich die Musik mit wachen Ohren an. Allerdings bezweifle ich, dass bei Musikdarbietungen in adeligen Etablissements immer nur andächtig zugehört wurde. Vielleicht sprachen die Fürsten und ihre Lakaien über den bevorstehenden Krieg, und die adeligen Damen über die neuesten Frisuren aus Paris. Aber die Musik tönte immer, wie sie dargeboten wurde. Leise. Laut. Sehr leise. Sehr laut.

Später, in der guten alten Zeit, kamen Schellack-Schallplatte und Radio auf. Man setzte sich vors Radio oder vor den Grammophontrichter und hörte der Musik - manchmal - ergriffen zu. Da konnte man die Lautstärke schon ein bisschen regulieren, indem man zum Beispiel am Radio den Volumenregler zurückdrehte oder ein Tuch über den Trichter spannte. Trotzdem blieben die Unterschiede in der Lautstärke erhalten. Leises tönte leise. Lautes tönte laut.

Dann kam die Zeit der analogen Elektronik, der Elektronenröhren und Transistoren, der Vinylplatten und Tonbänder. Musik wurde zunehmend in Konserven auf Band oder Platte gefüllt und konnte jederzeit und überall abgehört werden. Dazu konnte man nähen, Hausaufgaben machen, die Küche putzen oder einen Geschäftsbrief ins Reine schreiben. Und merkte bald, dass die grossen Lautstärke-Unterschiede bei vielen Musikstücken störte. Praktischerweise erlaubte die immer raffiniertere Elektronik, eine Aufnahme so zu regulieren, dass eine leise Stelle verstärkt und eine laut Stelle abgeschwächt wurde. Am Schluss hatte man ein Musikstück in einer durchwegs ungefähr gleichen Lautstärke. Das war praktisch.

Heute sind wir im digitalen Zeitalter. Bei einer Aufnahme wird das Mikrophon in einen analogen Vorverstärker geschickt und präpariert. Von dort geht das analoge Tonsignal in einen Analog-Digitalwandler und wird dort in Einsen und Nullen umgewandelt und weiter präpariert und landet schliesslich auf einer CD, auf YouTube oder im eigenen PC. Später will man sich das Musikstück anhören, und so wird das 0110010100-Signal in den Digital-Analog-Wandler geschickt; von dort geht's zum Vorverstärker und Endverstärker und schliesslich zum Lautsprecher oder Kopfhörer.

Sowohl im analogen wie im digitalen Zeitalter war und ist es beliebt, Stück in gleichbleibender Lautstärke aufzunehmen und anzuhören. Die Orgeln jedoch haben - auch wenn sie teilweise nicht so gross und reich an Registern sind - einen so gewaltigen Dynamikumfang, wie er bei keinem anderen Musikinstrument vorkommt. Da ist von frommen Gesäusel bis zum infernalischen Tornado fast alles hörbar.

Moderne Aufnahmegeräte (Recorder) funktionieren seit rund 20 Jahren ausnahmslos nach dem oben erwähnten Schema "Mikrophon - Vorverstärker - AD-Wandler". Dies tut auch mein mittlerweile schon etwas betagter TASCAM-Recorder. Bei ihm kann ich das Eingangssignal und damit den Aufnahmepegel auf manuell oder automatisch stellen. Bei der automatischen Regelung wird mein Orgelstück ziemlich linear gemacht, nach dem Prinzip "Lautes wird leise - Leises wird laut". Bei der manuellen Regelung, muss ich nur aufpassen, dass ich eine optimale Eingangsverstärkung erziele, damit bei lauten Passegne der Verstärker (und am Schluss der Lautsprecher) nicht übersteuert wird und verzerrt. Die manuelle Aussteuerung hat zum Motto: "Leises bleibt leise - Lautes bleibt laut".

Smart- und Iphones dagegen erlauben - bis auf wenige Ausnahmen - nur die automatische Aussteuerung. Eigentlich erstaunlich. Ich erlaube mir ein Zitat aus www.medienzukunft.info:
"Eine Herausforderung ist guter Ton bei Videodrehs mit dem Smartphone deswegen, weil Audio-Monitoring von den App-Programmierern stiefmütterlich behandelt wird. Das heißt: bei vielen Videoaufnahme-Apps sehe ich zwar das Bild, das aufgenommen wird in der eingestellten Schärfe, Blende und mit dem gewählten Weißabgleich im Display, der aufgenommene Ton lässt sich aber nicht auf seine Qualität überprüfen. Dieses Manko haben auch die Kamera-Apps, die bei iPhones und Android-Geräten vorinstalliert sind"
Zwei Bilder sagen mehr als tausend Worte. Sie können deshalb den Unterschied zwischen manueller und automatischer Aussteuerung auch graphisch bewundern. Dazu habe ich zwei Aufnahmen von Pachelbels "Ciacona in f-moll". In der Stadtkirche Thun war die manuelle Aussteuerung am Werk, in der Kirche Wimmis die automatische.

Sie können auf eine Grafik klicken und hören dann die betreffende Aufnahme.
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Der Orgelbauer Arp Schnitger
September 2021
Arp Schnitger war einer der berühmtesten Orgelbauer seiner Zeit und der Vollender der norddeutschen Barockorgel. Sein Wirkungskreis erstreckte sich über Nordeuropa, wo er über 100 Orgelneubauten schuf und stilbildend war. Neben der Hauptwerkstatt in Hamburg arbeiteten Gesellen und Mitarbeiter in Filialen zwischen Groningen und Berlin, um von dort aus neue Orgeln zu errichten oder ältere Werke zu unterhalten oder umzubauen.

Schnitger konzipierte seine Werke mit rauschenden Mixturen und starken Bässen, zum einen für die Begleitung des Gemeindegesangs. Zum anderen dienten sie der Darstellung der norddeutschen Orgelschule, die sich in den von der Kaufmannschaft organisierten Abendmusiken der Hansestädte entfalten konnte.

Eine hübsche Anekdote hat sich überliefert:
Arp Schnitger und seine Gesellen bauten 1697/1698 in der St. Laurentius-Kirche ein Dedesdorf eine neue Orgel: Der Vertrag zwischen der Kirchengemeinde und Schnitger wurde von beiden Seiten am 15. August 1697 unterzeichnet. Als Kosten wurden 320 Taler vereinbart, von denen der Meister 120 Taler als Anzahlung erhielt. Die Gemeinde übernahm die Kosten für die Abholung des Instruments und die Unterkunft und Verpflegung von Schnitger und seinen Gesellen, die über den Sommer im Pastorat wohnten.

Als das Konsistorium den hohen Bier- und Branntweinverbrauch rügte, entgegnete Pastor Petrus Dreas: "Der Orgelmacher ist ein reputierlicher Mann, imgleichen waren die Gesellen feine, hübsche Leute, welche man kein schlecht Fusel Bier präsentieren durfte."
Arp Schnitger hat über 100 Orgeln gebaut. 30 seiner Werke sind noch heute in einem Zustand erhalten, der die Bezeichnung "Arp-Schnitger-Orgel" rechtfertigt. Handwerklich waren seine Orgeln auf höchstem Niveau. Bei Neu- und Umbauten übernahm Schnitger gerne excellent klingende Register aus den Vorgängerorgeln. Seine Orgeln zeichnen sich aus durch einen klaren Werkaufbau (Hauptwerk, Rückpositiv, Brust- oder Oberwerk), einen lückenlosen Principalchor, kräftig klingende Zungenregister und eher eng mensu-rierte Flöten mit hellem und elegantem Klang.

Eines der bekanntesten Instrumente von Arp Schnitger ist die viermanualige Orgel in der Hauptkirche Sanct Jacobi in Hamburg. Sie hat 60 Register, darunter 15 Zungenregister und knapp 4000 klingende Pfeifen. Schnitger übernham aus der Vorgängerorgel 27 Register, die übrigen Register baute er selbst. Der Prospekt dieser Orgel ist das grösste existierende Beispiel des "Hamburger Prospekts", der von der Orgelbaufamilie Scherer um 1600 in Hamburg eingeführt worden war.

*   *   *   *   *
Besondere Erwähnung verdient die 3-manualige Orgel in der Ludgerikirche in Norden. Gemäss Vertrag hätte Arp Schnitger eine 2-manualige Orgel mit 29 Registern - verteilt auf Hauptwerk ("Werck"), Rückpositiv und Pedal - erstellen sollen. Schnitger jedoch war Zeit seines Lebens ein freigebiger und uneigennütziger Orgelbaumeister und verfertigte in Norden über den Vertrag hinaus ein 3. Manual ("Brustpositiv") mit 6 Registern. Später fügte Schnitger noch ein "Oberpositiv" mit 8 Registern hinzu; dieses ist ebenfalls vom 3. Manual aus spielbar.

Nach mehreren Reparaturen und Anpassungen an den Zeitgeschmack wurde die Orgel 1981 bis 1985 durch den Orgelbauer Jürgen Ahrend restauriert und die alte Klangpracht wieder vollumfänglich hergestellt. Ahrend rekonstruierte 25 Register, die Klaviaturen, drei Keilbälge, Windkanäle, Sperrventile, Tremulanten und Teile der Mechanik. Insbesondere seine Rekonstruktion der Prinzipale und Zungenregister gilt als meisterhaft.

Die heutige Stimmung der Norder Orgel ist eine erweitert mitteltönige Temperatur, die der frühere Organist und Kantor an St. Ludgeri, Reinhard Ruge für diese Restaurierung entwickelte. Sie erzielt ohne Wolfsquinte eine große Reinheit des Orgelklangs in den Tonarten mit wenigen Vorzeichen, lässt aber auch das Spiel von mehr Tonarten zu, als es in einer strikten mitteltönigen Temperatur für akzeptabel angesehen wird. Hier erfahren Sie Interessantes über den Bau dieser Orgel.

Disposition:
Hören und sehen Sie, wie der ungarische Organist Balint Karosi diese Orgel mit immenser Musikalität und grosser Begeisterung vorstellt. Die Registrierungen werden dabei jeweils am rechten Videorand angegeben. Bei ca. 7:03 hören Sie vom Oberpositiv die Vox humana 8', kombiniert mit der Hollfloit 8' und Tremolo. Der Klang erinnert wirklich an einen Chor, finden Sie nicht auch?
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Gottesdienst vs. Konzert
September 2021
Am Bettag hatte ich in der Kirche Wimmis zwei Anlässe musikalisch zu bedienen.

Am Vormittag war der gut besuchte Gottesdienst mit Taufe und Abendmahl. Da konnten maximal 50 Personen ohne Covid-Zertifikat den Anlass besuchen. Am Nachmittag war das zufriedenstellend besuchte Orgelkonzert, nur für Leute mit Covid-Zertifikat.

Am Sonntag Vormittag durfte ich also den Gottesdienst ohne Zertifikat besuchen. Aber für das Nachmittagskonzert hatte ich tags zuvor als erst Halbgeimpfter einen Antigen-Schnelltest über mich ergehen lassen, um so ein temporäres Zertifikat mitsamt dem heiligen QR Code zu erhalten.

Also war ich - der Orgelrentner - quasi in Personalunion ein Nichtzertifizierter und später ein Zertifizierter. Diese ziemlich groteske Situation erklärt sich aus den Bestimmungen des Bundesrates von vor zwei Wochen, wonach Gottesdienste bis maximal 50 Personen ohne Zertifikat abgehalten werden dürfen, alle weiteren Kirchenevents inklusive Konzerte aber mit Zertifikatspflicht angeboten werden müssen.

Da könnte man und könnte ich jetzt natürlich darüber ratiburgern, ob denn ein Konzert mit teilweise choral-gebundener - also geistlicher - Musik nicht auch als akustischer Gottesdienst ohne Zertifikatspflicht durchgehen könnte, oder ob ein Musik-Wort-Gottesdienst wirklich als normaler Gottesdienst oder doch eher als ein mit Worten angereichertes Konzert mit Zertifikatspflicht angesehen werden müsste.

Ja, man könnte und würde und täte... Aber es bringt nichts. Denn die Weisung des Bundesrates ist in ihrer Widersprüchlichkeit klar. Und für micht auch verständlich, weshalb ich überhaupt nicht darüber meckere (auch wenn ich's gerne täte...). Aber es schien mir angebracht, diese recht merkwürdige Situation vom Bettag dem tit. Publikum - also Ihnen, verehrte Leserin und verehrter Leser - einmal mit kräftigen Worten näherzubringen.
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Browser und ihre Audioplayer
September 2021
Der Browser ist ein Programm, welches Internetseiten auf Ihrem PC-Bildschirm (oder Smartphone, oder Tablet...) darstellt. Broswer gibt es jede Menge. Früher war der Internet Explorer kurz IE gang und gäbe; aber den hat Microsoft vor Jahren beerdigt. Noch früher gab es den Netscpe Navigator; aber auch der ist mittlerweile im IT-Himmel (oder in der IT-Hölle...)

Wenn Sie im Internet umherzappen wollen, müssen Sie mindestens einen Browser auf Ihrem PC installiert haben. Noch besser ist es, wenn Sie zwei oder noch mehr Browser haben. Die Hundert Quadrilliarden oder so Websites, die es mittlwerweile gibt, werden nämlich nicht von allen Browsern gleich (gut) dargestellt. Und da ist man froh, wenn man eine "störrische" Website auf einem anderen Browser angucken kann.

Ich teste meine Homepage vor allem mit folgenden Browsern: Mozilla Firefox - Google Chrome - Microsoft Edge.

Jeder Browser zeigt dabei Audiodateien dummerweise unterschiedlich an. Am besten finde ich die Darstellung beim Firefox. Da hat man eine übersichtliche Zeitleiste von einstellbarer Länge. Dümmer sieht's beim Chrome und Edge aus: Der Videoplayer präsentiert sich dort als eine Art weisse Kackwurst mit einer extrem kurzen und unbrauchbaren Zeitleiste. Vergleichen Sie selbst:
Firefox:
Google Chrome - Microsoft Edge:
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Neue Kochrezepte
Juni 2021
Vor etwa 20 Jahren kaufte ich mir in Volterra das Buch Toskanische Küche von Elisabetta Piazzesi. Dieses Buch gab mir schon manch wertvolles Rezept und viele nützliche Tipps "per la cucina vera della Toscana". Die Küchenphilosophie von Signora Piazzesi ist eigentlich ganz einfach:

Nehmen Sie nur frische Produkte aus der Gegend - Würzen Sie sparsam - Verwenden Sie bestes Olivenöl - Nehmen Sie sich Zeit!

Später erhielt ich als Geburtstagsgeschenk ein weiteres Kochbuch: Original Toskanische Küche von Emanuela Stramana. Dann verglich ich natürlich Rezepte für das gleiche Gericht und stellte befriedigt fest, dass sich die Rezepte ziemlich glichen. Für mich der Beweis, dass die beiden Bücher wirklich authentisch waren und die echte toskanische Küche beschrieben.

Sie finden auf der Kochseite vier neue Rezepte:
Arista alla fiorentina: Ein herrlicher Braten vom Schweinskotelett, gewürzt mit Knoblauch und Rosmarin.

Hühnerbouillon mit Einlage: Hühnersuppe mit Omelettenstreifchen.

Zuccotto non Zuccotto: Ein ziemlich aufwendiges Dessert. Das Bild sehen Sie oben. Zuerst muss man ein Bisquit backen, dieses dann mit Vinsanto beträufeln und schliesslich damit eine Bombe oder eine runde Schüssel auskleiden. Ich habe das Rezept etwas vereinfacht. Dann sieht es halt nicht so schön aus wie im Bild, deshalb der Zusatz "non Zuccotto".

Spaghetti bolognese: Eigentlich müsste man die Sauce "al ragù" nennen und mit Nudeln statt Spaghetti kombinieren. Denn die breiten Nudeln nehmen viel mehr Sauce an und auf als die dünnen Spaghetti. Gleichwohl: Mir schmeckt es auch mit Spaghetti
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Musik an vier Konfirmationen
Mai 2021
Die Konfirmationsklasse in einer Berner Oberländer Gemeinde wurde wegen den Coronabestimmungen quasi "gevierteilt", so dass sich die 16 Girls und Boys in 4 gleichartigen Gottesdiensten feiern und konfirmieren lassen konnten. So wurde erreicht, dass jeweils nicht mehr als 50 Personen in der Kirche waren.

Ich hätte natürlich viermal das gleiche Programm spielen können. bestehend aus: Eingangsspiel, kurzes Zwischenspiel bei der Rosenverteilung an die Mütter, längeres Zwischenspiel nach der Predigt, Ausgangsspiel sowie 3 Lieder. Aber irgendwie fand ich das ein bisschen langweilig, und so entschloss ich mich, in der Pop-, Jazz- und Jodelkiste zu wühlen und spielte dann folgende Stücke:

Erste Konfirmation:A Whiter Shade of Pale(Procul Harum)
Am Thunersee(Jodellied von Adolf Stähli)
Kiss From A Rose(Seal)
The Final Countdown(Europe)

Zweite Konfirmation:Heaven(Gotthard)
Säg mer, wenn dass d Rose blüje(Jodellied von Adolf Stähli)
Imagine(John Lennon)
Take the "A" Train(Billy Strayhorn)

Dritte Konfirmation:Penny Lane(The Beatles)
E gschänkte Tag(Jodellied von Adolf Stähli)
Bright Eyes(Mike Batt)
Ain't Misbehavin'(Thomas "Fats" Waller)

Vierte Konfirmation:Hey Jude(The Beatles)
Mis Bärnbiet(Jodellied von Jakob Ummel)
Hie bini deheim(George)
Viva la Vida(Coldplay)

So kam jedefrau und jedermann auf seine Kosten. Natürlich mit Ausnahme der Leute, welche gerne klassische Musik gehört hätten. Sarah, der Pfarrerin, gefiel "Hie bini deheim" dermassen, dass sie mir vor versammelter Gemeinde sogar für dieses Zwischenspiel dankte!

...und nach der letzten Konfirmation delektierten der Kirchgemeinderatspräsident (der bei allen vier Konfirmationen den Laptop und den Beamer bedient hatte) und ich uns an einem Bierchen.
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Welche Musik gehört in die Kirche?
April 2021
Im Laufe der vergangenen Jahre hat sich die Antwort auf diese Frage total verändert
Klaras Abdankungsfeier
Klara liebte Volksmusik. Aber auch Wiener Walzer. Das Herz der Tochter hingegen schlägt eher für den Jazz. Nun ist Klara verstorben und die Hinterbliebenen machen sich zusammen mit der Pfarrperson daran, die Abdankungsfeier vorzubereiten. Ob sie überhaupt in der Kirche stattfinden soll? Oder eher an einem ihrer Lieblingsplätze im Wald? Doch, Kirche ist gut. Schliesslich hat Klara ein Leben lang Kirchensteuer bezahlt. Da ist eine kirchliche Abschiedsfeier angebracht, ist ja auch kostenlos, inkl. Pfarrperson und Organistin.
Die Musik? Das Lied vom Guggisberger Jodlerchörli, das Klara so gern hörte, der Walzer, der immer am Schluss des Neujahrskonzertes gespielt wird, und zu Beginn ein Jazzstück von der Lieblingsband der Tochter. Das Programm wird der Organistin mitgeteilt, der Anlass findet in ein paar Tagen statt.
So oder ähnlich kann sich heute die musikalische Vorbereitung eines kirchlichen Anlasses gestalten. Wie sehr sich dabei die Rolle der Orgel und die Erwartungen an Orgelmusik gewandelt haben, möchte ich mit dieser Kolumne aufzeigen.
Jazz in der Kirche? Undenkbar!
Bis in die 1980er Jahre hinein war völlig klar, dass in der Kirche ausschliesslich Musik zu ertönen hat, die sich schickt für Gottes Haus. Ein Schlagzeug an einer Konfirmation? Undenkbar! Ein Jodellied auf der Orgel? Ein unvorstellbarer Frevel!
Ein brillanter Musiker, der sich wagte, ein bisschen an diesen Tabus zu rütteln, war Hannes Meyer. Der Bündner Organist war einer der ersten, der die Grenzen des bisher Erlaubten sprengte, indem er Volksmusik oder Orchesterstücke für Orgel bearbeitete und spielte. Viele Menschen liebten ihn dafür.
Aber wie sehr er sich damit über bisherige Konventionen hinwegsetzte, zeigt die Tatsache, dass er in den 1980er Jahren im Berner Münster Hausverbot erhielt, weil er von F. Mendelssohn "Ein Sommernachtstraum" gespielt hat.
Entsprechend waren auch die Ausbildungsgänge für KirchenmusikerInnen gestaltet. Jede Menge Frescobaldi, Bach, Mendelssohn, Reger und Messiaen. Wie man jedoch ein Chanson, ein Männerchorlied oder eine Jazzballade auf die Orgel bringen kann, hatte in den Ausbildungen bis vor wenigen Jahren keinen Platz.
Und jetzt?
Persönlich bin ich sehr froh und dankbar, dass sich die Grenzen des Erlaubten geweitet haben. Ich liebe die Musik von Bach über alles, aber ich ergänze sie gerne mit Stücken aus anderen Stilen. Ich finde es wichtig, dass die Kirche ihr allgemeines Angebot, aber auch die musikalische Palette, erweitert hat, und so näher bei den Bedürfnissen und Anliegen der Menschen ist.
Es hat mir grosse Freude bereitet, als ich in Absprache mit der Pfarrperson an der Abschiedsfeier für den ehemaligen Patron einer Schokoladenfabrik Musik aus dem Film "Chocolat" spielen durfte. Und am Valentinstag liess ich mit Wonne Schnulzen und Liebeslieder ertönen.
Die Orgel ist kein Musikwunsch-Automat
Wenn musikalische Wünsche wie die oben genannten an mich herangetragen werden, versuche ich als Erstes, abzuschätzen, ob mein fachliches Können und die zur Verfügung stehende Zeit ausreichen. Daneben gibt es für mich eine weitere Grenze: wenn die Würde des Raumes und des Anlasses verletzt wird, mache ich nicht mit.
"Highway to hell" werde ich nie an einer Hochzeitsfeier spielen, auch wenn ich schon mehrmals mit diesem Wunsch konfrontiert worden bin. Ebenso lehne ich es ab, etwas auf der Orgel zu spielen, wenn das musikalische Resultat nicht überzeugt. Die wunderbare, leicht kratzig-heisere Stimme von Louis Armstrong in "What a wonderful world" kann ich auf der Orgel nicht immitieren.
Gut, dass wir uns heute einer weitaus grösseren Musikvielfalt erfreuen können. Respektieren wir jedoch trotzdem die Grenzen des guten Geschmacks und des Instrumentes.

Doris Zürcher, Organistin
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Kein Eintrag im Organistenalltag
Februar 2021
Es soll mal einen verrückten Pianisten gegeben haben, der ein Konzert ohne Musik veranstaltete. Scheint's - so sagt man - sei er einfach aufs Stühlein gehockt, habe die Hände gefaltet und gewartet, bis die letzte erboste Zuhörerin und der letzte verärgerte Zuhörer (haben Sie gemerkt, dass ich frau vor man gestellt habe?) den Saal verlassen habe.

In diesen verrückten Coronazeiten wäre so ein Konzert angebracht. Aber eben, zum Davonlaufen bräuchte es eine Zuhörerschar, und die darf sich jetzt ja nicht (nicht mehr?) besammeln.

Da das Kirchenleben seit Monaten eher "piano" abläuft, habe ich beim besten Willen nichts im Organistenalltag zu vermelden. Sorry!
2020
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Orgelmusik aufnehmen
Dezember 2020
Von März bis Mai dieses Jahres nahm ich zahlreiche Orgelstücke und Kirchenlieder auf und stellte sie als eine Art musikalischen Gottesdienst auf diese Website. Anfangs November verschlechterte sich die Corona-Situation wieder dermassen, dass ich unter dem Eindruck halb und ganz leerer Kirchen meinen getreuen Tascam-Recoder wieder hervorholte und für jeden Sonntag ein passendes Musikprogramm inklusive Kirchenlieder aufnahm und immer noch aufnehme (und wie lange noch?) aufnehmen werde. Dazu kommen gelegentlich Konzertprogramme wie das Jodlerkonzert oder das Adventskonzert.

Als pensionierter Organist habe ich die feine Möglichkeit, in mehreren Kirchen aufnehmen zu dürfen: Erlenbach im Simmental, Lauterbrunnen, Dorfkirche Steffisburg, Stadtkirche Thun, Wimmis.

Das Procedere ist immer dasselbe: Zuerst wähle ich passende Orglstücke und Kirchenlieder aus und stelle das Notenmaterial bereit. Dann gehe ich - oft mehrere Male - in die Kirche und übe. Dann gehe ich zum letzten Mal in die Kirche und nehme die geübten Stücke auf. Dann gehe ich nach Hause, bearbeite die Aufnahmen, passe meine Website an und lade schliesslich alles hoch. Dann trinke ich ein Bier oder zwei...

Also ist alles ähnlich wie bei einem "richtigen" Live-Gottesdienst in der Kirche? Leider nicht, denn die ganze Aufnehemerei ist stressig bis-a-Bach-abe. Wenn ich live spiele - sei es im Gottesdienst oder am Konzert - dann passieren mir immer wieder Fehler: falsche Töne, rhythmische Ungenauigkeiten, ungenaues Tempo-Timing, falsche Manualwechsel und weiss-der-Gugger-noch-was-alles. Das ist zwar unschön und lästig, aber trotzdem nicht so schlimm, denn der Fehler passiert mir ja nur einmal, und kaum passiert, ist er schon wieder vorbei und vergessen.

Wenn ich aber aufnehme, dann - O Gott und Ya Allah - wird jeder Fehler verewigt und kann immer wieder angehört und belächelt oder bemitleidet werden. Und so kommt es vor, dass ich ein Stück schon beim ersten Mal richtig hinkriege, bei einem anderen Stück brauche ich schon einige Anläufe und bei besonders verflixten Stücken muss ich manchmal zehn-, zwanzig- oder dreissigmal von vorne beginnen, bis das Stück endlich "im Kasten" ist. Dass das musikalische Gespür bei der ewigen Wiederholerei langsam abgeschliffen wird, versteht sich von selbst.

Ich schätze, dass der Zeitaufwand für einen "Online-Gottesdienst" etwa drei bis sechs Mal so hoch ist wie für einen "normalen" Gottesdienst. Aber ich sage mir immer wieder, dass mir die verschiedenen Kirchgemeinden meine Honorare ja auch bei ausgefallenen Gottesdiensten ausrichten - was übrigens sehr anständig von ihnen ist - und dafür kann ich doch etwas tun, nicht wahr?

Nicht verschweigen möchte, dass das ganze Aufnahmedingsbums eine ziemlich einsame und oft auch frustrierende Sache ist. Da gibt es vorgängig keinen Austausch mit der Pfarrerin/dem Pfarrer. Den Sigristen oder die Sigristin hört man selten mal am Telefon. Da sind keine Kirchgänger, die beim Spielen der Kirchenlieder mitsingen. Da ist kein Applaus nach dem Konzert. Keine Rückmeldung, kein Kommentar, kein Bravo, keine Kritik, kein Merci, einfach gar nichts, höchstens selten mal ein Email. Aber das ist jetzt halt so.  -  Immerhin sagt mir mein Counter (das ist der Besucherzähler), dass die Homepage fleissig besucht wird und damit ihren Zweck erfüllt.

Beim Bearbeiten der Aufnahmen zuhause brauche ich immer den altbewährten AVS Audio Editor. Der zeigt mir dann immer die Wellenform des bearbeiteten Stückes an. Hier ein Wellenform-Beispiel für das Noël aslascien von Alexandre Guilmant. Sie können sich das Stück anhören und dabei die Wellenform verfolgen.
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Bilder von Renata Wälti
Dezember 2020
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Erichs Desinfektionsmaschine
November 2020
Erich Oetterli, der einfallsreiche und immer hilfsbereite Sigrist in der Kirche Wimmis, hat eine praktische Maschine gebaut. Mit einem leichten Fussdruck auf das Pedal wird die Plasticflasche dazu gebracht, ein wenig Desinfektionsmittel auf die Hand zu sprühen.

Eine praktische und hilfreiche Erfindung, sozusagen "touchless" - und erst noch schön anzuschauen.

Bravo Erich!
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Neue Kochrezepte
August 2020
Seit längerem habe ich keine neuen Rezepte auf diese Website geladen. Gekocht habe ich trotzdem; und so sammelten sich eine Vielzahl von Rezepten an, die Sie lesen und nachkochen können. Einige besonders gute Schlemmereien sind... E Guete!
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Organist Roland Finsterwalder auf YouTube
Mai 2020
Roland Finsterwalder, Logopäde am Spital Thun und begnadeter Organist in Steffisburg, hat mehrere Orgelwerke auf seiner Mixtuur-Orgel aufgenommen.

Für die "elektronischen" Mixtuur-Orgeln werden viele Einzeltöne einer "richtigen" Pfeifenorgel aufgenommen und digitalisiert, also gesampelt. Es ist so möglich, mehrere verschiedene Orgelregister oder sogar eine ganze Orgel zu sampeln und auf der Mixtuur-Orgel nachzubilden und zu spielen.
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"Vom Winde verweht"   oder   "Der Geist weht, wo er will"
März 2020
Da war ich doch vor einigen Tagen in der Stadtkirche Thun, weil ich ja während der Corona-Virus-Krise für jeden Sonntag ein musikalisches Gottesdienstprogramm aufnehmen möchte. Und ich genoss es, meine alte Bekannte (gemeint ist die Orgel) wieder einmal zu traktieren und ihren vielen Klangfarben zu lauschen.

Da sass ich also auf dem Orgelbänkli und nahm ein Jodellied auf. "E gschänkte Tag" von Adolf Stähli. Und während dem Jodel meinte ich, so ein merkwürdies Geräusch zu hören. Bald meinte ich es nicht mehr, sondern es war tatsächlich ein Geräusch, genauer gesagt, ein Rauschen.

Und dieses Rauschen wurde allmählich immer stärker und stärker und stärker und stärker und stärker und stärker und stärker und stärker und stärker und stärker und ...

Ich erschrak ziemlich und meinte schon, bei der Orgel hätte sich irgend ein Leck in einem Windkanal oder einer Windlade gebildet. Aber das Rauschen kam nicht von der Orgel. Dann dachte ich "Aha, ein Wolkenbruch" und ging hinaus. Aber draussen war es ruhig und trocken.

Dann betrat ich wieder die Kirche und schaute himmelwärts. Und da sah ich den riesenlangen Schlitz, der vor Jahren bei der Kirchenrenovation in die Decke eingefräst worden war, und aus welchem Warmluft mit orkanartigem Getöse in den Kirchenraum geblasen wurde. Hören Sie doch mal zu:
Das wurde dann etwas lästig, weil ich nur wenige Minuten aufnehmen konnte, dann rauschte es, dann nahm ich wieder ein bisschen auf, dann rauschte es wieder usw. Nun, das Rauschen lässt sich ausschalten, und ich werde den Sigristen beim nächsten Mal bitten, genau dies zu tun.
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Peinliches im Altersheim
Februar 2020
Unlängst spielte ich an einem Nachmittags-Gottesdienst im Altersheim. Der Ablauf war mir vorher von der Pfarrerin gemailt worden; und es war eigentlich alles klar. Doch dann passierte mir etwas peinlich Unangenehmes, für das ich mich noch heute (leicht) schäme.

Es kam das erste Lied "Die güldene Sonne", und ich begann mit der Intonation. Und jetzt passierte das Unaussprechliche: Nach den zwei ersten Tönen ging ich fäschlicherweise einen Ton runter und befand mich sogleich im Lied "In dir ist Freude". Das merkte ich aber noch nicht. Erst bei der zweiten Strophe stellte ich fest, dass gar nicht gesungen wurde, bekam einen roten Kopf, entschuldigte mich, und begann noch einmal von vorne, diesmal mit dem richtigen Lied.

Da sieht man wieder einmal, wie man aufpassen muss oder sollte. Es ist aber auch verflixt und verhext: Beide Lieder sind in derselben Tonart, in derselben Taktart und beginnen mit einem Auftakt von jeweils gleicher Länge.
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Das Unaussprechliche Wort  oder  Idee für eine neue Kunstsprache
Januar 2020
Kürzlich fuhr ich im Bus nach Hause. Eine Gruppe 12-13jähriger Schüler unterhielt sich im hinteren Teil des Gefährts überaus lebhaft. Dabei fiel auch immer wieder und immer häufiger und altersgerecht das Wort "Huere", so dass ich mich nach einigen Minuten umdrehte, um mir diese Sprach-Koryphäen anzuschauen. Hinter mir sass eine Frau, ungefähr 50 Jahre alt, und fragte mich: "Denken Sie dasselbe wie ich?" Ich antwortete: "Vermutlich schon; ungefähr alle 7 Sekunden", und so waren wir uns, ebenfalls altersgerecht, einig.

Ca. 2003, als meine beiden Töchter etwa in die 2. und 3. Klasse gingen, holte ich sie einmal an einem Freitag Mittag von der Schule ab und fuhr mit ihnen zu mir nach Hause. Dabei belauschten wir eine kleiner Gruppe etwa 12-jähriger Mädchen, von denen eines sich des Wortes "Huere" genüsslich bediente. Wir zählten die Anzahl der Huere-Wörter bis zum Bahnhof Thun und kamen auf rund 15 "Hueres". Die Fahrt dauerte rund 7 Minuten; folglich hatte das Huere Mädchen dieses Wort im Abstand von rund 28 Sekunden ausgesprochen.

Heute sind die Kids da schon erheblich weiter, denn der Gebrauch des besagten Wortes hat sich von alle 28 Sekunden auf alle 7 Sekunden beschleunigt. Die Kids brauchen dieses Wort heute also viermal häufiger als vor 17 Jahren. Das ist doch beachtlich, nicht wahr? Wobei ich den Kids keinen Vorwurf mache oder machen kann, denn sie sind ja das Produkt von Erbanlage, Erziehung zu Hause und gruppendynamischen Einflüssen in der Schule und in der Freizeit.

*   *   *   *   *   *   *

Ich war schon immer und bin noch immer interessiert an Sprachen aller Art. Und so kam mir später in den Sinne, dass man aus dem Wort "Huere" eine Kunstsprache bilden könnte. Mit etwas gutem Willen könnte man "Huere" als 3-silbiges Wort betrachten:
Hu - e - re
Wenn man - analog zur chinesischen Sprache - die Silben in 7 verschiedenen Tönen und die Vokale entweder kurz oder lang aussprechen täte, würde man pro Silbe 14 Varianten erhalten, wie figura am Beispiel der 2. Silbe "e" zeigt:
Kurze Vokale
ē
e
e_
é
è
ě
ê

Hoher Ton
Neutraler (mittelhocher) Ton
Tiefer Ton
Ton ansteigend
Ton absteigend
Ton ab- dann ansteigend
Ton auf- dann absteigend
Lange Vokale
Ē
E
E_
É
È
Ě
Ê

Hoher Ton
Neutraler (mittelhocher) Ton
Tiefer Ton
Ton ansteigend
Ton absteigend
Ton ab- dann ansteigend
Ton auf- dann absteigend
*   *   *   *   *   *   *

Wenn man nun die 14 Varianten hoch 3 rechnet (also 14 x 14 x 14, da "Huere" ja 3 Silben hat), käme man auf einen Wortschatz von sagenhaften 2744 Wörtern. Damit könnten schlichtere Gemüter sehr tiefsinnige Gespräche führen und sich zum Beispiel mit folgenden Wörtern austauschen:
hùēre
huerě
hUe_re
hûérE_
húèrē - huere


Ich
liebe
meine
neue
Muttersprache
Zu einem Satz zusammengefügt:
hùēre     huerě     hUe_re     hûérE_     húèrē - huere
Ich            liebe        meine       neue       Muttersprache
Stellen Sie sich mal vor, wie musikalisch und melodisch diese Sprache doch wäre!
2019
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Wenn hinter Fliegen Fliegen fliegen, fliegen Fliegen Fliegen nach
oder   Die Konzertverlegung
Dezember 2019
Den Zungenbrecher von den Fliegen haben wir in der 5. und 6. Klasse mit Hingabe geübt, und er kam mir kürzlich wieder in den Sinn, als Fliegen mein und Renata Wältis Leben arg piesackten.

Geplant war ein Weihnachtskonzert in der Kirche Erlenbach am 22. Dezember. Da eine Woche später das Altjahrskonzert in der Kirche Wimmis stattfindet, schickte ich an Interessierte folgendes Email:
Weihnachtskonzert und Altjahrskonzert

Liebe Musikfreundinnen und Musikfreunde

Am Weihnachtskonzert spielt Renata Wälti (Flöte) die viersätzige Sonate in E-Dur von Bach. Das darauffolgende "Andante religioso" von Hans Hiller überrascht mit schmelzendem Klang und einprägsamen Melodien und verbreitet weihnächtliche Stimmung. Ein kleines "Pastorale" von Cécile Chaminade leitet über zum anschliessenden Konzert in G-Dur von Willibald Gluck. Ich begleite an der Orgel und spiele solo Werke von Bach, Buxtehude und Guilmant.
Datum:
Beginn:
Ort:
Sonntag, 22. Dezember 2019
17 Uhr
Reformierte Kirche Erlenbach im Simmental
Am Altjahrskonzert spiele ich quirlige Barockmusik, swingenden Jazz, heitere volkstümliche Musik und bedächtige Jodellieder.
Datum:
Beginn:
Ort:
Sonntag, 29. Dezember 2019
17 Uhr
Reformierte Kirche Wimmis
Ich lade Sie herzlich zu diesen Konzerten ein. Für die kommende Festzeit wünsche ich Ihnen frohe Weihnachtstage und alles Gute im neuen Jahr.

Freundliche Grüsse
Markus Aellig, Organist
Es ist halt so: Bevor am Konzert die Musik vorgetragen wird, muss sie geübt und geprobt werden. Die Flötistin Renata Wälti übte bei sich zuhause, ich als Organist übte in der Kirche Erlenbach und trichterte mir die vielen Registerwechsel ein. Dann probten wir 10 Tage vor dem Konzert einmal in der Kirche, und schon da schwante uns Übles...

...und es wurde wirklich noch übler und übelst. Zwei Tage vor dem Konzert wollten wir wieder proben, aber dann kam alles anders. Wir mussten wegen der immensen Fliegenplage auf der Empore der Kirche Erlenbach in die Kirche in Wimmis flüchten. Renata hatte die Geistesgegenwart, zwei Bilder von der Fliegenplage in Erlenbach (s.u.) zu machen, und ich verschickte am Abend wieder ein Rundmail:
Das Weihnachtskonzert wird in die Kirche Wimmis verlegt!!!

Liebe Musikfreundinnen und Musikfreunde

Vor einigen Tagen sandte ich Ihnen ein Email mit dem Hinweis auf das Weihnachtskonzert am 22. Dezember mit Renata Wälti (Flöte) in der Kirche Erlenbach und auf das Altjahrskonzert am 29. Dezember in der Kirche Wimmis.

Mehrere Male war ich in den letzten Tagen in der Kirche Erlenbach, um mich auf das Weihnachtskonzert vorzubereiten. Das wurde zunehmend schwieriger, da die Kirche von einer regelrechten FLIEGEN-INVASION heimgesucht wird. Dauernd schwirrten Fliegen um die Lampe beim Notenbrett herum, krabbelten über die Noten oder surrten mir rund um das edle Haupt. Dauernd musste ich das Üben unterbrechen, um die Viecher ins Jenseits zu befördern.

Heute, am Freitag den 20. Dezember, war ich wieder in der Kirche und wurde von den verdammten Fliegen regelrecht geplagt. In meiner Not griff ich zum Kirchen-Staubsauger und befreite die Empore von (geschätzten) zwei- bis viertausend Fliegen. Danach dachte ich: "Jetzt gibt es endlich Ruhe".

Falsch gedacht! Heute um 16 Uhr haben Renata und ich eine Probe abgemacht. Renata war vor mir dort, und ich trudle einige Minuten später in die Kirche, gehe auf die Empore, und was sehe ich: Wieder Hunderte von Fliegen, die halb- oder vierteltot herumkrabbeln.

Die beiliegenden Bilder sprechen für sich.

Deshalb findet das Weihnachtskonzert in der Kirche Wimmis statt. Ich werde einen kleinen Taxidienst organisieren, um allfällige Konzertbesucher nach Wimmis zu verfrachten. Aus diesem Grund beginnt das Weihnachtskonzert etwas später, zirka um 17.15 Uhr. Also...

Das Weihnachtskonzert am 22. Dezember findet nicht in der Kirche Erlenbach statt, sondern in der Kirche Wimmis. Es beginnt ca. 17.15 Uhr

Ich danke der Kirchgemeinde Wimmis und dem Kirchgemeinderats-Präsidenten Martin Graf herzlich, das Konzert so kurfristig verlegen zu können!

Bitte entschuldigen diese Verschiebung und besuchen Sie trotzdem das Konzert. Sie werden es nicht bereuen!!!

Freundliche Grüsse
Markus Aellig, Organist
Das wurde ein lebhaftes Wochenende, das kann ich Ihnen sagen, denn ich musste in kürzester Zeit alle Stücke (Begleitungen und solo) auf der gänzlich andersartigen Wimmiser Orgel einrichten und eintrichtern.

*     *     *     *     *     *     *

Das Konzert in Wimmis war dann trotzdem sehr schön und erstaunlich gut besucht. Renata und ich haben jedenfalls beschlossen, nächsten Dezember vielleicht wieder wieder ein Weihnachtskonzert zu geben, in der Kirche Erlenbach, so diese denn fliegenfrei sein wird...
Man könnte die Fliegengeschichte natürlich auch etwas gelassener und mit zwei Prisen Humor betrachten. Denn Kirchenfliegen spüren ja im Dezember vielleicht auch, dass "etwas" bevorsteht und dass die Zeit sehr feierlich ist. Nach einem Einfall von Verena habe ich folgenden Spruch komponiert:
Fromme Fliegen feiern fröhliche Feste
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Kleines Tagebuch
Dezember 2019
In den letzten Wochen ist so allerhand passiert. Nichts Weltbewegendes. Aber trotzdem hat sich Erfreuliches, Lustiges, Überraschendes, Interessantes und manchmal auch Unangenehmes zu einer ganz unterhaltsamen mehrchörigen Mixtur zusammengefunden. Und ich plaudere jetzt halt ein wenig aus dem - wie man früher sagte - Nähkästchen.
Zweite Oktoberhälfte und Anfang November
Martina und ich haben ein grosses Fest geplant. Schliesslich kennen wir uns jetzt schon drei Jahre. Ursprünglich hätten wir heiraten wollen, aber wegen der in der Schweiz (Muh, muh...) üblichen Heiratsstrafe lassen wir das Heiraten sein. Aber zumindest ein rauschendes Hochzeitsfest mit Angehörigen und Freunden wollen wir feiern. Martina wird sich dabei um die Einladungen, die Dekorationen und das Tischdecken kümmern; dafür ist sie als ausgesprochene Aesthetin und strukturiert arbeitendes Organisationstalent ohnehin prädestiniert. Und ich werde - als "Oberkötzi" - die Kocherei übernehmen.

Wir haben ein chinesisches Büffet geplant: Zum Apéro wird es warme Häppchen geben, dann zum Essen die unvermeidliche Wonton-Suppe, gefolgt von allerlei veganen und fleischlichen Delikatessen. Für das Dessertbüffet haben wir unsere Gäste um Beiträge gebeten. Und so stehe ich dann tagelang in der Küche und bereite allerlei Gefülltes und Frittiertes vor, das dann am Schluss in der Tiefkühltruhe landet und am Tage unseres rauschenden Festes hervorgenommen, aufgetaut und im Backofen erhitzt werden wird.

Ca. 80 Frühlingsrollen, 80 Teigtaschen und 70 Tofuwürfel wollen vorbereitet und vorfrittiert bzw. vorgebraten werden. Dazu kommen die unvermeidlichen kleinen Wonton-Täschchen - ca. 120 Stück - mit Schweinefleisch- und Crevettenfüllung, die vorgekocht werden müssen. Und das alles in dem Raum, der sich (in unserer sonst geräumigen, hellen und mit einer erlesenen Aussicht gesegneten Wohnung) "Küche" schimpft. Ich würde diesen Raum eher "Kochnische" nennen. Die Ablagefläche ist marginal, der Raum so klein, dass man sich immer irgendeinen Ellbogen, ein Knie, die Nase oder gar den ganzen Grind anschlägt. Dazu kommt vom Kochen und Braten eine Hitze und ein Dampf dazu, was jede Sauna überflüssig macht.

Doch immerhin, die Kühltruhe füllt sich langsam und stetig. Und an einem heiteren und ziemlichen warmen Samstag anfangs November steigt dann das Fest, und es ist ein wunderschönes, rauschendes Fest mit lauter gutgelaunten und festlich gekleideten Gästen in der von Martina mit Liebe, Fantasie und Raffinesse geschmückten Pfrund-scheune in Wimmis.

...erwähnen möchte ich noch, dass am Schluss ziemlich wenig Resten übrigblieben.
Sonntag, 3. November
Irgendwie habe ich es in letzter Zeit mit den Jodlerklubs. Einen Tag nach dem rauschenden Fest singt am Vormittag der Jodlerklub Erlenbach im Gottesdienst, und am frühen Nachmittag findet in der plattschvollen Johanneskirche in Thun das Konzert mit dem Jodler-Doppelquartett Bärgfründe und dem Jodlerklub Maiglöggli aus Jegenstorf statt, wo ich einige Ländlerstücke auf der Orgel spiele.

...und dann sinke ich entkräftet ins Bett und leiste mir einen zweistündigen Mittagsschlaf. Anschliessend geht es wieder in die Pfrundscheune in Wimmis, wo Aufräum- und Reinigungsarbeiten warten.
Erste Novemberhälfte
"Steffisburg singt" hat sich dieses Jahr mit dem Jodlerklubb Steffisburg zusammengetan. Auf dem Programm steht die St. Johanner Erntedank - Jodlermesse von Peter Roth. Und so findet an einem Wochenende eine intensive Proberei mit dem Projektchor von "Steffisburg singt", dem Jodlerklub und einem kleinen Appenzeller-Orchester (mit zwei Violinen, Viola, Cello, Kontrabass und Hackbrett) unter der Leitung von Patrick Secchiari statt.

Eine Woche später sind dann die zwei Konzerte in der Dorfkirche Steffisburg, wo ich einmal mehr die eigenwillige und teilweise überraschend symphonisch klingende Kuhn-Orgel aus den 1930er-Jahren traktieren darf. Die Orgelbewegung mit ihrem Hang zu neobarocken und obertonreichen Klängen ist hier spurlos vorbeigegangen; die Orgel erfreut denn auch mit zahlreichen 8-Fuss-Registern, fetten Klängen von Trompete und Clairon und einem überaus hübschen Oboen-Register im Schwellwerk.
22. November
In der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche Wimmis findet das Kirchenkonzert mit dem Jägerchörli Niedersimmental statt, wo ich einmal mehr einige Folklorestücke spiele und die Reinheit und perfekte Intonation des Jodlerchors - der teilweise auch als Trio oder Kleinformation singt - bewundern darf.

Nach dem Konzert finden wir uns im Restauarant "Kreuz" in Wimmis ein und geniessen die Gastfreundschaft vom Wirtepaar Manuela und Edwin und vom immer gutgelaunten Kellner Zoltan alias "Zoli".



Wenn Sie mal in Wimmis sind, kann ich Ihnen das "Kreuz" nur empfehlen. Das Essen ist wunderbar, die Athmosphäre und Ambiance gemütlich und heimelig, und die Bedienung sehr freundlich und immer locker-entspannt. Ausserdem ist Edwin mit einer grossen Portion Humor gesegnet und hat allerlei Lustiges in petto.

Zwischendurch...
...übe ich zweimal in der Kirche Jegenstorf, wo im Januar ein Anlass unter dem Titel "Die Orgel im Wilden Westen" stattfinden wird.

Imre Gajdar ist dort Organist und hat mir einige Monate zuvor die Orgel vorgestellt. Dabei wurde mir wieder einmal bewusst, wie wichtig es für Organistinnen und Organisten ist oder wäre, sich eine fremde Orgel zuerst vorspielen zu lassen, und sich im Kirchenraum den Klang und die räumliche Wirkung der Orgel und ihrer Teilwerke anzuhören. Bei Imres "Orgelvorstellung" hörte ich ein kräftig-pompöses Hauptwerk, ein "herziges" und sehr klares Rückpositiv und ein eher im Hintergrund agierendes Schwellwerk mit einigen zarten Klängen. Dazu kam das Pedal mit üppigen 16- und 8-Füssen.

Wie ich jetzt also in der saukalten Kirche am Spieltisch sitze (zumindest grilliert mir eine Heizwand hinter dem Orgelbank den Rücken etwas), ist der Unterschied zwischen den Manualen viel weniger hörbar. Das ist ja oft so: Am Spieltisch tönt eine Orgel häufig "irgendwie" und diffus, während sie für die im Kirchenschiff oder Chor sitzenden Zuhörer erst ihre wahre Klangpracht entfaltet.

Auf jeden Fall bin ich jetzt sehr froh, dass ich im Sommer Imres Spiel zuhören durfte. Und so registriere ich mit Hilfe des Orgelsetzers wacker die zahlreichen Stücke, die ich im Januar spielen werde und schlage mich kaltblütig mit den teilweise krass verstimmten Zungenpfeifen herum.
Thun ist theuer
Meistens ist man ja nicht Organist, sondern einfacher Bürger. Zum Beispiel kocht man. Man kauft vorher ein; manchmal mit dem Auto, wenn's gar viel zu schleppen gibt. Und da ärgert man sich bisweilen über die unersättliche Geldgier der Gemeinde Thun, die seit Jahren mit grosser Freude und calvinistischer Strenge alle öffentlichen Parkplätze auf dem gesamten Gemeindegebiet während 31'536'000 Sekunden ...ääh 525'600 Minuten ...äääh 8'760 Stunden ...ääääh 365 Tagen pro Jahr bewirtschaftet.

Die Stadt erdreistet sich sogar, Parkplätze und Parkhäuser von Supermärkten zu bewirtschaften! Der Einkauf im Coop an der Schulstrasse ist also immer mindestens - gopfridschtutz! - einen Schtutz teurer als in Steffisburg oder Uetendorf.

Überhaupt und Hand aufs Herz: Was heisst schon "bewirtschaften"? Früher war eine "Wirtschaft" eine Beiz, in der man sich wohlfühlen konnte. Wie der Thuner Bewirtschaftungsspleen Woglfühleffekte hervorrufen könnte, hat die Gemeinde Thun bislang nicht kommuniziert.

Hat man eigentlich schon einmal Mannen und Frauen gesehen, die im Gewändli eines Thuner Aussenmitarbeiters am frühen Morgen oder späten Abend eine Einstellhalle von Coop oder Migros reinigen, also auf die positive Art bewirtschaften? I ömu nid!
Dienstg, 19. November
Vom Jodlerklub Edelweiss aus Uetendorf werde ich angefragt, ob ich an ihrem Kirchenkonzert im März 2020 einige Orgel-Ländler spielen würde. Ich sage gerne zu. Meine musikalischen Wurzeln liegen ja in der volkstümlichen Musik; habe ich doch als sechsjähriges Bubi von meinen Eltern ein hübsches diatonisches Handörgeli erhalten und darauf jahrelang nach Gehör und aus dem Stegreif Ländlermusik gespielt.
Der mit dem Scanner spricht...
Die Menschheit schafft sich bis auf eine kleine bestbezahlte Elite selber ab! Roboter und anderer technischer Schnickschnack ersetzen nach und nach die menschliche Unzuverlässigkeit.

Das sieht man sehr schön bei Migros, Coop und anderen Monstern: Wo früher vielleicht 6 Kassen waren, wurde die Hälfte davon entfernt und durch Self-Scanner ersetzt.

Und so erlebt man oft die groteske Situation, dass nur eine Kasse bedient wird, sich hinter der Kasse eine Riesenschlange gebildet hat und die Leute unendlich lange und mit-den-Füssen-scharrend aufs Bezahlen warten müssen. Beim Selfscanner stehen dagegen nur 1-2 Personen.

Ich selber schätze die Bezahlung an der Kasse. Ein kleiner Schwatz mit der netten Kassierin oder dem gutgelaunten Stift ist einfach Gold wert und kann NICHT ersetzt werden. Klar, die Genossenschafts-Bosse (Migros und Coop sind Genossenschaften; wussten Sie das schon?) sehen es überhaupt nicht gerne, wenn ihr Bodenpersonal schwatzt. Besser es schwitzt. Schliesslich hat man diese Leute als Profit Creators angestellt. Aber ich als Kunde finde Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft, Humor und halt immer noch vor allem beim Bodenpersonal, nicht in irgendeiner anonymen Verwaltung.

Nun, in einigen Jahren oder Jahrzehnten werden die Kassen ganz verschwunden sein, und die geschätzte Kundschaft darf sich dannzumal mit den Self-Scanning-Robotern herumschlagen. Wenn ich das noch erleben sollte, müsste ich dann ja aufs Schwatzen verzichten. Was soll ich dann machen? Etwa mit der Maschine lafere? Die würden mich ja in der Klinik einliefern...
Sonntag, 8. Dezember
Der Jodlerklub Steffisburg singt an einem weiteren Konzert in der Dorfkirche, zusammen mit der Musikgesellschaft Steffisburg. Die Jodler möchten Willi Valottis "Dir elei ghört Lob und Ehr" für Jodlerklub und Orgel - das sie schon am Steffisburg-Singt-Konzert vorgetragen haben - noch einmal singen.

Also proben wir das Lied am vorangehenden Dienstag kurz. Und da kommt doch Solojodler Gideon, ein Habkerer, und überreicht mir einen Geschenk-Gutschein für das Restaurant vom Hotel, in welchem er als Abwart arbeitet. So liebenswürdig! Und mich halben Habkerer freut es besonders. Vielen Dank, Gideon!

Bei diesem Konzert muss ich ja fast nichts spielen. Wie Jodler und Orgel mit Valottis Lied fertig sind, packe ich deshalb meine Noten und und die Schuhe ein und warte aufs Konzertende. Doch da spricht Klub-Präsident Daniel zu den Leuten und fragt doch tatsächlich: "Möchtet Ihr dieses Lied noch einmal hören?" Die Leute mögen's, und ich packe alles wieder aus, ziehe die Orgelschuhe an, rase zur Orgel, schalte diese ein und begleite schweissgebadet das Lied noch einmal.
Orgeln im Goms
Die liebenswürdige Marielle hat mir kürzlich eine Weihnachtskarte mit einigen Bildern von ihrer Hochzeit im Goms geschickt. Einiges zur dortigen Orgel erfahren Sie hier.

Die Orgel hat ein Manual mit kurzer Oktave und ein Pedälchen mit etwa acht Tasten, also ebenfalls mit kurzer Oktave.

Die kurze Oktave ist auch der Grund, warum ich beim Spielen dauernd aufs Pedal schauen musste. Ich hätte sonst ganz unchristlich danebengetrappt.
Fast am Schluss...
...noch etwas eher Unappettitliches:

Momentan bin ich ziemlich oft in der Kirche Erlenbach. Am 22. Dezember ist ja das Weihnachtskonzert mit der Flötistin Renata Wälti und mir an der Orgel. Und da muss ich halt fleissig üben; eben am liebsten in der Erlenbacher Kirche.

So weit, so gut. ABER in dieser Kirche hat es ungeheuer viele Fliegen. Das glaubt einer allein gar nicht! Und wenn ich da so auf dem Orgelbänklein sitze, schwirren dauernd Fliegen um die sehr helle Notenbrettbeleuchtung. Das macht dann die ganze Zeit sssss... ssttsss... ssssssssssstsss... tsssstsssssttssss.... Das raubt mir völlig die Konzentration und bringt mich zeitweise halb um den Verstand (der seit der Pensionierung ohnehin am Schwinden ist...).

Was tun? Die Antwort ist so einfach wie animalisch:   MORDEN!   ERMORDEN!   FLIEGEN KILLEN!

Wenn ich so ungefähr 2 Stunden an der Orgel sitze, ermorde ich pro Papiertaschentuch 2-3 Fliegen. Das gibt dann am Schluss rund 10 Taschentücher, also die DNS von 25-30 Fliegen. Diese Taschentücher entsorge ich danach im Kehrichtkübel vor der Kirche, trinke ein Bier und kann mich endlich wieder beruhigen.
Ganz am Schluss...
...wieder etwas Heitereres:

Letzten Sonntag fand die Senioren-Weihnachtsfeier in der Kirche Wengen statt. Zwei- bis Viertklässler führten ein Weihnachtsspiel auf, und die Kirche war voller Seniorinnen und Senioren, Eltern und Kinder. Jan Madjar, der Pfarrer von Wengen erzählte am Anfang der Predigt gutgelaunt folgende Kurzgeschichte:
Die Ehefrau ärgerte sich dauernd über ihren Ehemann. Denn der kam jeden Abend erst spät nach Hause und schien manchmal schon ziemlich angeheitert zu sein. In ihrer Not wandte sich die Frau an ihren Hausarzt und fragte ihn um Rat. Der Arzt meinte: "Liebe Frau! Wenn Sie hören, dass spät am Abend Ihr Mann nach Hause torkelt, dann zünden Sie doch eine Kerze an und empfangen Ihren Mann mit liebevollem Blick an der Wohnungstüre. Dann fragen Sie Ihn: "Grüss Dich. Sag mal, wieviele Kerzen siehst Du?" - Wenn Ihr Mann "Eine Kerze" sagt, dann hat er ein Bier getrunken. Wenn er "Zwei Kerzen" sagt, dann hat er 2 Biere getrunken. Wenn er aber "Drei Kerzen" sagt, dann ist er SEHR betrunken."

Die Frau befolgte des Arztes Rat und zündete am Abend des folgenden Tages um ca. 23 Uhr eine Kerze an und empfing ihren Mann mit den Worten: "Guten Abend, mein Allerliebster. Sag mal, wieviele Kerzen siehst Du?" - Sagte der Mann: "Wie schön, dass Du mich mit dem Weihnachtsbaum voller brennender Kerzen empfängst."
Und am Schluss folgte der Segen mit ungefähr folgenden Worten:
" Gott, segne die Seniorinnen und Senioren, segne die Juniorinnen und Junioren, und segne alle, die dazwischen sind."
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Chinesisch kochen
November 2019
Irene, meine Exfrau, schenkte mir vor vielen Jahren ein chinesisches Kochbuch. Verfasserin war eine Chinesin, die in London lebte. Ein sehr gutes Buch mit vielen farbigen Fotos und ausführlichen Erklärungen zu den Gemüsen, Gewürzen, Saucen, Schneidetechniken und Garmethoden, die in China Brauch sind. Ich blätterte das Buch durch und dachte mir: Ist ja schön, aber ziemlich fremdartig und kompliziert.

Ungefähr zur gleichen Zeit beendete ich mein 10-jährige Organistenstelle in Frutigen. Zum Abschied schenkte mir die Kirchgemeinde grosszügigerweise einen Wok, ein dazu passendes Réchaud sowie einen Mongolentopf. Darauf begann ich endlich, die ersten Rezepte aus dem besagten Buch auszuprobieren und war bald entzückt und betört von den äusserst wohlschmeckenden und oftmals ziemlich leichten Gerichten.

Florian, ein ehemaliger Orgelschüler, ist mit einer Hongkongerin verheiratet, bereiste China und erklärte mir einmal, dass die im Westen zelebrierte chinesische Küche SEHR anders sei als die echte chineische Küche, wie sie in China gepflegt wird. Das tat meiner Freude über die chinesischen Kochrezepte jedoch keinen Abbruch, zumal ich bei den Chinesen in San Francisco schon oftmals Chinesisches gegessen habe und dort ähnliche Aromen und Geschmäcker wie bei den von mir gekochten Speisen festgestellt habe.

Kürzlich feierten wir familien-intern ein grosses Fest. Um etwas Besonderes zu bieten, entschlossen wir uns, chinesische Speisen zu kochen und aufzutragen. Das gibt mir Anlass, nach bald dreijähriger Pause wieder mal einige Kochrezepte sowie allerlei Wissenswertes über die chinesische Küche zu verfassen und auf dieser Website zu veröffentlichen. Bitte lesen Sie hier weiter.
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Buxtehude: Nun lob mein Seel' den Herren
August 2019
Von Dietrich Buxtehude (1637-1707) gibt es diesen wunderschönen Orgelchoral BuxW 214. Er ist vierstimmig. Im Sopran steht, von Pausen unterbrochen, der cantus firmus. Im Alt und Tenor stehen Begleitstimmen. Am interessantesten ist der Bass, der abwechselnd den cantus firmus und die begleitende Bassstimme spielt.

Teilweise überlappen sich die cantus-firmus-Einsätze von Sopran und Bass. Daher (diess entspricht zwar nicht der damals gängigen Spielpraxis; aber trotzdem) klingt der Choral besonders malerisch, wenn man den Sopran auf dem Hauptwerk spielt. So kommt er wunderbar zur Geltung. Alt und Tenor spielt man dann auf dem Nebenmanual.

Der Bass kann durchgehend im Pedal gespielt werden; allerdings braucht es dazu zwei Registrierungen: Beim cantus firmus wird das Pedal kräftig (mit Zungenregister 8', ev. mit Pedalkoppeln) registriert, beim Begleitbass fehlen die Pedalregister, und es wird nur das Nebenmanual ins Pedal gekoppelt.

Ich habe 4 Versionen dieses Chorals gebastelt, indem ich die 4 Stimmen verschiedenartig auf 2-4 Notenzeilen verteilte. Sie finden Sie hier als PDF-Dateien; schauen Sie doch mal nach, indem Sie auf eines der Notenbildchen klicken.
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Orgeln und Mogeln
August 2019
Helma Wever, die Pfarrerin von Erlenbach im Simmental lässt das erste und letzte Lied im Gottesdienst meistens durch Organistin/Organist aussuchen. Das hat für uns Tastenmenschen den Vorteil, dass wir gegebenfalls Orgel-literatur und Kirchenlieder passend verbinden können.

Bernard Reichel
Auch kürzlich wieder. Als erstes Lied nahm ich "Ich erhebe mein Gemüte" KGB 20, weil es da vom Westschweizer Komponisten Bernard Reichel den sehr schönen Orgelchoral mit dem dramatischen Finale gibt. Das Lied im Kirchengesangbuch ist in G-Dur, der Orgelchoral von Reichel hingegen in A-Dur. Das ist und war ja kein Problem, denn nach dem Eingangsspiel folgte die Begrüssung durch die Pfarrerin, so dass sich die beiden Tonarten nicht aneinander "reiben".

Ich ging also am Sonntag rechtzeitig in die Kirche Erlenbach. Die dortige Orgel tönt manchmal etwas schrill und ist sehr obertönig. Deshalb registierte ich das Stück auf 4'-Basis und spielte eine Oktave tiefer. So erhält man ja die klingende 8'-Lage zurück. Vom II. Manual nahm ich noch das Gedackt 8' dazu und erhielt so - da ich ja eine Oktave tiefer spielte - einen leisen 16', der das Stück ungemein bereicherte.

Dann hörten die Glocken um 9.30 Uhr zu läuten auf, und ich begann meinen Reichel zu spielen. Leider machte ich bereits am Anfang zwei Fehler: Erstens spielte ich in der Normallage (also nicht eine Oktave tiefer), und zweitens begann ich das Lied in G-Dur statt in A-Dur. Nach einigen Tönen bemerkte ich endlich meine Fehler, musste also korrigieren bzw. mogeln und bewegte mich im Schweisse meines Angesichts und improvisierenderweise nach A-Dur und eine Oktave hinunter. Dann erst begann der Orgelchoral "richtig".

Das hat dann ungefähr so getönt (aus dem Gedächtnis aufgeschrieben):
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Landschaften und Orgelmusik (Videos)
Juli 2019
Ernst Münger aus Wimmis hat mir kürzlich vier ansprechende Videos geschickt. Er kombiniert darin schöne Landschaftsbilder und kurze Clips aus dem westlichen Berner Oberland mit auf der Orgel gespielten Jodelliedern. Mit seiner Erlaubnis veröffentliche ich diese Videos auf dieser Website.
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Konf und Karibik
Juni 2019
Es ist wieder Saison für Konfirmationen. Eine Klasse scheint gute Connections zur Karibik zu haben, denn gleich zwei Songs aus dieser Gegend wurden von den Könfelern als Gemeindelieder (sic!) ausgewählt. Als erstes der Banana Boat Song von Harry Belafonte, zudem Three Little Birds von Bob Marley.

Calypso und Reggae werden also die Konfirmation verschönern. Da ich nicht so reggaekundig bin, musste ich mich etwas ins Marley-Lied hineinhören und schrieb dann einige Takte auf.
Es sieht komplizierter aus, als es zu spielen ist. Die ersten vier Takte des Intros habe ich ziemlich rhythmusgetreu aufgeschrieben. Die Viertel- und Achtelnoten in den Triolen werden allerdings nicht exakt 2:1 gespielt, sondern eher 8:5 oder 3:2. Die Triolen ab Takt 5 habe ich als "normale" Achtelnoten geschrieben. Das kann man ja auch besser lesen...

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Der Frufra
Mai 2019
Heute lesen Sie eine ganz LAAAAANGE Geschichte, Aber es war ja auch ein langer Sonntag...

Wissen Sie, was ein "Frufra" ist? Nun, ich habe ihn kürzlich an einem Sonntag mit zwei Gottesdiensten zelebriert. Wobei es manchmal Sonntage gibt, die der Organist am besten schnellstmöglich vergisst; und das war so einer.

Folgendes trug sich zu: Am Morgen begab ich mich frühzeitig in die Kirche, um mich vorzubereiten. Und es ging ja auch alles gut. Dann kann eine Kirchenbesucherin früh in die Kirche, schwatzte etwas mit der Sigristin, und das war alles okay. Plötzlich jedoch hörte ich einen Urschrei, vermittels dessen die Kirche und mein Rückenmark bis ins Innerste erschüttert wurden. Wie sich später herausstellte, war die Kirchenbesucherin versehent-lich auf eine Blindschleiche getreten und hatte sie so in den Echsenhimmel geschickt.

Was hat denn ein Blindschleiche in einer Kirche verloren? Item, es war, wie es war, und ein kleiner Bube weinte herzzerreissend ob der toten Blindschleiche. Ich verliess dann die Kirche, um an der frischen Luft mit einer Zigarette meinen Blutdruck etwas auf normal zu bringen. Schliesslich war eine Taufe angesagt, und einige Mitglieder der Tauffamilie wollten ein Liedchen mit Orgel-begleitung für den Täufling singen. Das Liedchen hatte ich notabene tags zuvor nach Gehör von YouTube während 1½ Stunden für Orgel arrangiert.

Die Sängerinnen und Sänger kamen also, stellten sich im Chor der Kirche auf, und ich begann in der von ihnen gewünschten Tonart des Liedchens Vorspiel zu spielen und wartete im 8. Takt auf den Einsatz der Gesangsgruppe. Nichts geschah. Irgendwie setzten sie immer erst im 9. Takt ein. Nun, ich bin ja ein ausgemusterter Profi und hätte ohne weiteres einen Zusatztakt einbauen können, um den Einsatz mit der Gruppe zu harmonisieren.


Das Dumme war nur, dass die 5 singenden Personen in ebensovielen Tonarten zu singen begannen und sich einfach nicht auf eine Tonart einigen konnten. Können Sie sich diesen vielstimmigen, aber unharmonischen Gesang vorstellen? Wir pröbelten noch etwas herum, verschoben die Tonart etwas hinauf, aber die Musik blieb, wie sie war, nämlich hexatonal (1 Tonart von der Orgel, 5 Tonarten von der Gesangsgruppe). Am Schluss empfahl ich der Singgruppe, das Lied sine organo, also quasi a cappella zu singen.

*   *   *   *   *
Dann war noch in einer anderen Kirche ein Abendgottesdienst mit Beginn um 19 Uhr angesagt. Ich wollte vor dem Gottesdienst noch üben und dachte mir...
"Der Chor kommt vermutlich um 18 Uhr zur Probe oder frühestens um 17.30 Uhr." Ich schaute also, dass ich um 16 Uhr in der Kirche war und rechnete mir mindestens 1¼ Stunden ungestörter Vorbereitung aus. Dummerweise rauschte bereits um 16.30 Uhr die Dirigentin in die Kirche und erklärte, der Chor probe ab 16.45 Uhr. Ich war dann natürlich etwas perplexisiert und frustriert, denn niemand hatte mich über diesen überfrühen Beginn der Chorprobe informiert.

Ich begab mich halt dann schnurstracks nach Spiez ins McDonalds und kaufte dort einen Big Tasty Bacon. Der Laden war voll, und um das Personal nicht allzu sehr zu stressen, verzichtete ich darauf, Plasticwerkzeug zwecks manierlicher Nahrungs-aufnahme zu verlangen. Ich ass also den BTB von Hand, und wie das so geht, kann sich vernutlich jede und jeder vorstellen, der schon einmal im McDonalds gespiesen hat.

Und jetzt - Sie ahnen es schon - kommt des merkwürdigen Wortes Erklärung. Ich war also frustriert, davon kommt Frust respektive "Fru" als Abkürzung. Im McDonalds konnte ich den Burger mangels Werkzeug nicht essen, sondern musste ihn regelrecht fressen. Dort also hatte ich meinen Frass respektive Fra".

Die Sauce tropfte mir übers Kinn (ich habe dort ein Grübchen; da bleibt immer besonders viel Sauce kleben), das matschige Fleisch fiel in grossen Brocken aus den noch matschigeren Brothälften, der Salat verteilte sich ringsherun, der Käse sah aus wie eine vergorene Béchamelsauce und die Tomaten ass... pardon frass ich mit Wonne von Hand. Schade, machte ich kein Selfie. Aber ich konnte ja nicht. Erstens habe ich kein XY-Phone und zweitens hätte ich dem Gerätchen mit meinen fettigen und verschmierten Fingern keine Freude gemacht.

Aber es gibt ja den Photoshop. Ich habe mir erlaubt, damit eine amateurhafte Collage zu erstellen und sie Ihnen augenzwinkernd zu präsentieren.
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"Morgenstimmung" und "Åses Tod" von Edvard Grieg auf der Orgel
Mai 2019
Beim letzten Konzert in Wimmis spielte ich diese zwei Stücke. Die Orgel dort ist von Orgelbau Genf AG, hat ein Schwellwerk und drei freie Kombinationen. Die "Morgenstimmung" habe ich selber für die Orgel arrangiert, "Åses Tod" hingegen spielte ich aus Das rote Album (Hits for Organ I) vom Carus-Verlag. Das letztere Stück ist in h-moll und tönte auf der Wimmiser-Orgel ziemlich übel, da das Instrument ungleichstufig temperiert gestimmt ist.

Ich schrieb das Stück deshalb ins Sibelius-Notenprogramm und transponierte es einen Halbton hinauf, also nach C-Moll. So tönte es viel besser; ausserdem konnte ich so die tiefen Töne in den Manualen und im Pedal einsetzen und dem Stück den gewünschten düsteren Klang verleihen.

Nach einigem Herumprobieren gelang es mir sogar, die beiden Stücke aus der Peer-Gynt-Suite ohne Hebamme - also ohne Registrierhilfe - zu spielen. Ich habe die zwei Stücke mit den exakten Registrieranweisungen auf diese Homepage geladen. Sie finden Sie wie üblich unter Spielen-Noten oder indem Sie auf den untenstehenden Titel klicken.

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Ein liebenswürdiges Email
April 2019
Kürzlich erhielt ich ein sehr liebes und auch zum Nachdenken anregendes Email von einem Predigtbesucher in Wimmis (der Text wurde leicht abgeändert):
Ich gehe gerne ab und zu in den Gottesdienst, einfach weil ich da ein Zuhause habe. Sie, Herr Aellig, verschönern jeden Gottesdienst mit dem Orgelspiel! Ich muss sagen, ich verstehe von Musik überhaupt nicht viel. Aber so, wie Sie Orgel spielen, ist es genau so, wies mir gefällt, wunderbar.

Habe von einer üblen Rücken O.P. Tag und Nacht einen brennenden Schmerz, dem nur mit MST (einem Opiat) beizukommen ist. Besonders Sitzen und Stehen sind sehr schmerzhaft. Der Gottesdienst und das Orgelspiel bewirken, dass der Schmerz nicht mehr relevant ist, das entspricht ca. 20 mm. Morphium! Da spart also die Krankenkasse jedes mal noch Geld.

Jetzt hab ich eure Website gefunden! Ihre Orgel-Musik dort kann ich nun liegend hören, das ist prächtig. Ja mir gehts eigentlich ganz gäbig. Nun habt ihr beide bemerkt, dass ich nicht Schriftsteller bin. Aber ich möchte Dir, Sarah, und dem Herr Aellig einmal Merci sagen. Und dem Herrgott, dass es euch gibt.

Mit freundlichen Grüßen
XYZ



Ich schrieb dann zurück:
Lieber Herr XYZ

Vielen Dank für Ihr Email. Es ist schön, dass die Musik und überhaupt der ganze Gottesdienst Ihnen guttun und Sie von Ihren Schmerzen ablenken.

Im Mai oder Juni werden Klima und Temperatur etwas orgelfreundlicher sein. Ich habe mir für diese Zeit vorgenommen, wieder einmal einige Orgelstücke aufzunehmen und auf meiner Website zu publizieren. Wenn Sie möchten, kann ich dann einige Ihrer Lieblingsstücke auf CD brennen, so dass Sie die Musik auch auf Ihrer Heimanlage abspielen können.

Freundliche Grüsse
Markus Aellig
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Die Jodlerchilbi an der Abdankung   oder   Ein Hoch auf den Konjunktiv
März 2019
Es ist immer wieder frappant, wie bei Abdankungen spezielle Wünsche und / oder Forderungen an die Organistin und den Organisten oder ganz einfach - wenn ich mich einer korrekten und zeitgemässen Ausdrucksweise befleissigen täte - "an die orgelspielende Person" oder sogar (sehr korrekt) "an das orgelspielende menschliche Wesen" gestellt werden.

Im Vordergrund stehen sehr oft Jodellieder, deren es ja in unserem herzigen Schweizer Lande überaus viele gibt. Dabei ist bemerkenswert, dass die Wünsche der Trauerfamilie IMMER über die Pfarrperson dem "orgelnden Humanoiden" mitgeteilt werden. Früher hätte man sagen können: Die Pfarrperson drückt im Auftrag der Trauerfamilie die Knöpfe an der "Wurlitzer Box", und diese (die Box) produziere dann beflissen die gewünschten Akustikereignisse.

Also geht das "orgelspielende Seiende", das ja alle Wünsche der Trauerfamilie ernst nimmt oder nehme, ans Werk und jödelet und blödelet, pardon "bödelet" chilbimässig und fleissig auf der Orgel, dass es eine wahre Freude ist und die Edelweisse und Enziane beinahe zu hören ...äh sehen sind, und die Trauergemeinde erblickt innerlich nahdisnah, wie die Chueli vom saftigen Bergkräuterbuffet naschen und der Muni übermütig über die Steinhaufen gumpet und später der Mond aufgeht und die Sennen noch vor dem Stafel tubäkle und...

Hier ein Müschterli einer mir via Pfarrperson übermittelten Abdankungsfeiermusikstückwunschliste:

Lieber Markus

Im Anhang findest du die erste Version des Ablaufs Abdankung vom XYZ. Es muss noch klar werden, ob der Jodlerklub dabei ist oder nicht.

Die Angehörigen bitten dich und wären glücklich, wenn du bei Eingangs- und Ausgangsspiel folgende Jodellieder "einbauen" könntest: "E gschänkte Tag" und "Mis Älpli" von Adolf Stähli.

Für das kurze Zwischenspiel nach dem Lebenslauf-Teil wünschen sie sich "Am Thunersee" von Adolf Stähli.

Ich hoffe, das stimmt so für dich? Sobald klar ist, ob der Jodlerklub dabei ist, schicke ich dir den definitiven Ablauf.

Liebe Grüsse
...
Und nach der Abdankung schleicht das "georgelt Habende" zur Kirche hinaus und denkt, wie schön es doch wäre, eine auch nur klitzekleine Reaktion von der Trauerfamilie zu erhalten; dass vielleicht jemand von der Trauerfamilie vorbei käme und seine Zufriedenheit mit dem Gehörten ausdrückte oder vielleicht sogar "Merci" sagte oder wenigstens ein der sonst überallhin verschickten Danksagunsformulare irgendwann im Briefkasten landete oder .....

Man möge den etwas weinerlich-ruppigen Ton obiger Zeilen entschuldigen. Aber jahrzehntelange Erfahrung in dieser Sache prägen halt.
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Die "Marche funèbre" von Frédéric Chopin
Februar 2019
Dieses Stück eignet sich trotz seiner Länge als Eingangs- oder Zwischenspiel an Abdankungen. Bei Bedarf kann es ja gekürzt werden. Was "man/frau" haben sollte, ist eine Orgel mit freien Kombinationen oder Setzer. Auf einer Stöpselorgel wüsste ich beim besten Willen nicht, wie das Stück ohne Hilfe eines Registranten realisiert werden könnte.

Bitte klicken Sie auf die Hände, um das Notenbeispiel ansehen zu können.
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Musikwünsche an einer Trauung
Januar 2019
Im Mai werde ich an einer Trauung spielen. Die Wünsche des Brautpaars sind so exotisch wie amüsant wie arbeitsintensivst. Ich zitiere aus dem Email der Braut an die Pfarrerin:

Hallo ...
Anbei sende ich dir noch die Ideen von unseren Musikwünschen. Die Videos sind nur Beispiele.
Liebe Grüsse ...

Vorspann 20th Centery Fox und Star Wars Theme (John Williams) bis ca min 1:40/2:00
https://youtu.be/5Jc0fxj9XT4

Halleluja Orgel
https://youtu.be/130_AH_lEPs

Ave Maria (Schubert) Orgel
https://youtu.be/LuDHTfNYXpE

Kiss from a Rose (Seal) Orgel
https://youtu.be/zBhxTWsVvgk
https://youtu.be/RApYELCEwjI

River Flows In You (Yiruma) Orgel
https://youtu.be/nFPvHUBqYio
https://youtu.be/LyTBCaCnYco

Zelda Theme Orgel
https://youtu.be/iMgtubmz1JY

Von meinem iPhone gesendet
Na, dann werde ich mich zu gegebener Zeit ans Werk machen:
▶   2-4 Songs von YouTube abschreiben; das dauert pro Song rund 3 Stunden.
▶   Die Songs ausdrucken und auf der Orgel einrichten; das dauert pro Song rund 1 Stunde.
▶   Die Songs üben; das dauert pro Song mindestens 1 Stunde.
▶   Zweimal nach XYZ fahren und zurück; Das dauert 2 Stunden.
▶   Dann kommt noch die Trauung; die dauert 1 Stunde.
Am Schluss wird mir die Trauung einen Zeitaufwand von mindestens 23 Stunden abverlangt haben, und von der Kirchgemeinde werde ich ein Honorar von rund 200 Franken erhalten. Das gibt - nach Abzug der Spesen - einen an Homöopathie erinnernden Stundenlohn.

Natürlich könnte ich den Job auch ablehnen. Das wäre vielleicht gscheiter.
2018
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USA-Reise 2018
Dezember 2018
Martina und ich flogen Mitte September nach Las Vegas, Im Mietauto fuhren wir kreuz und quer durch den Nordwesten der USA (Utah, Nevada, Oregon, Washington). Nach dreieinhalb Wochen flog Martina von Vancouver zurück in die Schweiz. Ich blieb weitere drei Wochen und tuckerte langsam gegen Las Vegas zu.

Lesen Sie hier, was Martina und ich auf unserer Herbstreise durch den Wilden Westen alles erlebten.
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Wandern und Campieren im Berner Overland
August 2018
Diesen Sommer wanderte ich munter im Berner Oberland umher, vor allem in der Jungfrauregion sowie in der Lenk. Oft kam auch Martina mit. Dabei campierten wir auch häufig. Dazu mussten wir den ganzen "Hauhalt" mitschleppen:
Zelt, Schlafmatte, Schlafsack
Esswaren, Wasserflaschen
Kocher, Pfanne, Gasflasche
Bier, Whiskey
Regenschutz, warme Jacken
Ersatzkleider, Toilettenartikel
Unverzichtbare Kleinigkeiten
Schauen Sie doch auf Reisen-Wandern mal nach.
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Am Telefon
April 2018
Kürzlich spielte ich an einer Abdankung. Da die Trauerfamilie spezielle Stücke gewünscht hatte, wollte ich eine Stunde vor dem Gottesdienst etwas üben und versuchte am Vortag, die Sigristin wegen dem Orgelschlüssel telefonisch zu kontaktieren.

Nach mehreren Anrufversuchen nahm um 19.45 Uhr ein Mann ab:
"Guten Abe, hie isch Aellig."
"Wär isch da?"
"Mi Name isch Aellig."
"Das seit mir nüt."
"Ja, das isch drum es unbekannts Bärner Oberländer Gschlächt. Exgüsee, weni so schpät no alüte, aber isch öiji Frou d Sigrischtin vo...?"
"Ja."
"I hätt se öppis sölle frage. Aber es isch villech besser, weni morn alüte. Wenn isch si morn ärreichbar?"
"Si isch deheime; i cha nech si gä."
"I chumme jetz gloub ugläge. I probieres morn no einisch."
"Jetzt tüet doch nid so empfindlech. I ha nume nach em Name gfragt."

Dann kommt die Frau Sigristin ans Telefon.
"Guten Abe, hie isch Aellig."
"Gueten Abe."
"I schpile morn am zwöi ar Abdankig u wett vorhär chly üebe. Wo isch äch der Orgelschlüssel?"
"Dä SÖTT bir Kanzle ungerem Schämeli SY."
"Aha, wenn er sött sy, isch er villecht nid dert."
"Momou. Wesne hei dert häreta, isch er dert."
"Was sölli mache, weni am eis dört bi u ke Schlüssel finde. I möcht mi würklech ä chly vorbereite;
d Truurfamilie het spezielle Wünsch."
"Ke Angscht, dä Schlüssel ISCH dert."
"Merci vilmal. Uf Widerluege."
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Wenn einer eine Reise tut...
März 2018
...dann kann er was erzählen. Ich habe endlich angefangen, die Deutschland-Tschechien-Reise vom letzten Sommer mit vielen Bildern zu erzählen. Auf dieser Reise wurde ich ein grosser Liebhaber vom Bier (speziell Weizenbier), vom Obstler, von der Stadt Prag und vom sächsischen Dialekt.

Klicken Sie bitte auf das Bild.
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Junk Food & Real Food
Februar 2018
Gegenüber meiner Wohnung in Kaufdorf befindet sich eine Plakatwand. Seit einigen Tagen darf ich rauchenderweise vom Balkon aus folgende Werbung bewundern:
Dieser Anblick hat mich dazu ermuntert, ein Rezept für eine indisch angehaucht, äusserst chüschtige, eher pikant-scharfe und leicht zuzubereitende Gewürzpaste auf dieser Website aufzunehmen. Das Rezept finden Sie hier.
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Musikwünsche bei Abdankungen
Februar 2018
In den letzten Monaten spielte ich an mehreren Abdankungen, für welche die jeweiligen Trauerfamilien recht spezielle Musikwünsche äusserten. Da häufig keine Noten vorhanden waren, schrieb ich (oder skizzierte) ich für mich das Nötigste. Das ist heute weniger schwierig als noch vor 10 oder 15 Jahren, denn auf YouTube findet man fast alles.

Ich habe die Stücke "ins Reine" geschrieben. Sie finden sie unter Spielen - Noten oder können die untenstehenden Titel direkt anklicken.

Als Vorlage nahm ich eine Aufnahme eines Studentchores aus dem "Conference Center" in Salt Lake City. Die schlichten Harmonien finden ihre äussere Entsprechung in der kargen Wüstenlandschaft westlich von Salt Lake City .Besonders hübsch und passend zum Text der dramatische Wechsel von F-Dur nach A-Dur. Hören Sie sich die Aufnahme doch mal an.
Dies war ein Lieblingslied einer Frau, die im hohen Alter nach einem schweren und entbehrungs-reichen Leben starb. Bei der Abdankung summten tatsächlich einige Leute aus der Trauergemeinde das Lied mit.
Ebenfalls ein Lieblingslied der alten Frau.
Hören Sie sich die Aufnahme an. Die Streicher spielen häufig unisono mit dem Chor, aber eben nicht immer, und die Schwierigkeit bestand für mich darin, die "speziellen" Streicherpassagen irgendwie ins Arrangement einzufügen. Ich versuchte es mit zahlreichen Manualwechseln und habe die Manuale zu des Spielers/der Spielerin Bequemlichkeit farbig markiert: Rot ist das Hauptwerk und Blau das Schwellwerk
2017
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Einmal mehr:  Kinder in der Kirche
November 2017
Kürzlich spielte ich an einem Kindergottesdienst. Die 4-10jährigen Mädchen und Buben machten eifrig mit, sangen kräftig und kamen beim Ausgangsspiel auf die Empore, um mir beim Spielen zuzusehen. Ich mühte mich gerade durch eine verklausulierte Form von Alli mini Änteli, als ein etwa zehnjähriges Mädchen mich fragte: "Chasch du o Jingle Bells schpile?"

Ich war gerade in Stimmung. Von der Tonart stimmte es auch, weshalb ich flugs zum bekannten Weihnachtslied wechselte. Das dünkte mich so lustig, dass ich dieses Lieder-Duo demnächst aufnehmen und auf dieser Website veröffentlichen werde.
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„Ein feste Burg ist unser Gott”  oder  „Martin Luther und der Jodlerklub”
November 2017
Am Reformationssonntag sang der Jodlerklub Edelweiss aus Erlenbach im Gottesdienst (Die Mannen sangen übrigens sehr schön, rein und dynamisch). Zwar gibt es einige wuchtig-dramatische Orgelbearbeitungen über das bekannte Luther-Lied; aber irgendwie schien mir ein barocker Orgelchoral nicht so recht zu den Jodelliedern zu passen. Ich setzte mich deshalb an den Computer und komponierte mit Hilfe des bewährten Notenprogramms Sibelius eine Choralpolka:

Nach einer dramatischen Einleitung mit etwas irren Akkorden folgt ein schwungvolles Fugato, das wiederum zu einer veritablen Polka in der gängigen Form  A A B B A C C  überleitet. Um einen passenden Rahmen zu erhalten, folgen am Schluss wiederum einige pompöse Takte mit krimireifen Akkorden.

Das Notenbeispiel finden Sie hier
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Musliminnen in der Kirche
August 2017
Vor einigen Wochen spielte ich an einem Abendgottesdienst in der Kirche Lauterbrunnen. Der Gottesdienst begann am 19 Uhr, und ich spielte mich vorgängig auf der Orgel ein. Man muss wissen, dass in Lauterbrunnen im Sommer ungeheuer viele Touristen anzutreffen sind. Europäer, Asiaten, Inder und Araber bezw. Muslime. Letztere erkennt man natürlich an den Kopftüchern, welche Musliminnen ausnahmslos tragen.

Item, um etwa 18.30 Uhr betraten zwei Musliminnen mit einem kleinen Buben die Kirche und schauten sich um. Ich sprach die Frauen dann auf Arabisch an (was sie sehr erstaunte und auch freute), und es entwickelte sich ein lustiges Gespräch zwischen ihnen, dem Buben, mir und der ebenfalls anwesenden Sigristin in einem lustigen Mischmasch von Arabisch (das ich leider nur rudimentär spreche) und Englisch.

Sandra, die Sigristin, war ihrerseits erstaunt und meinte daraufhin, das sei jetzt doch das ERSTE MAL, dass sich Muslime bezw. Musliminnen in dieser Kirche eingefunden hätten.
Die Damen kamen übrigens aus dem Oman, dem wohl fortschrittlichsten und freiheitlichsten Staat auf der arabischen Halbinsel. Demgegenüber kommen die meisten arabischen Touristen aus Saudiarabien und geniessen hier das kühle Wetter und die wasserreiche Gegend. Gelegentlich werde ich von einem Saudi gefragt, ob ich schon in seinem Land gewesen sei oder dorthin zu reisen gedächte. Ich antworte dann stets stereotyp: "Ich war noch nie in Deinem Land und werde es auch künftig nicht besuchen!" - Frage: "Warum nicht?" - Antwort: "There is NO Beer in Saudia Arabia!"

Übrigens: In der königlichen Oper von Masqat, der Hauptstadt des Oman, befindet sich eine Orgel!
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"Morgenstimmung" auf der Orgel
August 2017
Kürzlich spielte ich an einer Trauung in einer Gemeinde rund um Thun. Die Braut ist dort Organistin, und das Brautpaar wünschte sich als Eingansspiel die "Morgenstimmung" aus der Peer-Gynt-Suite von Edvard Grieg. Ich war zuerst etwas ratlos, wie dieser verhaltene und hochromantisch klingende Satz auf der dortigen Orgel - die recht laut und etwas aufdringlich klingt - zu spielen wäre. Anhand eines Klavierauszuges erstellt ich eine skizzenhafte Orgelversion und spielte und improvisierte dann diesen Satz.
Erfreulicherweise erhielt ich bald darauf eine Email vom Brautpaar. Ich zitiere daraus:
Lieber Herr Aellig

Vielen Dank für das schöne Spiel! Die Morgenstimmung war phänomenal, ich hatte keine Idee, ob sie auf der Thieracher Orgel gut rauskommen würde...

Besagte Notenskizze finden Sie hier.
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Ein unerwarteter Dank
März 2017
Kürzlich begleitete ich einen Chor in der Kirche Hilterfingen. Um mich auf der Orgel vorbereiten zu können, telefonierte ich der Organistin Ruth Moser. Nachdem wir die Einzelheiten wie Schlüssel, Übezeiten, Setzer usw. besprochen hatten, bedankte sich Ruth für die vielen Notenbeispiele, die auf dieser Homepage kostenlos zu finden sind.

Ich sagte Ruth darauf, das sei schon recht; schliesslich sei "Freeware" und "Public Domain" ein angenehmer Service, der seit jeher im Internet zur Verfügung stehe (man denke nur an die vielen kleinen, praktischen Hilfsprogramme, die auch ich rege benutze). Sie könne mich ja bei Gelegenheit mal zu einem (oder zwei) Bier einladen.

Und dann gehe ich am Freitag Nachmittag in diese Kirche und sehe auf dem Notenbrett ein hübsch eingewickeltes Päckchen für "Markus Aellig". Darin finde ich zu meinem Entzücken eine mit Williams gefüllte Schoggi, ein namhaftes Nötli und eine Karte, die ich hier mit der Einwilligung von Ruth veröffentliche.

Da kann ich nur noch sagen:
Vielen Dank, liebe Ruth!
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Gute Vorsätze fürs neue Jahr
Januar 2017
2016
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Stille Nacht - mal ganz laut
Dezember 2016
Heute, am Weihnachtstag, bin ich ferienhalber NICHT in der Kirche, sondern zu Hause, und bereite das Weihnachtsmahl vor. Dabei höre ich Radio SRF 1 (oder DRS 1...) und geniesse die dort ausgestrahlte Weihnachtsmusik.

Allerdings ärgere ich mich langsam, praktisch AUSSCHLIESSLICH amerikanische Songs hören zu müssen. Hand aufs Herz: Ist Radio SRF 1 ein Schweizer oder ein Amerikaner? - Ich glaube meiner Seel und Treu: Wenn ich am 25. Dezember irgendwo in den USA wäre, würde ich mi Türi nirgendwo deutsche, französische oder italienische Weihnachtslieder am Radio hören.

Item, ich tröstete mich dann, indem ich das folgende Weihnachtslied ansah / anhörte:
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Denkwürdige Terminvereinbarung
Dezember 2016
Wenn ein auswärtiger Organist die Orgel in der Stadtkirche Thun benützen will, fragt er zuerst das Sekretariat an und holt sich dort die Bewilligung; anschliessend telefoniert er mir; ich schaue in den Kirchen-Online-Kalender rein, reserviere ihm seine gewünschten Zeiten - dieses Procedere dauert in der Regel nur einige Minuten - und alsbald herrscht Friede, Freude, Eierkuchen.

Dass es auch anders geht, durfte oder musste ich unlängst erleben. Die Geschichte ist Folgende: Ich bin anfangs Jahr angefragt worden, ob ich an einem Weihnachtskonzert in der Kirche XYZ die Orgel zu traktieren täte. Freudig nahm ich den Job an. Meine Orgelpart ist nicht schwierig, auch nicht umfangreich, und eigentlich dachte ich, drei Stunden am Stück in besagter Kirche XYZ müssten reichen, um mich aufs Konzert vorzubereiten.

Frohgemut setzte ich mich also kürzlich an einem vernebelten Vormittag ans Telefon, um diese drei Stunden auf der Orgel ebendieser Kirche XYZ reservieren zu lassen, und die Odyssee nahm ihren Anfang...:
★ Ich schalte den PC ein und schaue im Internet nach, wer denn der Sigrist der Kirche XYZ sei. Anschliessend telefoniere ich Herrn S.
★ Herr S. nimmt nicht ab, ruft jedoch eine Minute später zurück und sagt, er sei Abwart des Kirchgemeindehauses. Die Sigristin der Kirche XYZ sei Frau F.
★ Ich telefoniere Frau F. Diese erklärt, es tue ihr leid, aber sie arbeite nur noch bis Ende Jahr und habe deshalb den Belegunsplan fürs 2017 bereits an ihre Nachfolgerin übergeben. Ich solle doch bitte die Kirchgemeinde-Verwaltung anrufen.
★ Ich rufe die Verwaltung zweimal an. Niemand nimmt ab.
★ Ich telefoniere Herrn Pfarrer B. und frage, ob die Verwaltung wohl besetzt sei. Herr B. meint, ja dass sei sie. "Die" sollten eigentlich abnehmen. Sonst könne ich mich wieder bei ihm melden.
★ Ich telefoniere Herrn F., der in der Kirche XYZ als Organist angestellt ist. Herr F. nimmt jedoch nicht ab.
★ Zehn Minuten oder so später rufe ich wieder die Verwaltung an. Diesmal nimmt Herr M. ab und reicht mich an Frau P. weiter. Frau P. erklärt, sie habe nur den ordentlichen Belegungsplan der Kirche XYZ. Für Organisten gelte die Belegungs-App, die sie jedoch nicht habe und die auch ich mangels Smartphone und mangels Anstellung bei der Kirchgemeinde XYZ natürlich NICHT habe. Wir vereinbaren, dass ich mich bei irgendeinem Organisten der Kirchgemeinde XYZ melde und mit dieser Person einen Termin vereinbare.
★ Ich telefoniere Organistin Frau P. Dort nimmt niemand ab.
★ Ich telefoniere Organistin Frau B. Dort nimmt niemand ab.
★ Ich telefoniere wiederum Organist Herrn F. Dieser nimmt ab, und mit ihm kann ich endlich einen Termin für Dienstag Nachmittag abmachen. Für eine allfällig nötige weitere Vorbereitungsrunde stehe der darauffolgende Mittwoch am Nachmittag zur Verfügung. Will heissen, an diesem Nachmittag sei die Kirche frei. Ich solle ihm dann nochmal telefonieren, wenn ich am Mittwoch auch üben möchte.
★ Während ich so mit Herrn F. via Handy rede, schellt mein Hausapparat, und eine Frau spricht eine Botschaft auf den Beantworter.
★ Danach höre ich diese Botschaft ab. Frau P. von der Verwaltung teilt mit, am besagten Dienstag und Mittwoch sei die Kirche XYZ durch mehrere Anlässe besetzt.
★ Ich telefoniere erneut der Verwaltung, werde zu Frau P. durchgewunken und erfahre zu meiner Erleichterung, dass der Dienstag-Nachmittag nicht nur von Organistenseite, sondern auch seitens der Kirchgemeinde frei sei. Am darauffolgenden Mittoch Nachmittag finde jedeoch ein Krippenspiel statt, und die Kirche stehe NICHT den ganzen Nachmittag zur Verfügung, sondern erst ab 18 Uhr oder noch später.
★ Am Nachmittag telefoniere ich mit Frau D. von der Verwaltung der Kirchgemeinde XYZ und vereinbare mit ihr einen zusätzlichen Orgeltermin für Donnerstag Vormittag.
★ Die ganze Telefoniererei und Internet-Guckerei dauerte etwa 80 Minuten. Dann dokumentierte ich diesen denkwürdigen "Fall" auf der Website, in die Sie gerade hineinschauen; das dauerte rund 30 Minuten. Zusammen also knapp 2 Stunden.
Läck, bin-i erschöpft!  Aber am Schluss het's klappt!!!
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Bärner Oberländer Chnörz
November 2016
Ich versuche, diesen Witz auf "Habcher-Tütsch" zu erzählen, da meine Mutter in Habkern aufgewachsen ist und ich dort in meiner Jugend wochenlange Sommerferien bei meiner Grossmutter verbracht habe. HABKERN, das Oberländer Dorf am Ende eines verwunschenen Tales, entzückt und erstaunt mit seinem sanften Tourismus, ausgedehnten Moor- und Karstlandschaften, wunderschönen Wanderrouten und einigen kräftigen Schimpfwörtern, welche nur Einheimische verstehen...

Iis isch doch on ä tütscha Wandärär im Luutärbrunnätal gsy u mmitäm Poschtouto uf Schtächälbärg gfahrä. Är hett drum ubär d Sefinäfurgga i ds Chiental wellä luufä. Är ischt also im Schtächälberg us äm Poschtouto uusgschtiige, hett äs Liedli pfiffen un ischt gwüss fröhläch dr Schtutz däsuuf u därnah dur d Sefinäschlucht uähi glüffen.

Mu wiiss ja, dass mu im Sefinätal ä Rrascht muess luufä u de rächts abha Richtig Rotschtockhütta. Abär irgändwie hett üsa Wandärär dä Abzwiigär värpasst un ischt iifach wyter gägä Chilchbalm zueglüffä. Är hett du gly gmerkt, dass är faltsch luuft. Du trifft är uf ds Mal zwei Sennäbürläni - Hänsel u Chrigel - , wan da öppis ghagät hii.

U du het är si gfragt: "Entschuldigung, meine Herren, wissen Sie, wo's da langgeht zur Sefinenfurgge?". Die zwe hiin dä Wandärär aagluägt - Hänsl het as ssyre Haaggäpfyffa gsugget, u Chrigl äng Grashlam gchätschät - u kiis Wort gsiit.

Du hett dä Wwandärär, wwannäs Schprachschenie gsy isch, si uf Französisch gfrägt: "Bonjour, est-ce que vous connaissez le chemin du col de Sefinen?" Die zwe hiinnen ummi aagschouät, ar Pfyffa gsugget un am Grashalm gchätschät - u kes Wort gsiit.

Üsa Wandärär hett ddiicht, das syg jetz o komisch; abär är hett gwüsst, dass d Schwyz viär Lanedsschprache hett; u drum hett är si uf Italiänisch gfrägt: "Signori, sanno il sentiero per il colle di Sefinen, per favore?" Die zwe hiinnen ummi aaglotzät (gwüss grad wiä Gchüä uf där Wiid, wan iim mengischt äso liäb-dumm chönnän aglotzä) u gschwiigä.

Du ischt üsa Wandärär langsam hässig wordän, aber är hett du diicht, är probiers glych no uf Englisch (är hett drumm äs paar Schprachi ussgeziichnät chönnä): "Hi! Do you know the hiking trail to the Sefinenfurgge?". Die zwe hin ummi gchätschät u gsuggägt, nän aaguggät - u wwiddär kis Wort gsiit. Du ischt är ttuba wordä, hett d Hend värrüehrt u hett si Wwäg sälbär gsuächt.

*   *   *   *   *

Siit Hänsel zu Chrigel: "Läck, dä chann de Schprachä!" - Sit Chrigel zu Hänsel: "Ja, abär was hetts ihm gnützt?"
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Der schnarchende Kolibri
Oktober 2016
Nicht nur Menschen schnarchen, sondern auch Tiere. Getreu der Formel aus der Akustik (die Tonhöhe ist umgekehrt proportional zur Grösse des schwingenden oder schnarchenden Körpers) schnarcht der munzig kleine Kolibri sehr hoch, wie das nebenstehende Filmchen zeigt

Der Vogelliebhaber und Orgelkomponist Olivier Messiaen hätte womöglich sein helle Freude daran...
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I, Robot
September 2016
Der Fortschritts-Wahn führt in Kombination mit dem Wirtschafts-Wachstums-Wahn zu zunehmend bizarrerern Ideen. So will die Südostbahn in rund 10 Jahren auf einer Versuchsstrecke selbstfahrende Züge einsetzen. Es soll also wieder einmal am unteren Ende der Sozialpyramide automatisiert und damit gespart werden.

Klüger und der Menschheit zuträglicher wäre es, wenn endlich einmal an der Spitze der Sozialpyramide automatisiert würde. Können Sie sich vorstellen, dass die Konzernleitung durch eine Handvoll Roboter ersetzt würde? Diese bräuchten lediglich eine ausreichende Stromversorgung und gelegentliches Auswechseln abgenützter Bauteile.

Das Geld, das man da sparen und an den Pyramidensockel umleiten könnte! Krass! Und wenn man diese Roboter gemäss den Vorschläge von Isaac Asimov programmierte, dürfte die Menschheit eine ungeheure Strecke in Richtung des sozialen Fortschritts zurücklegen.

Verzeichnis
1. Ein Roboter darf keinem Menschen schaden oder durch Untätigkeit einen Schaden an Menschen zulassen.
2. Ein Roboter muss jeden von einem Menschen gegebenen Befehl ausführen, aber nur, wenn dabei das erste Gesetz nicht gebrochen wird.
3. Ein Roboter muss seine eigene Existenz bewahren, es sei denn, dies spricht gegen das erste oder zweite Gesetz.
Bei dieser Gelegenheit kommt mir eine Episode in den Sinn: Karl Straube soll einmal an einem Konzert die grosse C-Dur-Toccata von Bach gespielt haben. Nach einem quirligen Vorspiel folgt bekanntlich ein langes, monumentales Pedalsolo. Während des Solos putzte sich Straube seine Brille; eine Zuhörerin sah dem Organisten zu (offenbar nicht so genau) und kreischte plötzlich: "Mein Gott, dass Ding spielt ja von alleene!"

Wenn dermaleinst Roboter die Orgel schlagen werden, wird der Pfarrer (oder Pfarr-Roboter?) folgende Auswahl treffen müssen: "Die Orgel spielt uns die Melodie vor". Oder noch besser und lustiger: "Robot, Go On!"
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Da werden Weiber zu Hyänen
August 2016
Diese sexistische Gedichtzeile stammt aus Schillers 1799 entstandenem Lied von der Glocke. Das Gedicht nimmt an dieser Stelle Bezug auf die Französische Revolution (1789-1799).

"Freiheit und Gleichheit!, hört man schallen;
Der ruh'ge Bürger greift zur Wehr,
Die Straßen füllen sich, die Hallen,
Und Würgerbanden ziehn umher.

Da werden Weiber zu Hyänen
Und treiben mit Entsetzen Scherz,
Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen,
Zerreißen sie des Feindes Herz."



Was hat diese Gedichtzeile mit der Stadtkirche zu tun? Ganz einfach. Kürzlich lernte ich in der Stadtkirche eine menschliche Hyäne der besonderen Art kennen...

Da kam doch eines Vormittags ein Schüler in den Unterricht. Mit Marianna hatte ich vorher abgemacht, dass wir anschliessend die Zungenregister stimmen würden. Zuerst gingen wir allerdings ins Unterweisungshaus und tranken einen Kaffee. Danach begaben wir uns in die Kirche und trafen dort ein veritables Rambazamba an: Eine Horde Jugendlicher plus zwei weibliche Erwachsene waren vorne in der Kirche und erzeugten einen Höllenlärm.

Bei diesem Lärm ist ein Stimmen unmöglich, deshalb rief ich nach unten, ob es etwas leiser gehe. Darauf wurde der Lärm noch schlimmer und eine Leiterin namens Hyäne brüllte irgend etwas zu mir herauf. Marianna war etwas besorgt und fragte, ob sie mich bei diesem Gekreisch überhaupt hören würde (sobald ich eine Pfeife gestimmt habe, rufe ich "ja", und Marianna drückt dann die nächste Taste).

Achselzuckend ging ich in die Orgel und begann zu stimmen. Es ist bemerkenswert, dass schon beim ersten Ton der Lärm unten im Chor markant anstieg; offensichtlich wurden die Kids von der Hyäne und der anderen Leiterin aufgehetzt. Ein Stimmen war so nicht möglich, deshalb lief ich nach unten und fragte, was der Lärm solle.

Das hätte ich gscheiter nicht gemacht, denn die Hyäne begann, mich auf unflätigste Weise zu beschimpfen:
"...was mir eigentlich einfalle, sie bei ihrer Besprechung zu stören und was mein Verhalten mit der kirchlichen Gastfreundschaft zu tun habe; überhaupt sei es kein Wunder, dass immer mehr Leute zur Kirche austräten, da ich mich ja so unfreundlich benehme, ich solle mich richtig schämen...". Diese Hyäne steigerte sich richtiggehend in eine rhetorische Hysterie, riss eine an einen Zombie erinnernde Grimasse, fletschte die Zähne, geiferte und schrie wie eine Furie. Die zweite Leiterin begann ebenfalls zu schimpfen und zu toben, die aufgehetzten Kids empfahlen mir dann auch noch, mich zu schämen - kurz, es war ein negatives Riesengaudi der Sonderklasse.

Ich hörte eine Zeitlang zu und wunderte mich. Auf Nachfrage vernahm ich immerhin, sie seien eine KUW-Klasse von irgendwo (später vernahm ich, dass diese Klasse aus dem Seeland stammt). Als ich fragte, ob sie die Kirche für ihre Zwecke beim Sekretariat oder bei der Sigristin reserviert hätten, begann die dröge Beschimpferei seitens
der Hyäne, die offenbar einem veritablen Veitstanz zum Opfer gefallen war, erneut. Sie - die Hyäne, die Katechetin sein will (O Gott, die armen Kidz!) - warf mir wiederum eine Reihe Schlämperlige an den Grind, und die Stimmung wurde so richtig partymässig.

Zum Glück begab sich die Meute langsam zum Ausgang und verliess schliesslich unter zahlreichen erlesenen Verwünschungen und Beleidigungen die Kirche. Endlich konnten wir stimmen, wobei noch festzuhalten ist, dass nach etwa 20 Minuten einige Kids wieder in die Kirche kamen und eine kurze, aber wirkungsvolle Demonstration ihres Lärmrepertoirs zum besten gaben. Die Sigristin Marianne Vögele war derweil im Unterweisungshaus, hörte von dort den Tumult in der Kirche (sic!) und meinte später, wenn das Gebrüll und der Lärm noch einige Minuten weitergegangen wäre, hätte sie meiner Seele mal nachgeschaut, was da überhaupt los sei.

Dass Kinder (und ihre Leiterinnen) auch ganz anders können, sehen sie hier

Und die Moral von der Geschichte:
Es gibt manchmal Leute, wenn es die nicht gäbe, müsste man sie trotzdem nicht erfinden.
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Heil Dir, Helvetia - Hast noch der Söhne, ja!   (Version 1)
Juli 2016
Seit ca. 20. Juli 2016 ist auf dem Schlossberg in Thun Seltsames zu beobachten:

Horden von Jugendlichen finden sich gegen Abend dort ein und halten sich mit Vorliebe auf den Treppen, im Eingang vor der Stadtkirche und im Schlosshof auf. Diese Leute starren dabei unentwegt auf ihr Smartphone und benehmen sich ziemlich genau gemäss der römischen Devise Brot und Spiele, die man in der heutigen Sprache Burger, Bier und Belustigung nennen könnte.

Die Belustigung wird durch Pokémon Go hervorgerufen. Es ist ein Spiel für Handheld-Mobilgeräte wie Smartphones und Tabletcomputer. Es wurde vom US-amerikanischen Softwareunternehmen Niantic Labs für die Betriebssysteme iOS und Android entwickelt. Dieses positionsbezogene Spiel nutzt - ähnlich wie das Spiel Ingress des gleichen Herstellers - eine Spielumgebung auf dem Prinzip der erweiterten Realität (Augmented Reality).

Das Spiel ermittelt durch das Global Positioning System (GPS) und Mobilfunkortung die Standortdaten des Spielers und positioniert ihn virtuell auf einer Landkarte, die auf dem Kartenmaterial von Google Maps basiert. Das Spiel wird im Empfangsbereich des GPS-Signals, also in der Regel im Freien, gespielt und nutzt Sehenswürdigkeiten, Wahrzeichen und auffällige Objekte der materiellen Welt zur Gestaltung einer virtuellen Spielwelt. (Wikipedia)
Dabei wird gerne gegessen und getrunken, wobei einige wenig erzogene Typen gerne ihren Abfall in Form von Flaschen, Büchsen, Papieren, Zigarettenkippen usw. usf. am Boden liegenlassen. Die Sigristin hat dann die wenig erfreuliche Aufgabe, diesen Aball am Morgen danach zusammenzulesen und ihn seinem Bestimmungsort zuzuführen.

Vor einigen Tagen durfte ich beobachten, wie einer dieser Typen an die Kirchenmauer pinkelte. Ich schimpfte mit ihm und fragte ihn, ob seine Kinderstube unbeachtet an ihm vorübergegangen sei. Es ist bemerkenswert, dass dieses wohlstandsverwöhnte Bubi den Satz nicht verstand, obwohl ich ihn zweimal wiederholte. Da hat sich offensichtlich und traurigerweise ungenügende Erziehung mit sprachlichen IQ-Defiziten gepaart.

Ich habe mir einen Spass geleistet und die Abfälle dreier Abende teilweise zusammengelesen und in einem wasserdichten Kehrichtsack gelagert. Einige Tage später nahm ich den Abfall wieder hervor, drapierte ihn hübsch vor dem Haupteingang zur Stadtkirche und fotografierte ihn ausgiebig. Danach steckte ich den Abfall wieder in den Sack und entsorgte ihn. Bei dieser Tätigkeit begann ich zu dichten:
Hört ihr Leut, und lasst euch sagen,
Schröckliches ist zu beklagen.
Jeden Abend lauf ich heiter
Auf den Schlossberg, und dann weiter
Zu der Kirche, die da thronet,
Und wo meine Orgel wohnet.

Bin ich dann beim Kirchentor,
Kommt es mir recht lustig vor,
Dass da viele junge Mannen
Sich vom Smartphone lassen bannen.
Diese Herren spielen nämlich,
Pokemon-Go, ist das dämlich!

Dämlich? Ich muss das erklären
(Lang schon tut es in mir gären):
Diese Spieler sind halt eben
Manchmal Schweine, zugegeben.
Denn sie schmeissen - das ist übel -
Ihren Trash NICHT in den Kübel!

Geh ich tags darauf am Morgen
Auf den Schlossberg, krieg ich Sorgen:
Flaschen, Halbgefressnes, Kippen,
Büchsen, Pampers, Schweinerippen,
All das liegt da einfach rum.
Gott, sind diese Leute dumm!
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Kinder in der Kirche
Juni 2016
Mit Kindern kann man manchmal die tollsten und denkwürdigsten Dinge erleben:

So war vor einigen Wochen an einem Vormittag am Üben. Irgendwann hörte ich, dass eine Gruppe die Kirche betrat und nach vorne zum Chor lief. Es musste sich um eine spezielle Menschengruppe handeln, denn - während ich die immer gleichen Chehrlis spielte - war es sozusagen muckmäuschenstill in der Kirche. Es konnte sich hier schwerlich um Touristen handeln, denn diese finden sich in der Kirche des öfteren mit einigem Getöse ein.

Langsam wurde ich neugierig, hörte auf zu spielen und lugte hinunter. Und was sah ich da?: Eine Gruppe von Kleinkindern, die zusammen mit zwei Frauen auf der Chortreppe hockten und andächtig zuhörten. Ich rief dann hinunter, ob sie die Orgel mal von nahem sehen wollten, und die Kinder kamen herauf und staunten.

Es war eine Gruppe der Kita "Gampiross" mit 3-5-jährigen neugierigen, zum Teil auch etwas scheuen Kindern. Ich zeigte ihnen dann die Orgel auf Kleinkinderart und ahmte einige Tiere nach (Elephant, Löew, Vogelgezwitscher, Huhn nach dem Eierlegen). Danach sangen wir einige Kinderlieder, und am Schluss verteilte ich ihnen Schokolade. Für mich - und hoffentlich auch für die Kinder - ein bereicherndes Erlebnis
Kürzlich spielte ich an einer Konfirmation. Einige Leute sassen auf der Empore, darunter auch eine junge Familie mit zwei kleinen Buben. Der kleinere - etwa anderthalb jährig - schaute immer interessiert zum Spieltisch. Irgendwann ging ich zur Familie und fragte, ob ich den Buben ein wenig "hüten" könne.

Das wurde mir erlaubt. Ich nahm ihn auf den Arm und zeigte ihm das Innere Orgel. Danach wanderten wir die steile Emporetreppe hinunter; unten musste ich allerdings ziemlich rasant zur Orgel zurück, weil bereits das nächste Lied zu begleiten war. Später nahm ich ihn zum Spieltisch (die Orgel war ausgeschaltet) und liess ihn auf den drei Manualen "klimpern", wobei er tüchtig in Rage geriet und wie ein Derwisch auf die Manuale hämmerte. Vielleicht wurde da der erste Grundstein für eine spätere Organistenkarriere gelegt...?

Oder da war eine Klasse von 8-9-Jährigen, die an einem Nachmittag KUW-Unterricht hatten. Etwa 18 Kinder kamen auf die Empore und waren munter, neugierig und erheiternd. Erstaunlich viele dieser Kinder spielten ein Instrument (Klavier, Flöte, Blockflöte, Gitarre, Oboe, Percussion). Alle durften die Orgel "ausprobieren", und so fand schliesslich ein Run auf den Spieltisch statt, wobei die Kinder mit ihren Fingern wie wild auf den Manualtasten herumflitzten. Am Schluss der Orgelvorführung spielte ich "We Are the Champions"; danach durften sie Fragen stellen, und SIE STELLTEN EINE MENGE FRAGEN!

Danach probten wir zwei Lieder für den kommenden KUW-Gottesdienst. Die Kinder sangen aus voller Kehle und hielten sich mit kräftigem Händeklatschen im Takt.

... ich merkte wieder einmal, wie gerne ich mit Kindern zusammen bin. Sie sind neugierig, spontan, oft laut, lustig, phantasievoll und beleben mich altes Organisten-Fossil immer wieder aufs Neue.
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In Memoriam Keith Emerson
April 2016
Keith Noel Emerson (1944-2016) war ein dem Progressive Rock zuzuordnender britischer Keyboarder, Komponist und Pianist. Besonders erfolgreich war er in den 1970er Jahren mit der Band Emerson, Lake and Palmer. Sein Stil war vor allem dadurch geprägt, dass er Werke der klassischen Musik unkonventionell - teils jazzig und teils rockig - arrangierte.

Neben dem Flügel verwendete Keith Emerson auch das Clavinet, vor allem aber Hammond-orgeln und Synthesizer (z. B. Moog-Synthesizer, KORG-Synthesizer).

1967 gründete Emerson die Gruppe The Nice. Sie bestand neben ihm aus dem Sänger und Bassisten Lee Jackson, dem Schlagzeuger Brian Davison und dem Gitarristen David O'List. Die Band vereinte in ihren Werken die Musikstile des Jazz, des Blues und des Rock mit klassischen Elementen. Zu ihren Interpretationen gehören beispielsweise Werke von Leonard Bernstein (America aus Westside Story), Johann Sebastian Bach (Ars Longa Vita Brevis, Brandenburgisches Konzert) und Jean Sibelius (Intermezzo from the Karelia Suite). In dieser Zeit war die Hammond-Orgel das von Keith Emerson am meisten benutzte Instrument.

Nachdem Emerson das Werk Switched-On Bach von Wendy Carlos - damals noch als Walter Carlos - gehört hatte, begann auch er mit dem neuartigen Moog-Synthesizer zu experimentieren und wurde der erste Musiker, der ihn auf Tour einsetzte.

Als 1970 The Nice auseinanderbrach, gründete Emerson mit Greg Lake und Carl Palmer die Formation Emerson, Lake and Palmer, mit der er in den 1970er Jahren seine größten Erfolge feierte.

Emerson litt jahrelang an der chronischen Nervenerkrankung Fokale Dystonie mit zunehmender Einschränkung der Beweglichkeit seiner rechten Hand.   (nach Wikipedia)


Hören Sie sich folgende Aufnahmen auf You Tube an:
Tarkus
Tank
Brandenburg
Concerto
Brain Salad
Surgery
Abadons
Bolero
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Man wird älter ...
März 2016
Kein Wunder, dass ich
immer noch rauche!
Der Örgeli-Kusi
Damals spielt ich noch
nicht so gerne vor!
2015
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Rezepte vom Jubiläums-Apéro
November 2015
Beim Apéro nach dem Jubiläumskonzert (800ste Orgelmatinée) vom vergangenen Sonntag servierte ich einige Spezialitäten und wurde dann häufig nach den Rezepten gefragt. Hier finden Sie eine kleine Auswahl:

Vor einigen Jahren lud ich Musikerkolleginnen und -kollegen sowie Kirchgemeinde-Personal zum chinesischen Brunch ein. Schauen Sie sich doch die hübschen Bildchen von diesem Brunch an:
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Kinder aus Chur
September 2015
Wenn ich übe, probe oder unterrichte, schliesse ich die Emporetüre immer ab, sonst hätte ich im Nu einen veritablen Touristenauflauf auf der Empore. Vor 20 Jahren waren die Touristen noch etwas weniger dreist...

Unlängst sass ich an einem Vormittag an der Orgel und übte. In einer Spielpause hörte ich, wie jemand diskret an die Emporetüre klopfte. Ich schaute nach und traf auf vier Kinder, zwei Mädchen und zwei Buben. Ja, sie seien Sechstklässler aus Chur und befänden sich gegenwärtig in einer Art Landschulwoche; schlafen würden sie jeweils in der Jugendherberge in Leissigen. Ob es wohl möglich wäre, bis zuoberst in den Turm zu gehen. Ich musste die Kinder leider enttäuschen (da ich keinen Schlüssel habe), aber wir schwatzten weiter.

Der Wortführer war ein lustiger, etwas altkluger Bube. Er sagte, das grössere Mädchen (dass etwas gebrochen Schweizerdeutsch sprach) sei eine Portugiesin, vom kleineren Mädchen sagte er, die komme aus Indien, worauf die sofort protestierte und sagte, sie komme aus Sri Lanka. Er selber habe kroatische Eltern; dabei sprach er perfekt Gchuurerdüütsch.

Wir dorften noch eine Weile; die Kinder rühmten mein Orgelspiel, und beim Abschied sagte der junge altkluge Bube zu mir altem Organisten: "Mached Sie wyter e so!" - So gelacht (später am Spieltisch, als die Kinder die Kirche verlassen hatten) habe ich schon lange nicht mehr!
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Marcel Dupré: Organist und Komponist
August 2015
Marcel Dupré (1886-1971) war sicher einer der heraus-ragendsten Organisten des 20. Jahrhunderts.

Er wurde in Rouen als Sohn von Albert Dupré und Marie-Alice Chauvière geboren. Der Vater, Schüler von Alexandre Guilmant, lehrte als Musiklehrer am Lycée Corneille und war Organist an der Kirche St-Ouen de Rouen. Die Mutter war Pianistin und Schülerin von Aloys Klein. 1893 erhielt Dupré durch seinen Vater den ersten Musikunterricht. Drei Monate später spielte er zum ersten Mal öffentlich bei einer Hochzeit in Elbeuf die Orgel.

1894 hatte er als Achtjähriger eine Begegnung mit dem Orgelbauer Aristide Cavaillé-Coll, der gemeinsam mit ihm einen Spaziergang an der Seine unternahm, während die Eltern für eine Orgelweihe probten. 1896 wurde Louis Vierne in Saint-Valéry-en-Caux Zeuge seines Orgelspiels. 1902 - im Alter von 16 Jahren - begann Dupré sein Studium am Pariser Konservatorium.

Er studierte zunächst Klavier bei Louis Diémer und später Orgel bei Alexandre Guilmant, der bereits seinen Vater Albert Dupré (1860-1940) ausgebildet hatte. Dupré studierte außerdem Komposition bei Charles-Marie Widor. 1934 wurde er Widors Nachfolger als Organist an der großen Cavaillé-Coll-Orgel von St-Sulpice de Paris.

Er schuf ein umfangreiches Werk für Orgel, wurde Lehrer vieler bekannter Organistenpersönlichkeiten wie Olivier Messiaen, Marie-Claire Alain, Pierre Cochereau und prägte den Orgelstil und die Qualität der Organisten seiner Zeit.

Duprés Gesamtwerk umfasst rund einhundert Werke für Klavier, Orgel, Orchester, Chor und Kammermusik, wobei einige Jugendwerke bisher nicht veröffentlicht wurden. Sein kompositorischer Schwerpunkt war jedoch die Orgel. Als brillanter Konzertorganist und Improvisator unternahm Dupré zahlreiche weltweite Konzerttourneen. Einige seiner wichtigsten Orgelwerke entstanden durch Improvisation und wurden vom Komponisten nachträglich aufgezeichnet

Außer seiner kompositorischen Tätigkeit trat er auch als Herausgeber der Orgelwerke von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Georg Friedrich Händel hervor, gab aber auch Werke von César Franck, Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Liszt heraus (nach Wikipedia).

Eines meiner Lieblingswerke von Dupré ist Cortège et Litanie, das ich am 1. November anlässlich der 800. Orgel-matinée spielen werde. Eher kurz und technisch nicht allzu schwierig, entrückt dieses Stück im verhaltenen "Cortège" und entzückt mit einer gewaltigen Steigerung in der "Litanie". Sie können sich die Version vom amerikanischen Organisten Doug Marshall auf You Tube ansehen und anhören.
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Der Bleistifthalter als Registerzug
August 2015
Kürzlich schickte mir Erik eine hübsche Detail-aufname des Spieltisches einer holländischen Orgel:
Ich meinerseits würde folgenden Registerzug favorisieren:
Und dann war da noch ein früherer Hilterfinger-Organist mit einer etwas bissigen Zunge. Er wünschte sich folgenden Fusstritt:
Der Pfarrer bräuchte manchmal auch einen Fusstritt (für den Organisten):
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"Star Wars" an der Konfirmation
Juni 2015
Was spielt man für Stücke, wenn die Kids für ihre Konfirmation als Motto Star Wars gewählt haben? Im Film geht es ja vor allem um den ewigen Kampf zwischen Gut & Böse. Aber - allzu polarisierende Musik fand ich nicht, und irgendwelche Dibidäbi-Stücke zu spielen hielt ich für unklug.

Da kam mir das bekannte Stück The Final Countdown in den Sinn, mit dem die schwedische Gruppe "Europe" in den 1980er-Jahren grosse Erfolge gefeiert hatte. Das gab das Ausgangsspiel. Als Eingangsspiel spielte ich Conquest Of Paradise von Vangelis; passt ja irgendwie auch zum All, nicht wahr?

Jetzt blieb noch ein Zwischenspiel auszuwählen, und ich dachte: "Wenn zwei Könfeler sonntags zuvor Imagine von John Lennon gesungen und sich dabei auf dem Piano begleitet haben, kann ich dieses Stück heute auf der Orgel spielen".

Gedacht - getan, und die Leute waren's offenbar zufrieden.
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Kobolde
März 2015
Kürzlich fand im Kirchgemeindehaus ein munterer Taufgottesdienst statt. Unsere KUW-lerinnen hatten ein Liedblatt vorbereitet. Während ich das erste Lied Morning Has Broken begleitete, stellte ich erstaunt fest, dass offenbar irgendwelche Akkord-Kobolde die Noten und die Akkordbezeichnungen etwas durcheinandergebracht hatten...
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Bloody Organ
März 2015
Kürzlich spielten mehrere Organistinnen und Organisten anlässlich eines Gedenkkonzerts für einen letztes Jahr verstorbenen Organisten. Während meine zwei Stücke angesagt wurden, begab ich mich mit Noten und Lesebrille zum Spieltisch, der sich seitlich an der Brüstung der Empore befindet. Dor kontrollierte ich die Lage der Orgelbank und wollte noch schnell die Höhe der Bank testen.

Ich senkte also den Kopf Richtung Kirchenschiff, und  BOING!!!  schon knallte es, und ich knallte die Birne ans vorher dummerweise nicht beachtete Metallgeländer. Ich erblickte kurz die Lichter im Elsass, liess mich zu einer erlesenen (vom Publikum hoffentlich nicht gehörten) Ver-wünschung à la "Himmel, Arsch & Zwirn" hinreissen, setzte mich auf die Bank und begann zu spielen.
Bald merkte ich, wie sich oben an der Stirne allmählich etwas zu bewegen begann, und ich dachte "Scheibenkleister! Hoffentlich tropft kein Blut auf Finger und Tasten!". Es tropfte dann auch keines, und ich konnte meinen Einsatz ohne Störung zu Ende bringen. Nachher musste ich allerdings eine kleine Selbstverarztung vornehmen.

Und die Moral von der Geschichte:

Ein Berner Organisten-Grind ist nicht von Blastigg.
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Bümpliz, ich muss dich lassen   -   CD von Erwin Messmer
Januar 2015
Der langjährige Organist an der Reformierten Kirche Bern-Bümpliz geht in Pension. Letzten Sommer hat er eine CD unter dem Titel  Bümpliz, ich muss dich lassen  aufgenommen. Sie finden darauf Orgelmusik von Buxtehude, Mozart, Brahms, Liszt, Schumann, Alain u.a.

Wenn Sie diese CD erwerben möchten, wenden Sie sich bitte an e.messmer@gmx.ch.
2014
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Hannes Meyer hat sich verrechnet
Dezember 2014
Hannes Meyer war ein Schweizer Organistenpionier erster Güte und hat sich mit dem Spiel "unernster" und orgelfremder Musikliteratur während Jahren und Jahrzehnten Freunde und Feinde gschaffen. Mit seiner Schanfigger Bauernhochzeit erlangte er weit über die Schweiz hinaus Ruhm und Anerkennung.
Vor Jahren wurde er angefragt, ob er bei einer kirchlichen Trauung orgeln würde. Hannes Meyer war nicht so begeistert von diesem Job und wollte ihn eigentlich ablehnen, ohne die Leute zu brüskieren. Demzufolge verlangte er das unverschämte Honorar von 3500 Franken und hoffte, so der Trauung entgehen zu können.

Der Trick klappte jedoch nicht!! Das Braupaar war offenbar vermögend und akzeptierte den Preis ohne Murren, und Hannes Meyer musste somit in den sauren Apfel beissen...
Das Bild oben links wurde mir freundlicherweise von Frau Caecilia Sturzenegger in Schaffhaussen zur Verfügung gestellt.
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Des Organisten Weihnachtsgeschenk
Dezember 2014
Bei der Vorbereitung eines Weihnachtskonzerts in einer Berner Vorortsgemeinde hatte ich dieser Tage einiges Pech. Die Orgel klingt zwar hübsch, Stimmung und Traktur waren soweit in Ordnung, und (eigentlich) hätte man mit Spass und Freude diese Orgel traktieren können. Aber dann zeigte sich die Röndle von ihrer ungnädigsten Seite, denn allerlei Ungattliges passierte...

...einige Tastenbeläge lösten sich von den Tasten und mussten mit Sekundenkleber wieder angeleimt werden. Anschliessend durfte ich dann noch die mit Leim verschmierten Fingerkuppe unter Zuhilfenahme von Aceton reinigen...

...eine Registerwippe verlor einen Teil ihres Körpers und kann wegen jetzt scharfer Ränder nur noch mit der Gefahr einer Fingerblutung betätigt werden...

...ein Schütz brachte Gebläse und Gleichrichter zeitweilig zum Erliegen, so dass die Orgel überhaupt nicht mehr lief...

...beim hektischen Einschalten eines Registers an einer belebten Stelle eines schnellen Stückes flog gleich die ganze Wippe ab. Ankleben konnt ich die Wippe nicht mehr, denn sie löste sich teilweise in ihre Bestandteile auf. Jetzt lugt halt ein Holzstumpf aus dem Spieltisch...

Ich verbrachte so einen grossen Teil der geplanten Übezeit nicht mit Üben, sondern mit Schimpfen, Rauchen, Tefonieren, Leute suchen, Tefonieren, Rauchen, Warten, Fluchen, Kaffe trinken, Tefonieren, Kleben, Rauchen, Warten, Tefonieren, Aceton kaufen, Toben, Finger reinigen, Tefonieren, Rauchen...
Am Schluss schtüpfte ich die Orgel etwa fünfmal heftig, installierte dann ein Stilleben am Notenbrett und garnierte dieses mit einem markigen Spruch. Der auf dieser Unglücksorgel residierende Organist nahm das Stilleben auf und schickte mir gefälligerweise das Bild.
Am Konzert ging ich dann noch unter die Dichter und erklärte den Rausschmiss von Dupré's "Antiennes" aus dem Programm folgendermassen:
DIEser Orgel Klang tut mich entzücken.
DOCH das Spiel darauf will nicht so glücken!
DArum tät der Dupré jetzt entrücken,
UND ich werd mit sonstwas Euch entzücken.
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Humor im KUW-Gottesdienst
November 2014
Kürzlich spielte ich in der Chapelle Romande anlässlich eines KUW-Gottesdienstes. Ich betrat die Kapelle kurz vor der Feier; eine muntere Schar von Fünftklässlern war zugegen und erhielt von unserer KUW-Koordinatorin Dorothee noch die letzten "Regieanweisungen".

Da schtüpfte mich wieder mal der Clown in mir: Ich begrüsste die Kinder lautstark und fragte sie, was sie denn hören wollten; ob ich zum Beispiel Alli mini Aenteli spielen sollte. Grosses Gelächter ringsum, aber ein Bub meinte (ernsthaft?), er würde dieses Lied gerne hören.
Da ging ich in mich und spielte - während die Kinder mit den Kollektenkörbchen durch die Reihen gingen - eine etwas spezielle Version der "Aenteli" und kombinierte sie passenderweise mit What A Wonderful World von Louis Armstrong. Die Melodie von "Alli mini Aenteli" war also durchaus hörbar, aber eben, etwas versteckt im 3/4-Takt und rhythmisch ein wenig "verbogen".

Nach dem Gottesdienst kam ein Bub vorbei und meinte leicht enttäuscht, ich hätte das Kinderlied gar nicht gespielt! Ich schwafelte dann etwas über versteckte Melodien und schräge Akkorde, aber der Blick des Buben blieb skeptisch...

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Rentner Rap
August 2014
Der Kabarettist Dieter Hildebrandt hat letztes Jahr - kurz vor seinem Tode - den Rentner Rap in der Sendung Neues aus der Anstalt aufgeführt.
wo ich geh / wo ich steh'
was ich höre / was ich seh'
rappen Deppen diesen Schmäh'
den ich meistens nicht versteh'
leise flehen meine Glieder
singt doch meine Lieder wieder
doch die miesen, miesen Brüder
rappen meine Lieder nieder / ja!
unten siehste Teenies hocken
noch nicht hintern Ohren trocken
die dich schrecken / die dich schocken
dich mit dicken Lippen locken
aufgespritzt und aufgeblasen
zugepierct die Babynasen
unter'm Bauch kommt's wabblig raus
Baby, du siehst scheisse aus! / ja!
und daneben hocken Knaben
die den Arsch voll Akne haben
und so blöde Hosen tragen
die ein Jahr im Dreck rumlagen
geile Röhren irgendwie
nur der Hintern hängt im Knie
und es kommt auf's Gleiche raus
Bubi, du siehst scheisse aus! / ja!
wo ich geh / wo ich steh'
was ich höre / was ich seh'
immer hörste es nur rappen
selbst in Heppenheim und Meppen
und warum frag ich mich Deppen
muss ich mich bis Meppen schleppen
weil sich Heppenheim und Meppen
ganz vorzüglich reimt auf Rappen / ja!
ja oder nein
das muss keine Frage/Antwort sein
ich bin klein / mein Herz ist rein
ich komm auch in den Himmel rein
steh ich an der Himmelstür
und dann frag ich / und dann sag ich
kann doch auch / ich doch auch
ich kann doch wirklich nichts dafür / ja!
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Alles fährt links
August 2014
Kürzlich fuhr ich auf der Autobahn an ein Konzert in Solothurn. Die dabei gemachten Beobachtungen führten mich zur Variation eines bekannten Skifahrerliedes.
In der Schweiz fahren sehr viele Elephanten und andere Bremser auf den Autobahnen - und dies bei meistens nur zwei Spuren. Und das führt dann halt bei vielen Autofahrern zur Einhaltung eines konequenten Linksverkehrs.

Was man hierzulande vielleicht schon lange erlauben und einführen sollte, ist das Überholen auf der rechten Spur. In dieser Hinsicht sind die Amerikaner Weltklasse. Auf dem untenstehenden Video können Sie virtuell die landschaftlich sehr reizvolle Fahrt auf der Interstate 5 von Los Angeles durchs San Fernando Valley und dann über den Tejon Pass steil hinunter bis ins Central Valley erleben - und sich dabei am Slalomverkehr ergötzen.
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Gams   -   Gäms   -   Gems
August 2014
Die wenig beliebte Rechtschreibereform der Deutschen Sprache von (je nachdem) 1997 oder 2004 verleitet mich zu der Frage, wann denn endlich der erste Orgelbauer soviel Mut habe, aus dem Gemshorn ein Gämshorn zu machen.

Ätsch...   Ätsch...   Harr...   Harr...
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Der spezielle Trauergottesdienst
August 2014
Unlängst spielte ich an einer ganz besonderen Abdankungsfeier. Da der Verstorbene ein grosser Musikliebhaber gewesen war, stand die Musik im Mittelpunkt dieser Feier, die denn auch eineinhalb Stunden dauerte! Die Trauergemeinde sang mehrere Lieder, eine Mezzosopranistin sang Arien und Oberstimmen zu den Liedern, und ich begleitete bezw. solierte auf Klavier, Orgelpositiv und grosser Orgel.

Die Trauerfeier begann mit Musik und endete mit Musik. Dazwischen folgten in regelmässiger Folge Musik und Wortteile. Die Musikstücke wurden allesamt von der Trauerfamilie festgelegt:

Eingangsspiel Klavier
Präludium aus der Englischen Suite No. 3 in g-moll von Johann Sebastian Bach
Taizé-Lied mit Positivbegleitung
Nada te turbe
Taizé-Lied mit Positivbegleitung
Laudate Dominum
Arie mit Positivbegleitung
"Mein gläubiges Herz"
aus der Pfingstkantate von Johann Sebastian Bach
Lied mit Klavierbegleitung
"Mondnacht" von Robert Schumann
Arie mit Positivbegleitung
"Ich weiss, dass mein Erlöser lebt"
aus dem "Messias" von Georg Friedrich Händel
Zwischenspiel Klavier
Nummer 4 in cis-moll
aus den "Moments musicaux" von Franz Schubert
Zwischenspiel grosse Orgel
"Von Gott will ich nicht lassen."
Leipziger-Choral von Bach
Taizé-Lied mit Positivbegleitung
O Christe Dominum
Taizé-Lied mit Positivbegleitung
Mon âme se repose
Lied aus dem KGB
Wer nur den lieben Gott lässt walten
Ausgangsspiel Klavier
"Wohltemperiertes Klavier I" von Bach:
Präludium Cis-Dur und Improvisation über das Thema der darauffolgenden Fuge
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Frauen - Pauer
Juli 2014
Heidi Bosshard hat mir kürzlich einen empfehlenswerten Link geschickt.
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Hilfe, ein Ton fehlt !!!
Juni 2014
Vor einigen Wochen: Ein Liederabend mit der Sängerin Katharina Ischi in der Kirche Reutigen. Ich begleite Katharina auf dem herzigen Metzler-Örgeli und spiele auch einiges solo, darunter das Ave Maria von Bach-Gounod.

Ausgerechnet dieses Stück habe ich nicht geübt, (nur den Anfang angespielt, wegen der Registrierung) nach dem Motto "Das ha-ni scho hundertmal gschpilt, das cha-ni eh!".
Denkste! Ich spiele die Melodie im Pedal mit einer hübschen vierfüssigen Flöte vom Hauptwerk und die Arpeggien auf dem Brustwerk mit einem stillen Gedackt, geniesse mein Spiel und denke dabei, was ich doch für ein organistischer Platzhirsch sei. Und dann kommt die ausdrucksvollste Stelle in der Melodie, wo ich doch ein e1   spielen sollte, und ich merke einen Takt vorher endlich, dass es dieses e1   gar nicht gibt! (Das Pedal geht kurioserweise nur bis zum d1 )

... habe ich geschwitzt!
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Ein köstliches Orgelstück:
Streitgespräch zwischen einem Elephanten und einem Choral
April 2014
Der amerikanische Pianist und Komponist Curtis Curtis-Smith schrieb 1972 die Suite "Masquerades" mit 7 Orgelstücken. Eines dieser Stücke heisst "Wie lieblich ist doch, Herr, die Stätte" und trägt den Untertitel "Jig for an Elephant".

... ein frommes Kirchenlied säuselt durch die Savanne Afrikas, klingt aus... UND PLÖTZLICH trottet ein Elephant daher, nascht an den Baumkronen und freut sich seines Lebens. Doch da erklingt wieder zienlich penetrant das Kirchenlied, der Elephant gerät aus dem Takt, Choral und Elephant tragen ein musikalisches Streitgespräch aus und...

Das Kirchenlied spielt der Organist in feiner Registrierung auf dem Manual, der Elephant wird mit Doppelpedal und einem kräftigen Posaunenregister dargestellt.

Viel Spass beim Zuhören!

Aufnahme 2014 auf der neuen Metzler-Orgel
in der Pauluskirche Bern
Verzeichnis
Jürg Neuenschwander ist gestorben!
März 2014
Vollkommen überraschend ist vor wenigen Tagen Jürg Neuenschwander in seinem 67. Lebensjahr verstorben.

Er hinterlässt eine grosse Lücke. Nicht nur in seinem privaten Umfeld, sondern auch in der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Burgdorf. Denn er war nicht einfach nur einer, der ein paar Tasten drückte, damit die Kirchenlieder etwas unterlegt waren. Nein, Jürg Neuenschwander war Organist mit Leib und Seele. Einer, der sich leidenschaftlich dafür einsetzte, dass die Kirche auch ausserhalb der Gottesdienste mit Leben und Musik erfüllt war.
Er spielte aber nicht nur in "seiner" Stadtkirche, er war an ungefähr 50 Wochenenden pro Jahr als Organist unterwegs, auch im Ausland. Bis vor wenigen Jahren war er Klavier- und Orgellehrer im Gymnasium Hofwil in Münchenbuchsee. Jürg Neuenschwander war auch künstlerischer Leiter des Konzertzyklus an der Stadtkirche Burgdorf. Und in dieser Rolle beschritt er immer wieder neue Wege, sprengte Grenzen.
Unvergessen bleibt auch, wie er die Volksmusik im Allgemeinen und den Jodel im Speziellen in die Kirche brachte und für die Orgel adaptierte. Besonders die Lieder des bekannten Jodelkomponisten Adolf Stähli hatten es ihm angetan; diese adaptierte er immer mal wieder für die Orgel. Mit Stähli verband ihn bis zu dessen Tod 1999 auch eine Freundschaft.

Mit diesem musikalischen Spagat und dem Ausflug in die Volksmusik gelang es Jürg Neuenschwander, das Image der Orgel als reines Kircheninstrument zu entstauben und diese Musik einem breiteren Publikum bekannt zu machen.

(Gekürzter Nachruf aus der "Berner Zeitung")
2013
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Spare am Sonntag...
November 2013
...so hast du am Montag!

Auf dem Bild links sieht das tit. Publikum eine hübsche Auslegeordnung des Kleingeldes einer Kollekte eines unlängst dargebotenen Konzertes.

Ist der Wert des Gezeigten auch eher gering, so entzückt trotzdem der farbenfrohe Glanz der durch die Photokamera beblitzten und festgehaltenen Münzen.

Da im christlichen Abendlande der Sonntag der letzte Tag der Woche ist, empfiehlt es sich durchaus, beim Einlegen des Konzertobuli seine Börse von überflüssigem Füllmaterial zu befreien, damit die neue Woche wohlgemuth und mit erleichtertem Geldsäckel in Angriff genommen werden könne.
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Die Kirche bleibt im Dorf...    ...die Orgel bleibe in der Kirche
Juli 2013
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Die Abendmusik vom 30. August steht unter dem Motto Combo-Jazz mit den Haesler Brothers. Zu Gast sind Sandro Häsler (Trompete) und sein Bruder Rolf (Saxophon und Klarinette). Ich freue mich schon jetzt auf dieses Konzert. Die Besetzung ist tatsächlich combo-mässig klein, aber da auf der Orgel ja mehrere "Parts" gespielt werden können, wird die Band eigentlich mit fünf Spielern aufwarten, nämlich...
Sandro Häsler
Rolf Häsler
Organist - Füsse
Organist - Linke Hand
Organist - Rechte Hand
Trompete
Saxophon und Klarinette
Bass
Gitarre bezw. Rhythmus
Orgel bezw. Klavier
Das reicht eigentlich schon, um eine kleine Dixieland-Band à la Firehouse Five (plus two) auf die Beine zu stellen. Danach folgen Stücke mit einem etwas esoterischen Touch, und am Schluss hören Sie wohlklingende und bekannte Jazz-Standards von Duke Ellington und seinen Mannen.

Bei dieser Gelegenheit kommt mir die Abendmusik vom November 2000 mit dem leider allzu früh verstorbenen Saxophonisten und Allroundmusiker Raphael "Paffy" Zehnder in den Sinn. Das Konzert unter dem Motto "Ballads and More" war damals gut besucht; die Kombination Saxophon - Kirchenorgel wirkte reizvoll. Paffy und ich hatten eine Menge Spass beim Proben und beim Konzert, und die Zuhörerschar goutierte gutgelaunt die süffigen und manchmal auch ausgeflippten Klänge.

...und nach dem Konzert schlich ich mich hinaus in die Dunkelheit, um eine Zigarette zu rauchen; Dabei belauschte ich ein die Kirche verlassendes Paar:

Er:   "Gäu, das isch no äs guets Konzärt gsy".
Sie:   "Ja scho. Aber warum hei die das in-ere Chiuche gmacht?".

Ich schüttelte den Grind, bis mir die Neuronen aus den Ohren flogen.
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Yvonne - die Kuh - auf der Orgel
Juli 2013
Das Motto einer Orgelmatinée im Juni war "Tierische Orgelmusik". Nun, ein Motto ist schnell erfunden, und zuerst wollte ich nur klassische Musik spielen. Es gibt ja eine reiche Auswahl wie den Carnaval des animaux von Camille Saint-Saëns, oder Peter und der Wolf von Sergej Prokofiew oder auch Le Coucou von Louis Daquin respektive Louis Vierne usw.

Da sitze ich halt Ende April am Computer und durchforste das Internet bezw. mein Gedächtnis nach tierischer Musik... ...und plötzlich kommt mir Flipper ist unser bester Freund in den Sinn, später der Tiger Rag, und auf You Tube finde ich tatsächlich noch Yvonne, die Kuh.
Diese schlaue und freiheitsliebende Kuh büxte 2011 aus und versteckte sich während dreier Monate, wie man hier nachlesen kann. Und dann höre ich mir noch den dazugehörigen Song an und bin sofort begeistert von diesem deutschen Schlager.
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Amerikanische Organisten-Superstars
Mai 2013
Interessant wirkt oft die Spielweise amerikanischer Organisten-Superstars. Während das Fahrverhalten der Amerikaner auf den Autobahnen und übrigen Strassen im allgemeinen recht gemütlich und angenehm defensiv ist (mit Ausnahme einiger nervöser Städt wie New York oder San Francisco), überraschen andererseits diese Superstars dank einer stupenden Technik oft mit einem rasenden Spieltempo.

Dazu kommen häufige Registerwechsel bezw. Klangfarbenänderungen und ein durchaus show-mässiges (wenn nicht sau-mässiges) Spielgebaren, so dass ein Werk von Bach dem Auge gelegentlich eher mehr als dem Ohre bietet. Zwei dieser Stars möchte ich Ihnen hier vorstellen:

VIRGIL FOX spielt die a-moll-Fuge von Bach.
Die Fuge beginnt bei 3:30. Beachten Sie Foxens amüsanten Seitenblick beim Fugenende.

CAMERON CARPENTER spielt die g-moll Fuge von Bach
Auf dieser Aufnahme sieht man deutlich, dass die amerikanischen Organisten auf ihren Füssen einfach immer kleinere Strecken zurücklegen müssen (wegen der radialförmigen Pedale) als wir armen Europäer.
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Tartare oder Toccata
April 2013
Gelegentlich werde ich darauf angesprochen, warum (um Himmels willen) auf der Webseite namens "Stadtkirche Thun" so unerwartet unmusikalische Dinge wie Kochrezepte oder Bilder aus dem Ausland anzutreffen seien. Ich antworte dann jeweils, dass auch Organisten Normalsterbliche seien und nach dem Motto handelten: "Der Organist ist, was er isst, sieht, erlebt und erfährt." Oder, frei nach Brecht:

Zuerst kommt das Tartare, dann die Toccata! Das Rezept fürs Tartare finden Sie hier.
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Die schlagfertige Mutter
Februar 2013
Ab April bis Oktober strömen Heerscharen von Touristen durch Thun, schnaufen den Schlossberg hinauf und gehen dabei auch auf einen Sprung in die Kirche. Dort hat es ein Gästebuch beim Seiteneingang. Und darin - man glaubt es kaum, da die Kirche ja ziemlich sanierungsbedürftig ist - preisen und loben die Besucher die Kirche, ihre schlichte Architektur, ihre Helligkeit und Ruhe.

Mit der Ruhe ist es aber dann bald vorbei, denn die Touristen werden von Jahr zu Jahr nicht nur zahlreicher, sondern auch lärmiger und dreister. Konnte ich 1992 bei bei  geöffneter Emporetüre üben (es verirrte sich kaum je einmal ein Tourist auf die Empore), muss ich heute diese Türe sofort hinter mir abschliessen.

Vorletzten Sommer besuchte eine Schweizer Familie mit zwei kleinen Kindern die Kirche. Ich war am Üben und hatte einige Probleme, weil die Kleinkinder durch die Kirche rannten und schrien. Nach einigen Minuten begab ich mich an die Brüstung und bat die Eltern um weniger Lärm. Die Antwort der Mutter: "Warum? Dir machet ja meh Lärm" ...

... mir blieb glatt die Luft weg (zum Glück nicht der Orgel).
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Raphael "Paffy" Zehnder
Januar 2013
Der 1951 in Villmergen geborene Schweizer Saxofonist, Multiinstrumentalist, Komponist, Bandleader und Musiklehrer Raphael "Paffy" Zehnder, der in Hünibach bei Thun lebte, ist am 15. Januar 2013 gestorben.

Der Saxophonist Raphael Zehnder war seit den 1980er-Jahren in der Jazzmusik unentwegt aktiv: Nach seiner ersten Band Intro gründete er 1986 die Band Twice a week, mit der er im In- und Ausland auf Tournee war und unzählige Konzerte - auch mit Gästen wie Christy Doran, Steve Elson oder Rhonda Dorsey - gab. 1997 folgte die Gründung von Jazzattack. 2005 rief er die Jazzband fonixx ins Leben, mit der er auch im Rahmen des Kulturaustauschprojektes Thun-Gabrovo in Bulgarien unterwegs war. Unter anderem trat er dort am renommierten Apolonia Festival am Schwarzen Meer auf. 2007 erhielt er den Thuner Kulturpreis im Bereich Musik.

Raphael Zehnder war ein äusserst vielseitiger Musiker, der sich gerne auf gewagte Experimente einliess und immer wieder neue Herausforderungen suchte.

So war er auch in der Stadtkirche Thun zu Gast, wo er 2005 an einer Abendmusik unter dem Motto Ballads and more.. seine erstaunlichen Fähigkeiten unter Beweis stellte.
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Die Kunst des Registrierens
Januar 2013
Die Orgel in der Stadtkirche Thun verwöhnt mich seit mehr als 20 Jahren masslos. Drei Manuale, zahlreiche Grundtonregister in der 8'-Lage, kräftige und zarte Zungenregister, eine satte Voix céleste sowie ein starker Tremulant lassen wenig Wünsche offen. Der Computer (im Orgeljargon "Setzer" genannt) erlaubt das einfache Abspeichern und Abrufen zahlloser Registrierungen, so dass fast die gesamte Literatur - ohne Beihilfe von "Hebammen" (das sind die Leute, die links und rechts assistieren, Seiten wenden und Register an- und abstossen) - vom Organisten allein bewältigt werden kann.

Besonders staunen muss ich immer wieder, wie die Orgel auch bei gut- oder vollbesetzter Kirche immer noch genügend "Druck" und Volumen erzeugt. Bruno Vergés, mein Vorgänger, nannte die Orgel übrigens eine "Allerweltsorgel", auf der sich fast alles spielen lasse, und dieser Bezeichnung kann ich nur beipflichten.

Erstaunlicherweise lassen sich aber auch auf kleineren Orgeln mit einigen Tricks erstaunliche Klangfarben und Effekte erzeugen. Mein Bestreben wird es daher sein, in loser Folge einige Registriertipps im "Organisten-Alltag" zu verraten.
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Wie spielt man die Orgel?
Januar 2013
In der 17-Uhr-Vesper vergangenen Silvester bereicherten Peter und Hans, zwei Trompeter, den Gottesdienst. Einige Tage zuvor probten wir. Hansens Frau und die zwei Grosssöhne waren auch dabei. Nach der Probe kamen sie auf die Empore und sahen sich die Orgel und das Spiel auf ihr an.

Am Abend fragte Hans seinen jüngeren Grossbuben (etwa zweijährig), wie denn das Instrument heisse, das der Markus gespielt habe. Der Bub antwortete: "Olgälä" ...

... und auf die Frage, wie die Orgel gespielt werde, stampfte der kleine Bub mit den Füssen auf dem Boden herum ...
2012
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Bach oder Pop?
Dezember 2012
Im Februar 1992 begann ich meine Stelle als Organist der Stadtkirche Thun. Als mehr oder weniger "unbeschriebenes" Blatt sah ich mich plötzlich genötigt, für Gottesdienste und Konzerte enorm viel zu üben (...nachdem ich vorher etwa zehn Jahre lang das Üben aufs Minimum beschränkt und vor allem von den Reserven gelebt hatte ). Ich fühlte mich etwas gestresst und dachte: "Dene Lüt da muesch de e chly öppis Rächts biete und nid geng nume so Dibidäbimusig schpile!"

Und dann kam der 24. Dezember, und die Kirche war um 23 Uhr platschvoll, und ich hatte "öppis Rächts" als Eingangsspiel vorbereitet, nämlich die grosse C-Dur-Toccata von Bach (die mit dem langen Pedalsolo).

Im darauffolgenden Januar traf ich zufällig einen früheren Kollegen in einer Thuner Beiz. Dieser Kollege hatte offenbar die Heiligabendfeier besucht, aber er meckerte ziemlich über meine Stückwahl und Spielweise. Er hätte gerne etwas "Populäreres" gehört, zum Beispiel ein bekanntes Weihnachtslied oder so.

Ich ging in mich und spielte im Dezember darauf eine etwas freche und rockige Version von "Ihr Kinderlein kommet" als Aussgangsspiel in der Mitternachtsfeier. Das Stück gefiel den Leuten offenbar so gut, dass sie anschliessend - also etwa um Mitternacht - kräftig klatschten.

Der an dieser Feier mitgewirkt habende Pfarrer wurde einige Jahre später pensioniert. Das "Thuner Tagblatt" veröffentlichte ein grosses Interview mit dem scheidenden Pfarrer. Dieser kramte in seinen Erinnerungen herum und erwähnte auch die besagte Heiligabendfeier von 1993: Es sei ein so andächtiger und beschaulicher Gottesdienst gewesen, und dann habe der Organist mit seinen lärmigen Variationen über "Ihr Kinderlein kommet" die feierliche Stimmung total aus dem Ruder laufen lassen ...

... nimmt mich nur wunder, was besagter Pfarrer zu den "Scènes pastorales" von Lefébure-Wély gesagt hätte. Ein Werk voller Donnergrollen und Sturmesrauschen seitens der Orgel und vom Komponisten als apartes Stück für die Christnachtmesse oder für die Einweihung einer neuen Orgel vorgesehen.
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Zum Schmunzeln
Dezember 2012



Seit bald drei Jahren lerne ich Arabisch. Hatte ich ursprünglich vor allem der wunderschönen Schrift wegen damit begonnen, lernte ich auch nach und nach den Klang der Sprache und ihre blumige Ausdrucksweise lieben. Die Grammatik des Arabischen ist leider ziemlich kompliziert (und viele Araber sind auch noch stolz darauf...). Aber - Insch'Allah - irgendwann werde ich es doch noch richtig lernen. Allah heisst übrigens schlicht und einfach "der Gott".
Item! Letzten Herbst war ich längere Zeit in Tunesien. Auf dem Souq (Markt) in der Altstadt von Hammamet traf ich einen Gewürzhändler. Fromme Muslime beten fünfmal am Tag, wobei sie mit der Stirne den Boden berühren. Wer das mehrere Jahre gemacht hat, bekommt allmählich einen zunehmend auffälligeren braunen Fleck auf der Stirne.

Mein Gewürzhändler hatte auch so einen Fleck, war also ein frommer Muslim, und so fragte ich ihn: "Warum heisst es Allah-u akbar und nicht Allah-u kabir ?" - "Kabir" heisst "gross", und ich dachte immer, die klassische Formel laute Gott ist gross. Mein Gewürzhändler belehrte mich dann, dass "akbar" der Superlativ von "kabir" sei, auf Deutsch also "der Grösste" heisse. Allah-u akbar heisst also Gott ist der Grösste.

Mein Gesprächspartner versuchte in der Folge, mir die Vorzüge seines Glaubens vor Augen zu führen und mich zum Islam zu bekehren. Ich musste ihm dann halt mitteilen, dass ich als Musiker in einer christlichen Kirche arbeite; deshalb könne ich erst in viereinhalb Jahren - also nach meiner Pensionierung - eine Konversion zum Islam in Erwägung ziehen. Der Mann begriff es, aber er schaute mich etwas missmutig und enttäuscht an ...
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Kirche   -   Moschee
September 2012
Ich habe einen Grossteil meines Lebens in Kirchen verbracht. Wenn ich - in der Schweiz oder im Ausland - schon von weitem einen Kirchturm sehe, erfreut mich dieser Anblick regelmässig, und meistens trachte ich danach, zu dieser Kirche zu gelangen, sie von aussen und innen zu besichtigen und nach Möglichkeit die darinnen befindliche Orgel "auszuprobieren".

Um so erstaunter war ich vor zwei Jahren, als ich zum ersten Mal Tunesien - ein Land voller Moscheen - besuchte. Die schon von weitem sichtbaren Minarette erinnerten mich sehr stark an unsere "einheimischen" Kirchen und wirkten auf mich überaus "heimelig".
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Ländlermusik auf der Orgel  -  darf man das?
August 2012
Schon früher gab es Bestrebungen, auf der Kirchenorgel auch Musik zu spielen, die nicht unbedingt für sakrale Zwecke gedacht war. Im 18. Jahrhundert setzte Abbé Vogler einen Meilenstein in der populären Orgelmusik; vor einigen Jahrzehnten war es vor allem Hannes Meyer, der mit seinen launigen Ländlerstücken neue und überraschte Zuhörerscharen fesselte.

Vor einigen Jahren verstarb ein hochangesehener und bekannter Thuner Gymnasiallehrer. Da viele Trauergäste erwartet wurde, verlegte man die Abdankungsfeier in die Stadtkirche. Die Trauerfamilie bat mich, einige Jodellieder von Adolf Stähli zu spielen; der Verstorbene hätte diese Lieder überaus geschätzt. Ich dachte einen Moment nach und entschied mich dann, während der ganzen Trauerfeier folkloristische Musik zu spielen.  -  Ich spielte dann drei Stähli-Lieder als Zwischenspiel, sowie einen gemässigt fröhlichen Walzer und eine eher ruhige Polka als Eingangs- bezw. Ausgangsspiel.

Die Reaktionen waren interessant: Die Trauerfamilie fand es sehr passend und auch im Sinne des Verstorbenen, dass die Stähli-Lieder von Ländlermusik eingerahmt worden waren. Recht viele Trauergäste fanden es allerdings völlig daneben, dass ich die Trauerfeier mit diesen so lebensbejahenden Volksmusikstücken "gestört" hatte.
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Solisten-Honorare
Juni 2012
Um einen Gottesdienst musikalisch zu bereichern, wird - vor allem in feierlichen Gottesdiensten wie Karfreitag, Pfingsten oder Weihnachten - gerne eine Solistin oder ein Solist beigezogen. Es kommt also vor, dass eine Flötistin, ein Trompeter, eine Violinistin oder ein Sänger mit ihrem Spiel bezw. Gesang den Gottesdienst verschönern.

Im Jahre des Herrn 1989 - also vor 23 Jahren - spielte ich an einer Abdankung in einer Kirche der Kirchgemeinde XYZ in der Nähe von Thun. Es wirkte auch noch eine Flötistin mit. Nach der Abdankung belauschte ich ein Gespräch zwischen Flötistin und Pfarrer und vernahm so, dass die Flötistin ein Honorar von Fr. 300.- bekommen würde. (Nebenbei gesagt: Ich erhielt für meinen Einsatz Fr. 90.- ... harr harr harr)

Gerade diese Woche vernahm ich von einer Organistenkollegin, die in derselben Kirchgemeinde XYZ angestellt ist, dass die Kirchgemeinde einem beigezogenen Solisten nur mit Murren eine Honorar von Fr. 350.- oder sogar Fr. 400.- entrichte. Standard sei ein Honorar von Fr. 300.-.

Frage: Wie nennt man das, wenn eine Kirchgemeinde 23 Jahre dieselben Solistenhonorare ausrichtet?
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Vogelsang
Juni 2012
In barocken Orgeln wurde gerne der Registerzug "Vogelsang" eingebaut. Dabei werden mehrere kurze - also hochklingende - Orgelpfeifen kopfvoran in einen Behälter mit Wasser getaucht. Die Schwingungen der Pfeifen versetzen das Wasser in Wellenbewegungen, was sich in einer kontinuierliche Tonhöhenänderung auswirkt und vom Hörer als ziemlich authentisches Vogelgezwitscher wahrgenommen wird.

Die mir bekannte nächste Orgel mit Vogelsang steht übrigens in der Kirche Hilterfingen.

Nun, auch meine Orgel hat gelegentlich den Vogelsang. Die Kirche ist ein Touristenmagnet; Heerscharen von Touristen aus aller Herren Länder laufen in der warmen Jahreszeit auf den Schlossberg, besuchen das Schloss, bewundern vor der Kirche die Aussicht auf See und Berge und besichtigen auch die Kirche selbst. Wenn diese Leute dann die Kirche verlassen, vergessen sie recht häufig, die Türe hinter sich zuzumachen, obwohl eine entsprechende Bitte sowohl in deutscher wie in englischer Sprache an der Aussenseite dieser Türe angebracht wäre, aber Fremdsprachen sind bekanntlich Glücksache ...

Sind dann die Touristen verschwunden, und ist es um die und in der Kirche ruhig, kann es vorkommen, dass ein vorwitziger Spatz oder eine tollkühne Meise in die Kirche fliegt, einige Andenken fallen lässt, den Ausgang nicht mehr findet, in Panik gerät, auf die Empore fliegt, die dortige Aussicht bewundert, auf den Rand einer Prospektpfeife gelangt, dort das Gleichgewicht verliert und PLUMPS!!! in die Pfeife hineinfällt. Und ist der Vogel mal in der Pfeife, kommt er nicht mehr heraus.

Schon zweimal in meiner Karriere hörte ich so einen "natürlichen" Vogelsang, suchte den Vogel und seine Pfeife, nahm die Pfeife aus ihrer Halterung, ging nach aussen, kippte die Pfeife um, der Vogel flog hinaus und konnte - nicht ohne empörtes Zwitschern - wieder seine Freiheit geniessen.
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Moderne Musik
Juni 2012
In "meiner" Kirche herrscht der schöne Brauch des Kirchenkaffees. Nach jedem Gottesdienst wird Kaffee, Tee und Gebäck serviert. Dabei kann man sich noch etwas austauschen oder auch mit dem Pfarrer über die gehaltene Predigt fachsimpeln.

Vor einigen Jahren spielte ich als Zwischenspiel ein etwas schmalziges Charakterstück von Alexandre Guilmant, und da fragte anschliessend ein Predigtbesucher beim Kirchenkaffee: "Welcher Komponist hat denn dieses  MODERNE  Stück geschrieben?"

Nun muss man wissen, dass Guilmant - dieser als Komponist, Konzertorganist und Lehrer bekannte und populäre Organist - von 1837 bis 1911 lebte. Zu seiner Zeit hielt man ihn vielleicht für modern, aber heute darf seine Musik mit Recht als "romantisch" bezeichnet werden...

...wie hätte mein lieber Gottesdienstbesucher wohl ein Zwischenspiel von Max Reger (1873-1916), Hans Studer (1911-1986) oder gar Olivier Messiaen (1908-1993) taxiert?
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Die Orgel spielt...
April 2012
"Die Orgel spielt uns die Melodie einmal vor":

Diese von Pfarrerinnen und Pfarrern bei der Ankündigung unbekannter Lieder gern gebrauchte Formulierung bringt nicht wenige meiner Kolleginnen und Kollegen gelegentlich in Rage. "Also, eigentlich spielt nicht DIE ORGEL, sondern ICH spiele! Die Orgel ist nur das Instrument, auf dem ich die Melodie spiele."

Ich begreife den Ärger und die Frustration meiner Kollegen, erkläre mir aber die etwas ungeschickte Formulierung unserer Praedikanten so, dass sie - wie auch viele "normalsterbliche" Kirchenbesucher - eine gewisse Ehrfurcht in der Kirche empfinden und diese Ehrfurcht halt auch auf die Empore und somit auf die Orgel übertragen. Und da tönt es schon angemessener, wenn die Orgel - die ja man sieht - spielt, und nicht der Organist, den man ja häufig nicht einmal sieht (sondern höchstens husten hört...).

Und sonst walte der Humor:

...die Orgel spielt uns die Melodie einmal vor.
...die Kanzel liest uns nun den Predigttext vor.
...der Besen wischt morgen Montag die Kirche.
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Orgel...     ...Musik?
April 2012
Sind die Töne und Geräusche, die eine Kirchenorgel erzeugen kann, wirklich Musik? Oder fängt die Musik erst an, wenn zur Orgel noch Gesang und Instrumentenklänge dazukommen? Dazu eine wahre Begebenheit, die sich vor etwa 14 Jahren zugetragen hat. Ich spielte an einem Trauergottesdienst in der Dorfkirche Steffisburg. Die Trauerfamilie hatte zusätzlich noch eine Oboistin um ihre Mitwirkung gebeten. Der Herr Pfarrer - der nicht genau wusste, wann Duo-Musik und wann Orgel solo erklingen würde - erschien 10 Minuten vor der Trauerfeier und überreichte mir einen Ablauf beginnend mit...

1. Musik oder Orgel...
2. ...
3. ...
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Kinder in der Kirche
April 2012
Mit Kindern erlebt man in der Kirche bisweilen bemerkenswerte und oft auch lustige Situationen.

So kam vor Jahren ein Vater mit seinem fünfjährigen Sohne nach dem Gottesdienst auf die Empore. Ja, der Bub möchte halt mal die Orgel von nahem sehen. Also zeigte ich dem Buben die Orgel, die Pfeifen, den Spieltisch und spielte verschiedene Register vor... also ich gab mir redlich Mühe. Nach einigen Minuten aber fragte der Bub (er sa wohl vor lauter Bäumen den Wald nicht): "Ja, aber WO ist jetzt die Orgel?" - Ich war baff und öffnete die Tür zum Orgelinnern. Der Bub schaute hinein in das Tohuwabohu von Balken, Bälgen, Abstrakten, Windkanälen, Wellenbrettern und Windschläuchen und meinte dann: "Aha, das ist jetzt der MASCHINENRAUM der Orgel".

...oder da kam vor einigen Wochen Yannick nach der Orgelmatinée auf die Empore. Er sei sieben Jahre alt, spiele Klavier, und die Orgelmusik habe ihm gefallen. Ich hiess ihn, die Schuhe auszuziehen und setzte ihn auf die Orgelbank. Yannick begann zu spielen, Register auszuprobieren und geriet vollends in Fahrt und Rage (Ähnliches habe ich als Dreizehnjähriger in einem Musikhaus auf einer Farfisaorgel erlebt). Am Schluss musste ich ihm die Orgel ausschalten...
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Tag der Erde
April 2012
Das Internet hat mir Ende Februar mitgeteilt, der 22. April sei der "Tag der Erde". Da ich immer auf der Suche nach neuen und origenellen Matinée-Themen bin, schnappte ich mir diesen Gedenktag - der heuer an einem Sonntag liegt - als Motto und suchte nach passenden Musikstücken. Ich wurde u.a. fündig beim "Earth Song" von Michael Jackson.

Es ist ja ein schönes Lied. Aber... warum beim Donnerli hat Michael Jackson dieses Lied in der unmöglichen Tonart as-moll gespielt und gesungen?